Auf dem Weg ins Weiße Haus profitierte Barack Obama von der desolaten Wirtschaftslage, dem Überdruss der Bevölkerung an den Republikanern - und der historisch hohen Wahlbeteiligung.
Drei Faktoren haben vor allem zu dem überwältigenden Wahlsieg Barack Obamas am Dienstag beigetragen: die verbreitete Verunsicherung der Amerikaner angesichts der Wirtschaftskrise ihres Landes, die enorme Unzufriedenheit mit dem amtierenden Präsidenten George W. Bush und seiner Partei, den Republikanern, sowie eine neue Koalition demokratischer Wähler, die Obama geschaffen hat.
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Besonders Hispanics, Schwarze und Jungwähler verhalfen Barack Obama zu seinem historischen Sieg. (© Foto: AFP)
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Sie wird getragen von den großen Minderheiten im Land, den Schwarzen und den Hispanics, von Jungwählern und von Amerikanern mit höherer Schulbildung. Zudem kam ihm die ungeheure Wahlbeteiligung zu Hilfe, die ebenfalls historische Dimensionen haben dürfte. Eine vor der Wahl viel beschworene unbekannte Größe spielte indes offenkundig keine entscheidende Rolle: untergründige rassistische Vorurteile bei weißen Wählern.
Zwei Drittel der Wähler gaben in Befragung nach der Stimmabgabe vielmehr an, dass für sie die Wirtschaftslage des Landes das wichtigste Thema war. In dieser Wählergruppe lag Obama mit neun Prozentpunkten Vorsprung deutlich vor seinem republikanischen Kontrahenten John McCain. Auch die Unzufriedenheit mit Bush, der zu den unbeliebtesten Präsidenten in der Geschichte der USA zählt, spielte eine deutliche Rolle. Fast die Hälfte aller Wähler ging davon aus, dass McCain in wesentlichen Fragen die Politik Bushs fortsetzen würde - was die Mehrheit gerade der unabhängigen, nicht an eine Partei gebundenen Wähler nicht wollte: Bei ihnen schnitt Obama mit sechs Prozentpunkten Vorsprung deutlich besser ab als John McCain.
Wichtig für Obama war auch sein Abschneiden bei Schwarzen und bei Hispanics. Sie haben zusammengenommen entscheidenden Einfluss auf die Wahl genommen. Denn bei Amerikanern weißer Hautfarbe, die drei Viertel aller Wähler gestellt haben, lag Obama mit 43 Prozent der Stimmen klar zurück. Allerdings erreichte er auch bei weißen Wählern einen höheren Anteil als der Kandidat der Demokraten vor vier Jahren, John Kerry, und alle anderen demokratischen Präsidentschaftsbewerber seit Jimmy Carter.
Die Stimmen der Wähler lateinamerikanischer Herkunft errang Obama zu zwei Dritteln. Das war ein höherer Anteil als bei John Kerry - und deutlich mehr, als manche Demokraten befürchtet hatten. Im Vorwahlkampf hatte Obama bei Hispanics nicht gut abgeschnitten. Bei schwarzen Wählern lag seine Zustimmungsrate erwartungsgemäß noch höher: Er erreichte, wie von Meinungsforschern vorausgesagt, wohl 95 Prozent ihrer Stimmen. Kerry lag bei 88 Prozent. Der Trend muss die Republikaner für die Zukunft beunruhigen. Wenn die demographische Entwicklung in den USA so weitergeht wie bisher, dürfte der Anteil der Weißen in gut drei Jahrzehnten auf die Hälfte der Wahlbevölkerung gesunken sein.
Bildung spielte bei der Wahl eine erhebliche Rolle. Bei weißen Wählern, die ein College besucht haben (auf deutsche Verhältnis übertragen grob gesagt Wähler mit Abitur), schnitt Obama fast genauso gut ab wie McCain. Vor vier Jahren hatte Bush diese Wählerschicht noch mit 11 Prozent Vorsprung gewonnen. Weiße Wähler mit einem niedrigeren Bildungsabschluss favorisierten indes klar McCain mit 19 Prozent Vorsprung. Allerdings schnitt Obama selbst bei diesen Wählern besser ab als John Kerry. Das wird auch auf die Mobilisierungsaktionen der Gewerkschaften zurückgeführt, die gerade in umkämpften Bundesstaaten wie Ohio ihre Mitglieder explizit aufgefordert hatten, sich nicht von rassistischen Vorurteilen leiten zu lassen.
Entscheidenden Anteil am Sieg Obamas hatten auch die jungen Wähler. Indes gelang nach ersten Zahlen zu urteilen offenkundig nicht, mehr junge Wähler zur Stimmabgabe zu mobilisieren als vor vier Jahren. Allerdings stieg der Anteil der jungen Wähler unter 30, die den Demokraten ihre Stimme gegeben haben, enorm an. Sie votierten zu mehr als zwei Dritteln für Obama. Kerry hatte nur gut die Hälfte der Jungwähler gewonnen. Auch die Frauen hat Obama insgesamt mit 56 zu 43 Prozent gewonnen. Weiße Frauen indes gaben genau umgekehrt mit 55 zu 43 Prozent McCain den Vorzug.
