Zuletzt blieb nur noch Christian Wulff - der jetzt ins Schloss Bellevue hinübergelobt werden soll. Profiteur der Merkel'schen Führungspolitik ist ausschließlich Merkel selbst - die ausgerechnet an diesem Mittwoch den Global Leadership Award erhält. Ihr Führungsstil ist nicht vom "Wir" geprägt, im Gegenteil: Merkel ist der politische Prototyp des Ego-Taktikers.
Anzeige
"Ego-Taktiker" wurden 2002 mit der Shell-Jugendstudie populär und sollten die Generation der Zwölf- bis 25-Jährigen charakterisieren. Der Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann schrieb ihnen einmal unter anderem folgende Merkmale zu:
"Sie sondieren sensibel ihr Umfeld und fragen sich, welche Möglichkeiten und Chancen für ein Engagement und für ihre persönliche Entwicklung sich daraus ergeben. Ego-Taktiker sind keine Egoisten, die ohne Rücksicht auf Interessen und Bedürfnisse anderer nur von ihrem eigenen Nutzen ausgehen. Vielmehr sind sie an einer guten Qualität des sozialen Zusammenlebens interessiert, wollen dabei allerdings ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen umgesetzt sehen. Sie fragen ständig: Was habe ich davon, wenn ich mich in einer bestimmten Weise verhalte oder engagiere? Was bringt es mir, was ergibt sich daraus?"
Das Führungsverhalten in Merkels Koalition könnte ein Politologe nicht treffender beschreiben. Resümieren lässt es sich folgendermaßen: Manche Zwölfjährige verhalten sich offenbar so, wie die Kanzlerin regiert. Möglicherweise kann Merkel so ihre eigene Machtposition erhalten - zumindest kurzfristig. Ihrer Verantwortung für das Land wird sie damit nicht gerecht.
Fehlende Richtung
Jüngstes Beispiel ist das Sparpaket, das Schwache schröpft und Reiche schont. Die Kanzlerin lässt sich hier vor den Karren der FDP spannen, um die Wahl Wulffs zum Bundespräsidenten zu sichern - und ihre persönliche Machtstellung. Dass Menschen in ohnehin schwierigen Lebenslagen mit den Sparbeschlüssen in noch größere Nöte gestürzt werden, dass das soziale Profil der Union beschädigt und dass der soziale Frieden im Land gefährdet wird, scheint sie dafür in Kauf zu nehmen.
"Wir stellen den Mut zur Zukunft der Verzagtheit entgegen", heißt es an vorderster Stelle im schwarz-gelben Koalitionsvertrag. "Wir wollen unserem Land eine neue Richtung geben." Doch noch nie wirkte eine Regierung nach wenigen Monaten im Amt derart hilflos, ideenlos und überfordert. Statt "Wir" dominieren zahlreiche "Ichs", statt "Mut" herrscht Kleinmut und statt "Richtung" Orientierungslosigkeit.
Ego-Taktiken helfen dem Land genauso wenig weiter wie unsoziale Klientelpolitik. Es wäre immerhin ein Anfang, wenn sich die Regierung wieder auf das "Wir" besinnen, ihre Politik besser erklären und mit Augenmaß und Verantwortungsbewusstsein zu Werke gehen würde. Dann bestünde auch wieder eine Chance, dass bei mehr Deutschen in näherer Zukunft ein "Wir-sind-Regierung"-Gefühl aufkommt.
Vom Wirr-Gefühl haben alle genug. Da hilft auch nicht, dass Angela Merkel vermutlich bald zu den Fußballern nach Südafrika reist.
Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Thema
- Angela Merkel RSS
- Bundeskanzlerin Was halten Sie von Merkels Führungsqualitäten? 14.06.2010
- Kanzlerin als Führungskraft Chefproblem Angela Merkel - ihre sieben Schwächen 13.06.2010
- Konflikte über Konflikte Merkel verliert Kontrolle über die Koalition 12.06.2010
- Koalition in der Krise Der schwarz-gelbe Trauerzug 12.06.2010
- Sparklausur der Bundesregierung Kahlschlag in der Verwaltung 06.06.2010
(sueddeutsche.de/gba)
Stockender Kita-Ausbau
Ein Mädchen marschiert an die Macht
Deutschlands Mutti
Merkel: Es menschelt
Miss Tschörmanie
Lass die Leute reden ...
Frau BKin Merkel ist nun zur Zielscheibe derer geworden, die einiges an eigenen Irrtümern und Fehlern zu verstecken haben und so kann sie, auch wenn schießwütige Journalisten ihr das nicht zugestehen wollen, aufrecht bleiben. Eine sich nun ankündigende Niederlage wird auch und vor allem die Blamage derer sein, die sie vor Kurzem noch so gerne als "mächtigste Frau" vor sich hergetragen haben.
Dieser Artikel ist langatmig und komisch, ohne komisch zu sein. Die Öffentlichkeit und sicherlich auch der/die Verfasser/in haben sich die Beurteilung bei der Frau Ypsilanti, die sich bemühte, nach der Abwahl von Koch eine Regierung auf die zu stellen, einfacher, kurz und bündig geurteilt: diese Frau ist lediglich machtgeil (solch ein hässliches Wort). Diese Frau Merkel ist entweder "wirr", sie ist "Ego-Taktikerin", sie ist alles mögliche, aber sie ist offensichtlich, lt. Artikel, noch nicht einmal machthungrig. Ich muss gestehen, ich hatte, obwohl nicht ein Freund der Union, etwas von dieser Frau erwartet. Aber nach der großen Koalition, in der sie sich "verstecken" konnte, muss man erkennen, sie kann es nicht.
Diese Regierung ist Fertig, sie weiß es aber sie werden nicht den Mumm haben es einfach zu Sagen und zurück zu Treten, weder Fr. Merkel noch Hr. Westerwelle, die Kleben an ihren Stühlen wie Pech. Ein "Wir" gibt es immer nur dann wenn das Volk und der Steuerzahler wieder Geschröpft werden, davor und danach gibt es eine Regierung und ein Volk was 2 Welten sind. Dieses ganze System ist absolut marode, es hat uns dazu gebracht auf Mitmenschen zu Schei...n weil sie uns Egal geworden sind, es gibt keine Partei in Deutschland die das wirklich ändern will oder gar kann, es gibt zuviel Parteien in Deutschland. Wir sind in Europa eines der Reichsten Länder und haben eine Starke Wirtschaft, was machen wir damit?. Wir Verschleudern unser Geld im Ausland was hier Dringend gebraucht würde für Bildung und unser Sozialsystem, siehe Griechenland. Das ganz große Problem ist die Globalisierung und der Euro, es wird uns Fix und Fertig machen, das ist Sicher.
Wir Deutschen, nein, unsere Regierung ist mehr für andere da als für das Volk selbst, wenn es mich an der Nase Juckt Kratze ich mich nicht am Knie. Frau Merkel wird als Kanzlerin der Untätigkeit in die Geschichte eingehen.
Bin mal Gespannt wann Frau Merkel zu der Ölpest im Golf von Mexiko zu uns Deutschen Spricht,wenn sie den mal in Deutschland ist "jetzt sind wir alle Amerikaner" und müssen ihnen mit Milliarden Helfen, darauf warte ich Stündlich!.
Da schreibt der Autor doch tatsächlich, der Fehler der "Regierung" sein es, die eigenen Beschlüsse zu wenig zu erklären. Muahhaha.
Wie kommt man darauf, dass es da etwas zu erklären gibt? Dass da irgendwas plausibel und/oder vernünftig ist in dem angeblichen Regierungshandeln?
muss sich endlich in die richtige Richtung bewegen. Und wenn Merkel lieber eine große Koalition will, dann sollte sie das auch klar so sagen.
Paging