Während die 700 Schüler der Realschule in Emsdetten von Psychologen betreut werden, sucht die Polizei nach Komplizen und den Waffenlieferanten von Sebastian B. Der hatte seine Mitschüler mit veralteten Pistolen angegriffen, die für 18-Jährige frei erhältlich sind. Einen dieser Vorderlader richtet er am Ende gegen sich selbst.
Der Sprecher der Münsteraner Staatsanwaltschaft, Wolfgang Schweer, sagte, die Internet-Kontakte des 18-jährigen Täters würden darauf überprüft, ob jemand im Voraus von der Tat gewusst habe.
Schüler am Tag nach der Tat. (© Foto: ddp)
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Gesucht wird Schweer zufolge außerdem nach den Waffenlieferanten. Es gebe Hinweise darauf, dass der 18-Jährige sein Waffenarsenal über das Internet bezogen habe, sagte der Staatsanwalt dem Sender 24. Der Amokläufer hatte laut der Welt in den vergangenen sechs Wochen auf einer Waffen-Website unter seinem Pseudonym "ResistantX" neun Mal eingekauft.
Altertümliche Waffen
Allerdings waren zwei der drei Schusswaffen des Amokläufers ohnehin frei verkäuflich. Es handelte sich dabei nach Angaben der Polizei um ein Vorderladergewehr mit gekürztem Lauf und Griff sowie eine Vorderladerpistole. Die altertümlichen Waffen könnten ab dem 18. Lebensjahr frei erworben werden.
Eine davon benutzte der Amokläufer nach den Ergebnissen der Obduktion auch, um sich selbst zu töten. Laut Staatsanwaltschaft Schweer setzte der Amokläufer sich nach dem Eintreffen der Polizei am Tatort ein antikes Vorderladergewehr an den Kopf und schoss sich eine 15 Millimeter dicke Bleikugel ins Gesicht.
Durch die Kugel und die Explosion des Schwarzpulvers im Lauf der Waffe sei sein Gesicht bis zur Unkenntlichkeit zerstört worden. Der Amokläufer hatte am Montagmorgen mit Rohrbomben und drei Gewehren die Geschwister-Scholl-Realschule in Emsdetten überfallen und wahllos um sich geschossen.
Insgesamt wurden bei dem Überfall rund 30 Menschen verletzt, drei davon schwer. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers berichtete am Dienstag nach einem Besuch bei den Opfern des Überfalls im Emsdettener Marienhospital, die insgesamt drei Schwerverletzten, zwei Kinder und der Schul-Hausmeister, seien auf dem Wege der Besserung.
Schule blieb am Dienstag noch geschlossen
Der CDU-Politiker lobte ausdrücklich die Polizei, die ein noch größeres Blutvergießen verhindert habe. Das schnelle Eintreffen der Einsatzkräfte sei ein Glücksfall gewesen, sagte der CDU-Politiker: "Man kann davon ausgehen, dass dies dazu geführt hat, dass der Täter keine Kinder in seine Gewalt bringen konnte."
Den knapp 700 Schülern der Geschwister-Scholl-Realschule versprach der Regierungschef psychologische Betreuung. "Diese Schule braucht jetzt Hilfe, und sie wird diese Hilfe bekommen", sagte Rüttgers. Der normale Schulbetrieb solle so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden. "Es wird aber noch eine lange Zeit dauern, bis dieses furchtbare Ereignis aufgearbeitet ist und die Kinder das überwunden haben."
Am Dienstag war die Schule noch wegen Spurensicherungsarbeiten der Polizei geschlossen. Stattdessen boten Psychologen, Seelsorgern und Sozialarbeitern in einem sozio-kulturellen Zentrum in Emsdetten, der Stroetmanns Fabrik, ein Betreuungsangebot für Schülerinnen und Schüler an.
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