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Angela Merkel auf USA-Reise Obama lädt zur Dinner-Diplomatie

Seltene Ehre für einen Staatsgast: Zum Auftakt von Angela Merkels Besuch in Washington führte US-Präsident Obama die Kanzlerin in ein Restaurant im Universitätsviertel Georgetown. Über das Verhältnis von Merkel und Obama ist viel spekuliert worden, es gilt als nicht unbelastet. Doch das Abendessen sei in entspannter Atmosphäre verlaufen, heißt es.

Es war eines der best gehüteten Geheimnisse vor dem Besuch der Kanzlerin in Washington. Nicht einmal Angela Merkel selbst soll vorher gewusst haben, in welches Lokal der US-Präsident sie ausführen wird. Barack Obama habe die Kanzlerin dann mit dem Auto abgeholt und zum "1789 Restaurant" - eine altehrwürdige Adresse in Georgetown - gefahren, um vertraulich mit ihr sprechen zu können. Auf deutscher Seite wurde danach schon einmal von einem gelungenen Auftakt des großen Besuches gesprochen.

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Bei dem gemeinsamen Abendessen besprachen sie alle internationalen Themen von Nordafrika bis Afghanistan und Nahost, die Euro-Krise, die Lage der Weltwirtschaft und die Situation in Deutschland und den USA. Vor einem Jahr hatte Obama seinen russischen Amtskollegen Dmitrij Medwedjew in der Nähe von Washington in ein Hamburgerlokal zu Cheeseburger und Pommes Frites eingeladen.

Am Dienstagmorgen wird die Kanzlerin von Obama mit militärischen Ehren zu offiziellen Gesprächen im Weißen Haus empfangen. Mit dabei sein werden dann auch Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler, Bundesaußenminister Guido Westerwelle (beide FDP), Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) und Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sowie ihre jeweiligen US-Kollegen. Zu den wichtigsten Gesprächsthemen dürften die Lage im Nahen Osten, in Afghanistan und den Umbruchstaaten Nordafrikas sowie die Euro-Krise und die Neubesetzung der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF) gehören.

Für den Abend ist ein Staatsbankett mit 250 Gästen angesetzt - vor Merkel lud Obama nur die Präsidenten von China, Mexiko und Indien zu einer solch erlauchten Runde ins Weiße Haus ein. Zu dem feierlichen Abendessen im Weißen Haus mit rund 250 Gästen kommen auch Merkels Mann Joachim Sauer, sowie der Fernsehmoderator Thomas Gottschalk und der frühere Fußball-Bundestrainer Jürgen Klinsmann.

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Angespanntes Verhältnis

Das Verhältnis zwischen Merkel und Obama ist nicht ganz unbelastet. Bei manchen Politikern hält sich die Wahrnehmung, seitdem Merkel 2008 den Präsidentschaftskandidaten Obama nicht am Brandenburger Tor, sondern nur an der nicht ganz so symbolhaften Siegessäule in Berlin sprechen ließ, und er als Präsident dann zwei Mal nach Deutschland kam und einen Bogen um die Hauptstadt machte. Schließlich noch der Krach um die Bewältigung der Finanzkrise und zuletzt die Differenzen um das Vorgehen gegen Libyen.

Wie im Vorfeld bekannt wurde, wird Merkel am Dienstagabend im Rahmen eines Staatsbanketts von Obama mit der Freiheitsmedaille, der höchsten zivilen Ehrung der USA, ausgezeichnet. Sie ist nach Altbundeskanzler Helmut Kohl die zweite Deutsche, die die Medaille verliehen bekommt.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) wertete den "außergewöhnlichen Empfang" der deutschen Delegation durch die US-Regierung als Beleg für das vorzügliche Verhältnis beider Länder. Die Beziehungen seien eng, partnerschaftlich und freundschaftlich, so Westerwelle weiter. Mit Blick auf die Libyen-Frage räumte er ein, dass es natürlich auch unter engsten Freunden unterschiedliche Auffassungen geben könne. Die Entscheidung gegen eine Beteiligung an der Militärintervention werde aber unverändert vertreten. Gleichwohl sei Deutschland bereit, sich am zivilen Wiederaufbau des Landes zu beteiligen.

Es ist der sechste Besuch der Kanzlerin in den USA in der Amtszeit Obamas. Der US-Präsident wiederum war zwar bereits mehrfach in Deutschland, einen offiziellen Besuch in Berlin hat er bislang aber noch nicht absolviert. Zuletzt hatten sich Merkel und Obama beim Gipfel der acht großen Industriestaaten (G 8) im französischen Deauville vor eineinhalb Wochen gesehen.

Mit dabei in Washington ist auch Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP). Er forderte eine engere deutsch-amerikanische Abstimmung in Hightech-Bereichen wie der Elektromobilität. Bei einem Treffen mit Ökonomen mehrerer amerikanischer Forschungsinstitute sprach sich Rösler am Montagabend nach Angaben von Teilnehmern für eine Wiederbelebung der transatlantischen Wirtschaftspartnerschaft (TEC) aus, die 2007 auf deutsche Initiative gegründet worden war.

"Sie legt die entscheidende Grundlage für künftige intensivere wirtschaftliche Beziehungen", sagte Rösler, der dazu am Dienstag US-Wirtschaftsminister Gary Locke treffen wird. Die TEC - mittlerweile federführend von der EU-Kommission betreut - soll Handelshindernisse auf beiden Seiten des Atlantiks abbauen.

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