Der Bundespräsident hat eine konservative Rede gehalten und das Augenmerk auf ein zentrales Thema für Deutschlands Zukunft gelegt. Wirklich Zukunftsweisendes hat er nicht gesagt.
Horst Köhler hat für seine erste Berliner Rede ein Thema gewählt, das zu ihm passt: Bildung ist nicht so abstrakt wie Globalisierung, Gentechnologie oder Deutschlands Verantwortung in der Welt - alles Bereiche, zu denen sein Vorgänger Johannes Rau gesprochen hatte.
Bundespräsident Köhler bei seiner ersten Berliner Rede (© Foto: Reuters)
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Bildung ist ein Herzensanliegen von Horst Köhler, das den Schwerpunkt seiner Annahmerede nach der Wahl zum Bundespräsidenten bildete.
Köhler hat erkannt, wo die Defizite des Bildungswesens liegen: Er sprach Chancengleichheit, frühkindliche Förderung, die zu niedrige Akademikerquote, Weiterbildung, Integration von Migrantenkindern an. Seine Analyse war knapp, aber treffend.
Der Bundespräsident zog daraus sehr konservative Schlüsse, verwies auf Anerkennung, Anstrengung, Vorbilder, die für ihn der Weg zu besserer Bildung sind. Köhler holte weiter aus, hielt teilweise eine Erziehungsrede. Deplatziert, überholt?
Mitnichten, es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass viele Eltern von heute sich ihren Kindern viel weniger widmen als früher und ihre Verantwortung, dem Nachwuchs die zentralen Werte fürs Leben zu vermitteln, schleifen lassen.
Insofern fordert der Präsident zu Recht eine Rückbesinnung auf Werte wie Respekt, Rücksichtnahme, Manieren, die nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Von den Werten war es dann nur ein kurzer Weg zur Religion. Es war greifbar, was Köhler meinte, als er sagte: "Und noch ein Schulfach liegt mir am Herzen." Keine Überraschung für einen christdemokratischen Bundespräsidenten.
Köhler erhob dabei keine Religion über die andere, das Christentum erwähnte er nicht einmal, im Gegenteil. Er sprach sich für Islam-Unterricht für muslimische Schüler in Deutschland aus.
Ein bisschen Politik hat das Staatsoberhaupt dann doch noch gemacht. Mit seiner Forderung nach verpflichtenden Sprachtests vor dem Schuleintritt mischte er sich in die Tagespolitik ein.
Sein Therapievorschlag war wenig überraschend, aber voll zutreffend: Deutschland müsse mehr Geld für Bildung ausgeben, in Zeiten leerer Kassen zu Lasten anderer Bereiche.
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