Die Entscheidung für Obama dürfte nach ersten Einschätzungen der Wahlforscher keinen Linksruck darstellen. Der Anteil der Wähler, die sich als Linke, Liberale oder Konservative bezeichneten, blieb ungefähr derselbe wie in den Befragungen nach der Wahl vor vier Jahren.
Schlangen vor den Stimmlokalen prägten das Bild im ganzen Land am Wahltag. An manchen Orten warteten die Menschen bis zu vier Stunden geduldig, ehe ein Platz an den Wahlmaschinen frei war. Vorläufigen Zahlen zufolge dürften 136,6 Millionen Amerikaner abgestimmt haben. Nach Einschätzung des Wahlforschers Michael McDonald von der George Mason University in Virginia wären das 64,1 Prozent aller Einwohner der USA im stimmberechtigten Alter, wobei dort Ausländer und US-Bürger, die ihr Stimmrecht wegen einer Gefängnisstrafe verloren haben, mit eingerechnet sind.
Tatsächlich wäre die Wahlbeteiligung gemessen an deutschen Standards, wo nur die tatsächlich Wahlberechtigten gezählt werden, also noch deutlich höher. Eine so hohe Wahlbeteiligung gab es in den USA zuletzt 1908. Selbst bei der Wahl John F. Kennedys lag sie niedriger.
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(SZ vom 06.11.2008/cag)
"Der neue Präsident ist der Kopf einer Mannschaft, die viele außergewöhnliche Talente vereinigt "
Und für die Auswahl dieser "Talente" ist der zweitmächtigste Mann nach dem Präsidenten verantwortlich, der Stabchef des weissen Hauses. Ein Israeli, dessen Vater bei der zionistischen Terrororganisation Irgun war, der ein AIPAC-Vertreter ist, freiwillig in der israelischen Armee gekämpft hat und den Irakkrieg von Bush unterstützte. Toll! Da können wir uns wirklich auf eine aussergewöhnliche Auswahl von Supertalenten freuen.
Bush´s Regierung war ja auch aussergewöhnlich! Allerdings aussergewöhnlich mies.
Der neue Präsident ist der Kopf einer Mannschaft, die viele außergewöhnliche Talente vereinigt und wird Weltgeschichte schreiben. Nach dem mühevollen Aufräumen der Trümmern einer rücksichtslosen Ausbeutungspolitik können neue Kräfte geweckt werden, die sich nicht auf den sinnlosen Schlachtfeldern der Welt vergeudet werden müssen.
Die Amerikaner sind auf dem weg zu einer neuen Größe, die ihre Raketen nur noch für den äußersten Notfall braucht.
@ Pengolodh: Woher kommen ständig diese Vergleiche mit John F. Kennedy? Der Mann wurde doch erst nach seinem Tod glorifiziert. Amerika "verdankt" ihm das Vietnam-Desaster und die Kuba-Krise
Antwort: Obama hat eine ähnliche Ausstrahlung und sprachliche Ausdruckskraft wie JFK; das habe ich gestern selber bei seiner Rede verspürt. Ich habe JFK nie live gehört sondern nur aufgezeichnete Reden von ihm, aber meine Großmutter in Berlin hat die Eesh been ayn bearleener-Rede erlebt und sie hat ihr Leben lang davon geschwärmt.
Es ruhen viele Hoffnungen auf Obama, dass er Ähnliches vollbringt, wie JFK in seiner kurzen Amtszeit:
- Einsatz für Unterprivilegierte: 1962 sandte Kennedy Militäreinheiten an die University of Mississippi, damit sich der schwarze Student James Meredith dort immatrikulieren konnte.
- Kennedy erhöhte den Mindeststundenlohn auf 1,25 US-Dollar.
-Die Wohnverhältnisse wurden verbessert
-Arbeitslosengeld wurde erhöht.
-Entspannungspolitik zwischen Ost und West zur Beendigung des Kalten Krieges: Die USA und die Sowjetunion installierten das Rote Telefon direkt mit Moskau, persönliches Treffen mit UdSSR-Chef Nikita Chruschtschow
- Atomteststoppabkommen
-Vorbereitung des Rückzugs aus Vietnam
Die Kubakrise wurde durch die UdSSR ausgelöst (Stationierung von Atomraketen auf Kuba). Ist letztendlich gut ausgegangen.
Der Vietnamkrieg wurde erst durch Kennedys überforderten Nachfolger Lyndon B. Johnson enorm eskaliert.
Vergiß den Brezel-Anschlag auf Bush nicht! :-)
Können wir davon ausgehen, dass etwa die Hälfte der Amerikaner in erster Linie in einem fast religiösen Taumel einen Popstar zum Präsidenten gewählt hat?
Kommt jetzt wirklich der neue "New Deal"?
Eins dürfte hinlänglich bekannt sein: Je größer die Erwartungen, desto größer die Enttäuschung.
Und letztlich:Es wird dem guten Obama - bei diesem Hype - nichts anderes übrig bleiben, als am dritten Tage wieder aufzuerstehen.
Noch Fragen?
Gruß Mulholland
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