Angeblich schwarz beschäftigte Putzfrau Steinbrück empört über Erpressungsversuch

"Jenseits meiner Vorstellungskraft": Peer Steinbrück ärgert sich über einen Erpressungsversuch. Weil seine Frau angeblich eine Putzfrau schwarz beschäftigte, forderte ein Erpresser, dass der SPD-Kanzlerkandidat seine Bewerbung zurückzieht. SPD-Chef Gabriel spricht von einem "Tiefpunkt" im Wahlkampf.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat sich empört über einen Erpressungsversuch gegen ihn gezeigt. Er habe Anzeige erstattet, da es sich um einen strafrechtlich relevanten Vorgang handle, sagte Steinbrück. Was er bislang im Wahlkampf erlebt habe, gehe weit über das hinaus, was akzeptabel sei. "Dass dazu ein Erpressungsversuch gehört, ist jenseits meiner Vorstellungskraft gewesen."

Auch SPD-Chef Sigmar Gabriel prangerte den Erpressungsversuch gegen Steinbrück wegen einer angeblich schwarz beschäftigten Putzfrau als "Schmutzkampagne" an. "Dieser Erpressungsversuch ist bisher der absolute Tiefpunkt in diesem Wahlkampf", sagte er der Bild am Sonntag. "Eine 14 Jahre alte Geschichte, mit der Peer Steinbrück nichts zu tun hatte, 14 Tage vor der Wahl hoch zu ziehen, ist wirklich schmutziger Wahlkampf", sagte Gabriel.

Zuvor war bekannt geworden, dass ein Erpresser versucht hatte, Steinbrück zum Rückzug von seiner Kanzlerkandidatur zu zwingen. Einem Bericht der Bild-Zeitung zufolge warf der mutmaßliche Täter dem Ehepaar Steinbrück vor, vor etwa 14 Jahren eine Putzfrau illegal beschäftigt zu haben. Er drohte der Zeitung zufolge, dies öffentlich zu machen, wenn Steinbrück nicht auf seine Kandidatur verzichte.

"Steinbrücks sind nicht erpressbar"

Steinbrücks Ehefrau Gertrud hatte die Vorwürfe der Zeitung zufolge zurückgewiesen: "Steinbrücks sind nicht erpressbar. Und lassen sich auch nicht erpressen". Dem Bericht zufolge hat der SPD-Kanzlerkandidat das Bundeskriminalamt (BKA) eingeschaltet.

Das Ehepaar Steinbrück war dem Bericht zufolge Ende der 90er Jahre nach Bonn gezogen. Da Gertrud Steinbrück und ihr Mann im Jahr 1999 durch Beruf und Umzug stark belastet gewesen seien, habe ihre ebenfalls in der Stadt lebende Mutter ihr "zum Einzug geschenkt, dass ihre Putzhilfe für ein halbes Jahr einmal in der Woche bei uns sauber machen sollte", wird die Gattin von Peer Steinbrück zitiert. "Ich zahlte sie für die bei mir abgeleisteten Stunden aus und rechnete das jeweils mit meiner Mutter ab", hieß es weiter.

Nach Ablauf des vereinbarten halben Jahres wollte Gertrud Steinbrück demnach die Putzhilfe selbst übernehmen. Den angebotenen Arbeitsvertrag lehnte die Frau den Angaben zufolge aber ab, weil ihr Mann seinen Job und die Familie damit den Aufenthaltsstatus verloren hätte. Sie habe nur schwarz arbeiten können, wollte aber wegen ihrer sehbehinderten Tochter in Deutschland bleiben, sagte Gertrud Steinbrück der Zeitung zufolge und fügte hinzu: "Das hat mich sehr berührt. Dennoch habe ich ihr sagen müssen, dass ich sie natürlich nicht "schwarz" beschäftigen könne. Als Trost habe ich ihr 500 DM geschenkt". Sie sei sich sicher, "damals sowohl für mich und meine Familie als auch für sie und ihre Familie das Richtige" getan zu haben, hieß es.