Benedikt XVI. hat das Pallium und den Fischerring, die Zeichen der päpstlichen Macht, erhalten. In seiner Predigt rief der neue Papst den Menschen auf dem Petersplatz zu: "Die Kirche lebt. Die Kirche ist jung."

Mit einem Gebet am Grab des Apostels Petrus hat heute um zehn Uhr die Messe zur Amtseinführung von Papst Benedikt XVI. begonnen. Danach zogen Papst Joseph Ratzinger und die Kardinäle in einer Prozession durch den Dom auf den Petersplatz.

Amtseinführung von Papst Benedikt XVI.

Papst Benedikt XVI. hat die päpstlichen Insignien erhalten. (© Foto: Reuters)

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Als Zeichen der päpstlichen Macht hat Benedikt XVI. den Fischerring und das Pallium, eine Wollstola, erhalten. Hunderttausende Menschen klatschten Beifall, als hohe Kurienkardinäle Joseph Ratzinger den Ring über den Finger streiften und die weiße Wollstola über die Schulter legten.

Der Ring ist das Symbol für den ersten Papst Petrus, den "Menschenfischer". Das Pallium aus Lamm-Wolle weist auf die Aufgabe des Papstes als obersten Hirten hin.

Danach hat Joseph Ratzinger seine 35-minütige Predigt gehalten. Er rief die Menschheit zum Glauben auf und erinnerte mehrfach eindringlich an seinen Vorgänger Johannes Paul II.

"Die Kirche lebt. Die Kirche ist jung", rief Joseph Ratzinger unter dem stürmischen Beifall der Menge. Der Papst aus Deutschland betonte, er wolle sein Amt in Kollegialität und Zusammenarbeit ausführen.

Es gehe nicht darum, "meinen Willen zu tun, nicht meine Ideen durchzusetzen, sondern gemeinsam mit der ganzen Kirche auf Wort und Wille des Herrn zu lauschen". Armut, Hunger und Einsamkeit in der Welt dürften sich nicht weiter ausbreiten.

"Wer glaubt, ist nie allein - im Leben nicht und auch im Sterben nicht", sagte Ratzinger in seiner Predigt. Zugleich erinnerte er unter dem Applaus der Gläubigen in italienischer Sprache an seinen gestorben Vorgänger auf dem Papstthron. "Wie verlassen fühlten wir uns nach dem Heimgang von Johannes Paul II." Auch hier habe der Glaube geholfen.

Mit Blick auf die weltweite Teilnahme am Tod Johannes Pauls meinte Benedikt: "Durch alle Traurigkeit von Krankheit und Tod des Papstes hindurch ist uns dies auf wunderbare Weise sichtbar geworden: Die Kirche lebt. Und die Kirche ist jung. Sie trägt die Zukunft der Welt in sich und zeigt daher auch jedem einzelnen den Weg in die Zukunft."

Mit eindringlichen Worten verurteilte der 78-jährige Papst Gewalt und totalitäre Ideologien. "Nicht die Gewalt erlöst, sondern die Liebe", rief er den Menschen zu.

"Wie oft wünschten wir, dass Gott sich stärker zeigen würde. Dass er dreinschlagen würde, das Böse ausrotten und die bessere Welt schaffen." Aber die Welt werde durch die Ungeduld der Menschen verwüstet - und durch die Geduld Gottes erlöst, sagte das neue Oberhaupt der katholischen Kirche.

Auf dem Petersplatz in Rom waren mehrere zehntausend Menschen zusammengekommen, um die Amtseinführung des neuen Papstes mitzuerleben. Sie feuerten den Papst an wie einen Popstar: "Benedetto, Benedetto!", schallte es über den Petersplatz.

Allein aus Deutschland, dem Heimatland des vormaligen Kardinals Joseph Ratzinger, trafen etwa 100.000 Pilger in Rom ein - darunter Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Die Messe wurde vom chilenischen Kardinal Jorge Arturo Medina Estevez zelebriert, der auch am Dienstag vom Balkon des Petersdoms die Wahl Ratzingers zum Papst verkündet hatte. Zum Abschluss wird der neue Papst den Segen "Urbi et Orbi" - der Stadt und dem Erdkreis - erteilen.

Zu den Ehrengästen gehörten neben Köhler und Schröder auch die Oppositionspolitiker Angela Merkel und Edmund Stoiber. Aus Florida kam Gouverneur Jeb Bush, der Bruder des Präsidenten.

Von den anderen christlichen Kirchen kam der Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, nach Rom. Die orthodoxen Kirchen vertraten der Metropolitan Chrisostomos und der russische Metropolitan Kirill. Rund 10.000 Polizisten sind im Einsatz, um die Sicherheit der Besucher zu gewährleisten.

Es wird erwartet, dass sich der neue Papst nach dem Ende der Messe unter die Menge mischen wird.

Danach besucht Benedikt die drei Hauptkirchen in Rom: San Paolo fuori le mura (Sankt Paul vor den Mauern), San Giovanni in Laterano (Sankt Johannes im Lateran) und Santa Maria Maggiore. In der römischen Bischofskirche San Giovanni in Laterano wird Benedikt am 7. Mai als Bischof von Rom eine Messe zelebrieren.

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(sueddeutsche.de/AP/dpa)