Von Nico Fried

Auf seiner Ranch legt sich der US-Präsident mit Freundlichkeiten ins Zeug - doch die Kanzlerin hütet sich bei allem Wohlwollen vor allzu viel Innigkeit.

Ein bisschen klingt es wie Hollywood: Der amerikanische Präsident erzählt gerade von einem "phantastischen Morgen", den er mit der deutschen Bundeskanzlerin erlebt habe. "Die Sonne ging auf", schwärmt George W. Bush, "die Vögel begannen zu zwitschern."

Als "wunderschönes Fleckchen Erde" beschreibt Kanzlerin Merkel die Ranch des Präsidenten. (© Foto: AP)

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In dieser Idylle hätten er und Angela Merkel mehr als eine Stunde lang einen Spaziergang gemacht und "ein bedeutendes Gespräch" geführt. Man ist natürlich sehr gespannt, was Merkel wohl zu diesem geradezu romantisch anmutenden Erlebnis sagen wird. Aber genau da passiert es: Eine leichte Brise weht den Sprechzettel der Kanzlerin vom Pult.

Das weiße Blatt landet im säuberlich gemähten Steppengras. Da bleibt es auch liegen - und mit ihm das Geheimnis, ob sich Merkel vielleicht ebenfalls einen netten Satz über die gemeinsame frühmorgendliche Promenade notiert hat.

Aus dem Stegreif hat sie jedenfalls keinen parat. Als "ein wunderschönes Fleckchen Erde" beschreibt sie zwar das Gelände rund um die Ranch des Präsidenten, wobei das Wort Fleckchen lustig klingt, wenn man weiß, dass Bushs Grund und Boden hier in Crawford so weitläufig ist, dass mehr als tausend Fußballfelder darauf Platz hätten.

Merkel sagt auch noch, dass man "einen Eindruck von der amerikanischen Weite und der landschaftlichen Vielfalt" bekomme. Aber dann ist sie schon beim ersten außenpolitischen Thema. Und abgesehen von der diplomatisch üblichen Formulierung, man sei sich einig über dies und das gewesen, kommt in den verbleibenden Minuten dieser Pressekonferenz nichts Persönliches, geschweige denn etwas Gefühliges aus ihrem Munde.

O-Beine und am Gürtel Gold

Es gibt in diesen zwei Tagen ein paar öffentliche Momente, in denen dieser Unterschied zwischen Präsident und Kanzlerin immer wieder deutlich wird. George W. Bush lässt keine Gelegenheit aus, Angela Merkel zu lobpreisen.

Die aber bleibt stets nüchtern. Es wirkt fast so, als verbinde sich ihr ohnehin etwas spröder Charakter an diesem Wochenende zu einer günstigen Allianz mit der Absicht, eine ausgewogene Botschaft nach Hause zu transportieren: Es ist das Bild einer Kanzlerin, die mit diesem Präsidenten, der seit dem Irak-Krieg in solch niedrigem Ansehen steht, doch sehr ordentlich zurechtkommt. Aber zu viel Nähe, zu viel Innigkeit soll ihr eben auch niemand nachsagen können.

Es ist ein interessanter Ort für eine solche Botschaft. Denn mehr Ehre als eine Einladung auf seine private Ranch kann George W. Bush einem anderen Regierungschef nicht erweisen. Persönlich holt er seinen Gast am Freitagnachmittag vom grundstückseigenen Hubschrauberlandeplatz ab.

Als er quasi als Privatmann verkleidet in einem großen weißen Geländewagen vorfährt, trägt er eine verdammt coole Sonnenbrille, die noch größer und dunkler erscheint als die Sonnenbrillen der Leute vom Secret Service, dazu Blue Jeans mit einer mächtigen goldenen Gürtelschnalle und ein weißes Hemd. Was freilich am meisten auffällt, sind die O-Beine des Präsidenten, die, hätte man es nicht mit eigenen Augen anders gesehen, vermuten ließen, er sei soeben herbeigeritten und nicht gefahren.

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