Zwei Jahre nach einer umstrittenen Rettungsaktion im steht der Ex-Chef der Hilfsorganisation, Elias Bierdel, vor Gericht. Für die einen "ein Skandal", für andere die Quittung einer medienwirksamen Inszenierung.
Die Staatsanwaltschaft wirft ihm und zwei Mitangeklagten Beihilfe zur illegalen Einwanderung in einem besonders schweren Fall vor. Der Prozess, der am 11. Dezember mit ersten Zeugenvernehmungen weiter geht, könnte mehrere Jahre dauern, verlautete nach dem ersten Verhandlungstag.
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Elias Bierdel mit Flüchtlingen im Jahre 2004 (© Foto: dpa)
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Die Aktion der "Cap Anamur" hatte im Sommer 2004 weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Bierdel sowie der mitangeklagte damalige Kapitän Stefan Schmidt und der erste Offizier Vladimir Daschkewitsch hatten 37 Afrikaner aus Seenot gerettet. Nach einer dreiwöchigen Irrfahrt vor der sizilianischen Küste setzte die "Cap Anamur" in einem Tauziehen mit den italienischen Behörden durch, dass die Afrikaner in Sizilien an Land gehen konnten.
"Der Vorwurf der Schlepperei ist absurd", sagte Bierdel nach der Sitzung. "Unsere Organisation hat niemals TV-Bilder für Geld verkauft." Bierdel war als einziger Angeklagter zum Auftakt des Hauptverfahrens persönlich vor dem Gericht erschienen.
Beschlagnahme und Haft
Die italienischen Behörden hatten seinerzeit die Ansicht vertreten, die Afrikaner seien in maltesischen Gewässern gerettet worden und hätten daher auf Malta von Bord gehen müssen. Daher hatten sie der "Cap Anamur" wochenlang die Einfahrt in den sizilianischen Hafen Porto Empedocle verweigert. Zeitweise drohte der Kapitän, auch ohne Genehmigung den Hafen anzusteuern, weil sich die Lage an Bord zugespitzt habe. Später wurde die "Cap Anamur" zeitweise beschlagnahmt, Bierdel kam für kurze Zeit in Italien in Haft.
Kritiker in Deutschland warfen Bierdel damals eine medienwirksame Inszenierung der Rettungsaktion vor. Kurz nach dem Eklat wurde er in der Führung der Kölner Organisation Cap Anamur abgelöst, die vor 27 Jahren vom Journalisten Rupert Neudeck gegründet worden war.
Weltweite Schlagzeilen machte sie in den 80er Jahren durch die Rettung Tausender Vietnam-Flüchtlinge im Südchinesischen Meer. Rund 20 Menschenrechtsorganisationen in Deutschland forderten eine schnelles Ende des Prozesses. Die Eröffnung der Verhandlung sei ein Skandal, sagte der Europareferent von "Pro Asyl", Karl Kopp.
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(dpa)
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