Von Peter Wrobel

Der Machtwechsel in Hessen ist verpatzt, nun drängt die Bundes-SPD Andrea Ypsilanti unverhohlen zum Rückzug von ihren Spitzenämtern - eine Entwicklung, die mit Kurt Becks Abgang begann.

Nun soll es die volle Demontage werden für Andrea Ypsilanti. Nachdem sie die Spitzenkandidatur für die Neuwahl im Januar an Thorsten Schäfer-Gümpel abgetreten hat, will die Bundes-SPD sie endgültig ins politische Abseits stellen.

andrea ypsilanti spd ddp

Andrea Ypsilanti vor der Sitzung des SPD-Parteivorstandes im Berliner Willy-Brandt-Haus am 10. November. (© Foto: ddp)

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Ypsilanti, die den Partei- und Fraktionsvorsitz der Hessen-SPD innehat, soll nun offenbar beide Spitzenämter verlieren.

Peter Struck, einflussreicher Chef der Bundestagsfraktion, erklärte in der Zeitschrift Super-Illu unverblümt, wo er den künftigen Platz von Andrea Ypsilanti sieht: In der zweiten Reihe, bestenfalls.

"Dass Thorsten Schäfer-Gümbel für den Fall, dass er nicht Ministerpräsident werden sollte, den Fraktionsvorsitz übernimmt, halte ich für ausgemacht", erklärte Struck und diktierte ihr gleich die künftige Aufgabe: Bis zur Neuwahl das Vertrauen von Partei und Öffentlichkeit in Schäfer-Gümbel zu stärken.

Ein anderer erfahrener Sozialdemokrat torpedierte zeitgleich den von Ypsilanti betriebenen Ausschluss der vier Genossen, die ihren Einzug in die Wiesbadener Staatskanzlei verhinderten: Klaus Bölling, Regierungssprecher unter Helmut Schmidt.

Lob, das Kritik ist

Der Journalist geißelte in der Süddeutschen Zeitung die "Treib-" und "Hexenjagd" auf die vier hessischen Sozialdemokraten, die sich weigerten, Ypsilanti gemeinsam mit der Linken zur Ministerpräsidentin zu wählen.

Dies sei "abstoßend", dies erinnere an die "hessische Variante des McCarthyismus", Schäfer-Gümpel sei Ypsilantis "armer Strohmann".

Damit nicht genug: Bölling schreibt in der SZ, nicht die vier Dissidenten, sondern Ypsilanti habe ein "Parteiordnungsverfahren verdient, weil sie ihre Partei zielstrebig demoliert" habe. SPD-Chef Franz Müntefering, so Bölling, dürfe nur nicht aussprechen, was er von Ypsilanti denke.

Doch der Vorsitzende hat schon am Tag, als Ypsilantis scheiterte, die Richtung vorgegeben. Zunächst tadelte der im ZDF zugeschaltete Müntefering drei der Abweichler, die ihr Gewissen recht spät entdeckt hätten.

Ypsilanti lobte der Parteichef zunächst als "tüchtige Politikerin", und schob sofort Kritik nach: "Man darf vor der Wahl nicht solche Dinge versprechen, wenn man sie hinterher nicht halten kann oder halten will", schimpfte Müntefering. "Das war ganz sicher ein Fehler."

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum Andrea Ypsilanti bei den Schröderianern seit jeher nicht gut gelitten ist.

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