Und immer wieder findet der Präsident für Merkel ganz große Worte: Die Kanzlerin sei eine Verbündete im Einsatz für Freiheit und Demokratie, sagt er während der Pressekonferenz. Man könne das an ihrem Engagement für Afghanistan sehen, für den Libanon, für einen palästinensischen Staat, überhaupt für alle jungen Demokratien.

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Heute die Freiheit zu schaffen, bedeute morgen "Frieden für unsere Kinder und Enkel" zu sichern, sagt Bush. Und mit einem freundlichen Blick auf die Kanzlerin fügt er hinzu: "Sie hat diese Vision. Und ich schätze das sehr."

Man kann in solchen Momenten lange versuchen, in Angela Merkels Miene zu lesen. Da ist aber nichts. Sie guckt einfach geradeaus. Sie hat mittlerweile Routine darin, die Freundlichkeiten des Präsidenten reaktionslos hinzunehmen. Vom ersten Treffen an schmeichelte ihr George W. Bush.

Sie sei "eine faszinierende Person", ließ er gleich zu Anfang wissen. Ganz besonderen Eindruck haben Merkels Erfahrungen als Bürgerin der DDR auf den Präsidenten gemacht. Und ihre Kenntnisse über Russland. Dass die USA sich nach langem Zögern in die Gespräche mit Iran eingeschaltet haben, beschrieb Bush beim Besuch in Stralsund im Juli 2006 als Verdienst der Kanzlerin.

Sie habe ihn geradeheraus aufgefordert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren: "Das habe ich getan." Merkel, so Bush an anderer Stelle, sei eben "eine starke Führungspersönlichkeit".

Solches Pathos ist der Kanzlerin fremd. Und womöglich auch etwas peinlich. Erst in den vergangenen Tagen konnte sie erleben, wie ein Übermaß an Ehrerbietung gegenüber Bush dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy zu Hause mächtig Schelte in den Medien und von der Opposition einbrachte. Und bei ihr in Deutschland sitzt ein großer teil der Bush-skeptischen Opposition ja sogar mit in der Regierung.

So ist es wohl kein Wunder, dass Merkel in Crawford die Außenpolitik eher kleinteilig buchstabiert. In Afghanistan müsse man sich auf die Ausbildung der Sicherheitskräfte konzentrieren, sagt sie zum Beispiel. Oder auch, dass man im Umgang mit Iran "die nächsten Schritte im Visier habe". Eins nach dem anderen. Einen großen Bogen spannt sie nicht.

Als Merkel dann über die Reform der Vereinten Nationen spricht, sagt sie einen bemerkenswerten Satz: "Ich bin ja bekannt als ein erfolgsorientierter Mensch." Und deshalb sei es auch nicht gut, fortwährend Zwischenstände zu kommentieren.

Ohne Weiteres ist das wohl als ein Diktum für Merkels Politik insgesamt und auch für ihre Zurückhaltung im Angesicht des mit seinem Liebreiz nicht geizenden Präsidenten zu nehmen: Denn was haben die neuen deutsch-amerikanischen Beziehungen in all den schwierigen Fragen von Iran über den Nahen Osten bis hin zum Kosovo wirklich zu bieten? Lauter Zwischenstände. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

"Stramm gelaufen

"Lange schon hat George W. Bush angeblich der Kanzlerin die Einladung auf seine Ranch angetragen. Immer mal wieder soll der Besuch sogar Thema der Video-Konferenzen zwischen dem Weißen Haus und dem Kanzleramt gewesen sein. Merkel hat sich Zeit gelassen. Nun aber erachtete sie die Gelegenheit offenbar als günstig.

Vielleicht vermutet sie, der Präsident werde in seinem letzten Amtsjahr konzilianter sein, mehr darum bemüht, Probleme zu reparieren, die er mitzuverantworten hat. Ein paar Taten, statt nur großer Worte. Neben dem eigenen Vermächtnis muss Bush schließlich auch daran gelegen sein, die Chancen eines republikanischen Kandidaten, wer immer es nächstes Jahr sein mag, nicht von vorneherein auf Null zu dimmen.

Viele Stunden sitzen Merkel und Bush an diesem Wochenende zusammen. Wenig dringt über das nach draußen, was auf der Ranch wirklich gesprochen wird. Immerhin so viel, dass sich der Kanzlerin kein apodiktischer Präsident präsentiert hat.

Von offenen Diskussionen ist vielmehr die Rede, von einem George W. Bush, der bisweilen auch längere Zeit nichts gesagt, sondern einfach nur zugehört haben soll. Differenziert und interessiert lauten zwei Beschreibungen, die hernach zu hören sind. Und dazu das Bild eines geradezu rührenden Gastgebers, stets um das Wohl seiner Besucher bemüht und bei jedem Gang umwuselt von seinen Hunden Barney und Miss Beazley.

Eine Art Ergebnis ist bei der gemeinsamen Pressekonferenz zu besichtigen. Kein Wort mehr von einem dritten Weltkrieg, der durch die Iran-Krise ausgelöst werden könnte. Statt dessen ein Bekenntnis zur diplomatischen Beilegung des Konfliktes um das Atom-Programm.

Offenere Worte auch zu einer Reform des Sicherheitsrates, von der sich Deutschland zumindest zeitweilig einen Sitz in diesem Gremium erhofft. Und allenthalben ein Präsident, der sich so sympathisch wie möglich gibt, ohne Rücksicht auf hemmungslose Übertreibungen. Einem deutschen Journalisten, der eigentlich ziemlich normal in heller Hose und dunklem Sakko vor ihm steht, ruft Bush fröhlich zu: "Sie sehen aus wie ein Cowboy."

Später im Flugzeug kommt Angela Merkel übrigens doch auf den Morgenspaziergang zu sprechen, den der Präsident so schillernd beschrieben hat. Über eine Stunde lang sei man "stramm gelaufen", sagt Merkel. Mehr nicht.

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