Angeblicher Brief von Osama bin Laden Ein neuer Name für al-Qaida

Sorgte sich Osama bin Laden um den schlechten Ruf von al-Qaida? Angeblich soll der Terrorist vor seinem Tod sogar über einen neuen Namen für das Terrornetzwerk nachgedacht haben. So steht es offenbar in einem seiner letzten Briefe. Demnach ärgerte sich Bin Laden auch über sein junges Personal.

Osama bin Laden wusste seine Anhänger und Feinde bei Laune zu halten: Seine Drohungen gegenüber Amerika ließ er mittels Videos und Tonbandaufzeichnungen verbreiten, auch das Internet spielte bei der Verkündung seiner Botschaften eine Rolle. Dass sich der Anfang Mai von einer US-Spezialeinheit getötete Terrorist ernsthaft mit Marketing für sein Netzwerk al-Qaida beschäftigte, erscheint jedoch wie ein schlechter Witz. Amerikas größter Feind, ein Anwender kapitalistischer Verkaufstechniken?

Der Terrorchef als Nachbar

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Doch so soll es gewesen sein. Das behauptet zumindest die Nachrichtenagentur AP, die Kenntnis von einem Brief aus dem Nachlass Bin Ladens haben will. Darin habe der Terrorist die Sorge geäußert, dass al-Qaida wegen der Tötung vieler Muslime in der islamischen Welt einen schlechten Ruf bekommen habe. Außerdem sei der vollständige Name, "al-Qaida al Dschihad" (Die Basis des Heiligen Krieges) vom Westen auf "al-Qaida" verkürzt worden. Dies habe dem Feind erlaubt zu behaupten, er sei mit Terroristen im Krieg, aber nicht mit dem Islam.

Bin Laden soll deshalb über eine Umbenennung seines Terrornetzwerks nachgedacht haben. "Taifat al Tauhed Wal Dschihad" soll zur Wahl gestanden haben, etwa: "Partei der Einheit Gottes und des Dschihad." Oder auch: "Dschama'at l'Adat al-Chilafat al Raschida", was mit "Gruppe zur Wiederherstellung des Kalifats" übersetzt werden kann. Dass beide Namen sehr lang und umständlich sind, soll dem - angeblich in Sachen Marketing bewanderten - Bin Laden allerdings nicht aufgegangen sein.

Nachdem der Terrorist getötet worden war, stellten seine Jäger in dessen letzter Zuflucht im pakistanischen Abbottabad angeblich große Datenmengen sicher. Darunter soll sich auch der Brief befunden haben, in dem sich der Terrorist über den Ruf und den Zustand seiner Organisation beklagt.

Allerdings beruft sich die Nachrichtenagentur AP nicht direkt auf das Schriftstück, sondern zitiert anonyme US-Vertreteter, die ihre Informationen wiederum aus Geheimdienstquellen haben wollen. So lassen sich die Behauptungen nicht überprüfen - sie könnten auch von der US-Regierung gestreut worden sein, um Bin Laden in einem ungünstigen Licht erscheinen zu lassen.

Dazu würde auch passen, wie sich der Terrorist in seinem Brief zur Altersstruktur des Netzwerks geäußert haben soll: Viele ältere Kampfgefährten aus Afghanistan seien tot oder in Gefangenschaft, die Nachzügler seien zu jung und unerfahren, soll sich Bin Laden beklagt haben. Viele seiner Gefolgsleute habe er mangels Internet und Telefon nicht kennenlernen können. Das habe ihn verärgert.

Wie AP weiter berichtet, sei die Durchsicht der in Abbottabad gefundenen Dokumente "nach Angaben von US-Vertretern" im Wesentlichen abgeschlossen. Geheimdienstanalysten würden darin jedoch noch lange nach Informationen schürfen. Weitere Überraschungen in Sachen Bin Laden nicht ausgeschlossen.

Keule auf der Brust

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