Angebliches Terrorziel Reichstag BKA-Chef warnt vor Hysterie

Rüffel aus dem Bundeskriminalamt: Präsident Ziercke rüffelt Journalisten, die über mutmaßliche Terrorziele berichten - das gefährde die verdeckten Ermittlungen der Sicherheitsbehörden.

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat nach den Berichten über einen angeblich geplanten Terroranschlag auf den Reichstag vor Panik und Hysterie gewarnt. Für beides bestehe kein Anlass, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke am Samstag in Hamburg. "Es gibt auch keinen Grund, irgendeine öffentliche Veranstaltung abzusagen."

Das Bundeskriminalamt versuche, alle Erkenntnisse durch zusätzliche Ermittlungen abzuklären. Die Berichte über einen angeblich auf den Reichstag geplanten Anschlag wirkten hinein in die konkreten verdeckten Ermittlungen der Sicherheitsbehörden, sagte Ziercke. Daher wolle er zu den Berichten keine Angaben machen.

Solche Äußerungen würden die Ermittlungen und Quellen gefährden. "Natürlich ist es so (...), dass symbolträchtige Objekte in Deutschland insgesamt im Fokus stehen könnten", räumte der BKA-Präsident ein. Deshalb gebe es auch zusätzliche Präsenz der Polizei an solchen Orten.

Der Spiegel hatte berichtet, ein deutscher Islamist aus dem Ausland habe sich beim BKA gemeldet und davor gewarnt, ein Kommando der Terrororganisation al-Qaida und verbündeter Gruppen wolle möglicherweise den Sitz des Bundestages stürmen, Geiseln nehmen und ein Blutbad anrichten. Die Attacke auf die Touristenattraktion sei im Februar oder März geplant.

Demnach habe sich ein deutscher Islamist aus dem Ausland mit entsprechenden Informationen beim Bundeskriminalamt gemeldet. Nach Darstellung des "Gotteskriegers" will ein Kommando von al-Qaida und verbündeten Gruppierungen möglicherweise den Sitz des Deutschen Bundestages stürmen, Geiseln nehmen und ein Blutbad anrichten. Die Attacke auf die Touristenattraktion sei im Februar oder März geplant. Gedacht sei auch an einen Bombenanschlag in Deutschland mit einem Handy als Zünder.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte in Lissabon am Rande des Nato-Gipfels: "Wir haben eine reale Gefährdung durch den Terrorismus, das muss man einfach sehen." Auf konkrete Nachfragen verwies sie auf die Stellungnahme des Bundeskriminalamtes: "Es gibt keine Details, die jetzt zu berichten wären."

Der Chef der Bundespolizei, Matthias Seeger, bezeichnete die Gefahr eines Terroranschlags von Islamisten als konkreter als je zuvor. Anders als bei früheren Terrorwarnungen habe man heute "mehrere Hinweise auf bevorstehende Anschläge, die aus verschiedenen Quellen stammen", sagte er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Der Bundestag soll an diesem Dienstag auf einer Sondersitzung des Parlamentarischen Kontrollgremiums über die aktuelle Terrorgefahr informiert werden. Für die Besucher des Reichstags in Berlin gibt es derzeit trotz der Warnungen keine Einschränkungen.