Diskussion um Waffenrecht Newtown-Massaker zwingt US-Waffenlobby zum Reden

Vier Tage hat die amerikanische Waffenlobby zum Amoklauf in Connecticut geschwiegen, jetzt erklärt die NRA, "schockiert von den sinnlosen Morden" zu sein. Sie kündigt "sinnvolle Beiträge" an, um Amokläufe zu verhindern. Das Gewehr, das der Täter von Newtown benutzte, entwickelt sich zum Verkaufsschlager.

In der Bevölkerung kippt nach dem Amoklauf von Newtown die Stimmung hin zu einem strengeren Waffenrecht, in Washington äußern Senatoren ihre Bereitschaft über Verschärfungen zu verhandeln, und US-Präsident Barack Obama hat angekündigt, ein Verbot von Sturmgewehren zu unterstützen.

In dieser emotionalen Atmosphäre hat sich die US-Waffenlobby vier Tage nach dem Verbrechen an einer amerikanischen Grundschule mit 27 Toten zu Wort gemeldet. Sie sei "schockiert, traurig und todunglücklich" über die "schrecklichen und sinnlosen Morde", schrieb die National Rifle Association (NRA). Sie habe sich aus Respekt vor den Angehörigen der Toten und ihrer Trauer nicht zuvor äußern und Zeit für "Trauer, Gebete und Ermittlungen" lassen wollen, erklärte sie ihre späte Reaktion. Für diesen Freitag kündigte die NRA eine Pressekonferenz in Washington an.

Zugleich teilte die NRA mit, sie wolle dazu beitragen, dass sich solche Morde nicht wiederholten. Allerdings sagte die Organisation nicht, welche möglichen Schritte sie damit konkret meint. Wörtlich heißt es in der Erklärung: "Die NRA ist bereit, sinnvolle Beiträge zu leisten, um zu helfen, dass so etwas niemals mehr geschieht."

Die 1871 gegründete NRA tritt seit Jahrzehnten strikt für das Recht auf Waffentragen in den USA ein. Sie kämpfte bisher auch energisch gegen alle Versuche, strengere Waffengesetze einzuführen. Unterdessen wächst im Land die Unterstützung für eine schärfere Waffenkontrolle. Die demokratische Senatorin Dianne Feinstein kündigte für Januar einen Gesetzesvorstoß für ein Verbot von Sturmgewehren an und wird von ihrem Parteifreund Obama darin unterstützt. Der Amokläufer von Newtown hatte eine solche Waffe benutzt.

Gouverneur von Michigan stoppt lockeres Waffengesetz

Der Präsident befürworte eine striktere Überprüfung der Käufer beim Erwerb von Waffen, sagte ein Sprecher des US-Präsidenten. Nach Meinung Obamas ist es aber mit strengeren Gesetzen allein nicht getan. In Michigan stoppte der republikanische Gouverneur Rick Snyder ein Gesetz, welches das Tragen von Waffen in Schulen, Krankenhäusern, Kirchen und Stadien erlaubt hätte.

Als Reaktion auf den Amoklauf kündigte der Investor Cerberus an die Freedom Group verkaufen zu wollen, einen der größten Handfeuerwaffenhersteller der Welt. Das Sturmgewehr, das der Schütze einsetzte, entwickelte sich in den amerikanischen Waffengeschäften zum Verkaufsschlager. Der Direktor des Verbands der Waffenhändler, Andrew Molchan, erklärte, die hohen Verkaufszahlen seien wohl auf die Befürchtungen der Kunden zurückzuführen, die Gewehre könnten bald verboten werden.