Angela Merkel und die Krise Die einsame, stoische Kanzlerin

Angela Merkel wird kritisiert und beschimpft wie noch nie.

(Foto: Bloomberg)

Ich schaffe das: In der Flüchtlingsfrage kämpft die Kanzlerin zum ersten Mal um ihr politisches Überleben. Auch wenn sie schlecht schläft, lässt sie sich nicht beirren.

Angela Merkel ist unter Druck

Ein halbes Jahr lang währt die Flüchtlingskrise schon. Und Angela Merkel steht unter gewaltigem Druck. Die europäischen Partnerregierungen wollen nicht so, wie die Kanzlerin will. Die Schwesterpartei CSU auch nicht. Und zuletzt sind auch noch Merkels Umfragewerte abwärts gerauscht. Merkel schreibt Geschichte, so oder so. Aber was macht die Geschichte mit ihr?

Nico Fried hat einige Wochen lang versucht, mit Merkel Schritt zu halten, um herauszufinden, wie sie mit dem Druck umgeht. Er hat sie während der Pressekonferenzen in Berlin beobachtet und im Wahlkampf in Rheinland-Pfalz. Das Pensum, das die Kanzlerin absolviert, ist atemberaubend. Er hat mit Menschen gesprochen, die mit Merkel zu tun haben, um herauszufinden, wie sie unter dieser Anspannung reagiert. Die überraschendste Antwort lautete: "Sie ist wie immer." Kann das wahr sein?

Schlafprobleme durch die Krise

Angela Merkel ist ein Ausbund an Selbstbeherrschung. Sie lässt sich nichts anmerken, sie lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie sagt von sich selbst, dass sie viel nachdenkt über diese Krise, offensichtlich schläft sie deshalb manchmal nicht gut. Das dann doch.

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Aber die Kanzlerin redet ganz selten über ihre Gefühle. Wie es da drinnen aussieht, geht niemanden was an. Deshalb ignoriert sie auch die ständigen Angriffe von CSU-Chef Horst Seehofer. Sie beschwert sich nicht, sie keilt nicht zurück. Am besten sieht man den Druck, unter dem sie steht, in den Momenten, in denen er mal von ihr abfällt. So wie bei der Ehrung des VfL Bad Wildungen mit dem großen Stern des Sports in Gold vor ein paar Tagen. Der Verein ist in der Flüchtlingsarbeit sehr aktiv, und sein Vorsitzender Wolfgang Ochs sagte, als er neben Merkel stand: "Gemeinsam schaffen wir das." Da hat man gesehen, wie gerührt sie war.

Felsenfest, absolut überzeugt, unbeirrbar

Im Wahlkampf bemüht sich Merkel, den Leuten ihre Politik zu erklären. Immer wieder. Und im pfälzischen Frankenthal hat Fried erlebt, dass die Leute ihr zumindest zuhören. Sie wollen wissen, wie das alles weiter gehen soll. Hunderte Menschen drängen sich im Saal, auf der Galerie und auch noch vor den Türen, die längst verschlossen sind. Am Ende von Merkels Rede klatschen sie, wenn auch nicht mehr so euphorisch wie früher.

Irgendwann im März, wenn das Wetter auf der Balkanroute wieder besser wird und in drei Bundesländern gewählt worden ist, wird man wissen, wie es um Merkels politische Zukunft steht. Die Prozentwerte müssen steigen, die Flüchtlingszahlen sinken. Sonst hat sie ein Problem.

In der Sache aber wirkt Merkel absolut überzeugt. Sie will eine europäische Lösung, sie will mit der Türkei kooperieren und sie will die Fluchtursachen bekämpfen. Jemand, der sie sehr gut kennt, ist sich ganz sicher: "Diese Frau schließt keine Grenze."

Ich schaffe das

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