Kurt Beck lobt Außenminister Steinmeier, räumt für seinen inoffiziellen Konkurrenten um die Kanzlerkandidatur jedoch nicht das Feld - zumindest jetzt nicht. "Ich weiß, wann, und ich weiß, wie ich vorgehen werde", sagte der SPD-Parteichef. Die Chancen Steinmeiers steigen indes ständig, inzwischen ist er sogar beliebter als die Kanzlerin.

SPD-Chef Kurt Beck hält Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) für einen Mann, der in der Lage ist, Wahlen zu gewinnen. "Ich halte ihn für einen sehr erfahrenen Mann", sagte Beck am Donnerstagabend in Wiesbaden. Er sei sich "ganz sicher", dass Steinmeier, der bislang nie für die SPD in einen Wahlkampf gezogen ist, dennoch Wahlen gewinnen könne.

Frank-Walter Steinmeier, ddp

"Sehr erfahrener Mann": Außenminister Frank-Walter Steinmeier (© Foto: ddp)

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"Die Tatsache, dass man es noch nicht gemacht hat, ist nicht gleichzusetzen damit, dass man es nicht kann", sagte der SPD-Chef. Er kenne den Außenminister bereits aus der Zeit, als dieser noch Chef der niedersächsischen Staatskanzlei in Hannover war. Beck machte aber deutlich, dass er sich in der Frage der Kanzlerkandidatur derzeit noch nicht festlegen will: "Ich weiß, wann, und ich weiß, wie ich vorgehen werde", sagte er.

Der SPD-Chef verwies auf das Schicksal von Johannes Rau. Dieser sei von der SPD vor der Bundestagswahl 1987 sehr früh zum Kanzlerkandidaten ausgerufen worden und habe dann eine sehr schwere Zeit erlebt. Als die eigentliche Wahlauseinandersetzung anstand, sei Rau dann chancenlos gewesen.

Nicht nur von seinem Parteichef erhält Steinmeier Anerkennung, auch die Wähler scheinen den Außenminister zunehmend positiv zu beurteilten: Auf der Liste der beliebtesten Politiker verdrängte der SPD-Vize erstmals in diesem Jahr Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) von der Spitze. Im ZDF-"Politbarometer", das am Freitag veröffentlicht wurde, kommt er auf der Skala von +5 bis -5 auf einen Wert von 1,7.

Wenig Sympathie für Beck

Im Vergleich zum Vormonat bedeutet dies zwar ein Minus von 0,1 Punkten. Die CDU-Vorsitzende verlor jedoch 0,6 Punkte und liegt jetzt nur noch bei einem Wert von 1,6. Steinmeier gilt auch als möglicher SPD-Herausforderer der Kanzlerin bei der Bundestagswahl im nächsten Jahr.

Beck verlor hingegen abermals an Sympathiewerten. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident liegt nun mit minus 0,5 (März: -0,2) klar im Negativ-Bereich. Auch der Anteil der Befragten, die sich für Beck als Kanzlerkandidaten aussprachen, ging noch einmal zurück. Derzeit sind nur 19 Prozent dafür. Im März waren es noch 26 Prozent. Auch bei den SPD-Anhängern überwiegt die Ablehnung. Mehr als 60 Prozent sind gegen, nur ein Drittel für eine Kanzlerkandidatur Becks.

In der Liste der zehn beliebtesten Politiker folgen auf Steinbrück und Merkel Peer Steinbrück mit 1,1 (März: 1,3) und Ursula von der Leyen mit 0,9 (März: 1,1), beide wurden ebenfalls etwas schlechter bewertet. Die Plätze fünf, sechs und sieben besetzen Wolfgang Schäuble mit 0,3 (unverändert), Günther Beckstein mit 0,1 (März: 0,4) und Guido Westerwelle ebenfalls mit 0,1 (März: 0,3).

Es folgen Kurt Beck und die Neueinsteiger Gregor Gysi (-0,5) und Andrea Ypsilanti (-1,1). Nicht mehr auf der Liste stehen Franz Müntefering und Roland Koch.

Die Umfragen zum "Politbarometer" wurden von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen gemacht. Befragt wurden in der Zeit vom 1. bis 3. April mehr als 1200 wahlberechtigte Bundesbürger. Die Fehlertoleranz liegt zwischen 1,4 und 2,7 Prozentpunkten.

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(AP/dpa/gba/gal)