Weltweit ist die Todesstrafe auf dem Rückzug - doch in China werden so viele Häftlinge hingerichtet wie in keinem anderen Land. Auch in arabischen Ländern werden immer mehr Menschen gesteinigt, geköpft oder gehängt, berichtet Amnesty International.
China richtet so viele Menschen hin wie kein anderes Land - mindestens 470 Häftlinge wurden im vergangenen Jahr vom chinesischen Staat getötet. Amnesty International hat diese Zahl ermittelt - die Dunkelziffer könnte bis zu viermal so hoch sein. In China gebe es bis zu 2000 Exekutionen, vermutet die Menschenrechtsorganisation. Das Land selbst betrachtet die Hinrichtungsstatistiken als Staatsgeheminis.
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Angesichts solcher Umstände hilft es wenig, dass in dem asiatischen Superstaat die Zahl der Hinrichtungen gegenüber dem Vorjahr offiziell stark zurückgegangen ist. In China werden Menschen nicht nur wegen Kapitalverbrechen wie Mord und schwerem Raub zum Tode verurteilt, sondern auch wegen rund 60 anderen Tatbeständen, beispielsweise Steuerhinterziehung und Drogenschmuggel.
So wurde Zheng Yiaoyu, der ehemalige Direktor der staatlichen Lebensmittelverwaltung, im Juli exekutiert, weil er Bestechungsgelder angenommen haben soll. "Es gab in China auch schon Todesurteile, weil Mehrwertsteuer-Quittungen falsch ausgestellt wurden", sagt Oliver Hendrich, Referent bei Amnesty International.
Weltweit weniger, in Arabien mehr Exekutionen
Weltweit ist die Todesstrafe hingegen weiter auf dem Rückzug. Von den etwa 18.000 bis 27.500 Menschen, die rund um den Globus im Todestrakt sitzen, wurden im vergangenen Jahr 1252 Gefangene hingerichtet - das sind 339 Menschen weniger als im Vorjahr.
Hinzu kommt, dass Jahr für Jahr auch in immer weniger Ländern ein Todesurteil ausgesprochen werden darf. Inzwischen wurde die Todesstrafe in zwei Dritteln aller Länder gesetzlich oder zumindest in der Praxis abgeschafft. Fünf Länder und Territorien - Albanien, die Cook-Inseln, Ruanda, Usbekistan und Kirgisistan - haben die Todesstrafe seit Anfang 2007 im allgemeinen Strafrecht abgeschafft. Damit halten derzeit noch 63 Länder an der Todesstrafe fest, doch nur in 24 Ländern wurde sie im vergangenen Jahr auch vollstreckt.
Insgesamt sind nur fünf Länder - China, Iran, Saudi-Arabien, Pakistan und die USA - für 88 Prozent aller Exekutionen weltweit verantwortlich. Die restlichen zwölf Prozent teilen sich auf 19 weitere Staaten auf.
Im Gegensatz zum weltweiten Trend gegen die Todesstrafe wird das Todesurteil im und um den arabischen Raum hingegen immer häufiger vollstreckt. Nachdem in Iran im Jahr 2006 bereits doppelt so viele Hinrichtungen wie im Vorjahr zu verzeichnen waren, stieg diese Zahl im Jahr 2007 auf 317 Getötete erneut stark an. In Saudi-Arabien vervierfachte sich die Zahl beinahe - 143 Hinrichtungen waren es im vergangenen Jahr.
Gesteinigt, geköpft, erhängt
Die Tötungsmethoden in arabischen Ländern sind zudem fragwürdig. In Iran wurde am 5. Juli 2007 Jafar Kiani wegen Ehebruchs zu Tode gesteinigt, obwohl die Justiz diese Praxis zuvor außer Kraft gesetzt hatte. Die Gefangenen stecken dabei bis zum Bauch in der Erde und werden mit Steinen beworfen, die so ausgewählt werden, damit ihr Leid möglichst lange andauert, berichtet Amnesty International.
Am 27. Mai wurde zudem der noch minderjährige Said Qanbar Zahi exekutiert; er soll Autos gestohlen haben. Und ebenfalls im Iran wurde der 19-jährige Mohammad Mousawi am 22. April wegen eines Mordes, den er im Alter von 16 Jahren begangen haben soll, gehängt.
Geköpft wurde Dhahian Rakan al-Sibail in Saudi Arabien, der im Alter von 15 oder 16 Jahren einen Mord begangen haben soll. Vor zwölf Jahren hatte sich Saudi-Arabien dazu verpflichtet, niemanden wegen eines Vergehens zu exekutieren, das im Alter von unter 18 Jahren begangen wurde.
Rückhalt schrumpft in den USA
Die einzigen westlichen Land, die weiterhin an der Todesstrafe festhalten, sind die USA und Japan. In den USA wurden im vergangenen Jahr 42 Menschen in zehn Bundesstaaten exekutiert. Doch der Zuspruch bröckelt. Im Jahr 2007 schaffte der US-Bundesstaat New Jersey die Todesstrafe ab. Eine staatliche Kommission war zuvor zum Schluss gekommen, dass "immer mehr Beweise zeigen, dass die Todesstrafe mit den sich entwickelnden Standards des Anstandes unvereinbar" seien.
Zudem wurde die Todesstrafe seit September im gesamten Land praktisch ausgesetzt, da der Oberste Gerichtshof angekündigt hatte, die Anwendung von Giftspritzen überprüfen zu wollen. Amnesty International verzeichnet auch ein Umdenken in der amerikanischen Bevölkerung.
Obwohl Geschworene, die sich gegen die Todesstrafe aussprechen, von Gerichtsprozessen über Kapitalverbrechen ausgeschlossen werden, steige die Zurückhaltung der Geschworenen bei der Verhängung von Todesurteilen, berichtet die Organisation.
Mit ein Grund für die wachsende Skepsis in der Bevölkerung sei die hohe Anzahl unschuldig Verurteilter. Im vergangenen Jahr wurde etwa Curtis Edward McCarty freigelassen, nachdem er 21 Jahre lang im Todestrakt saß. Das Gericht entschied, dass die Aussage eines früheren Polizeichemikers gegen McCarty fragwürdig gewesen sei. Damit ist er der 124. Gefangene, der seit dem Jahr 1973 in den USA als "unschuldig" aus dem Todestrakt entlassen wurde.
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(sueddeutsche.de/jja)
Protest gegen dritte Startbahn
Entweder war Ihnen das Prozedere des Steinigens aus der Sharia nicht bekannt oder Sie haben keinen Zugang zu diesen Informationen.
Aber warum Löschung des Artikels?
Liebe Mona_7,
Sie schrieben:"Wie kommen Sie auf Ihren letzten Satz? ich erwarte von einer vorgeblichen Demokratie, die in aller Welt mit Werten hausieren geht, denen sie selbst nicht genügt, etwas mehr als von China."
Ihre Erwartungen an die amerikanische Demokratie in Ehren, Sie sollen diese auch weiterhin haben und einfordern.Diese haben mit den Verhältnissen in China jedoch NICHTS zu tun.Außerdem:In den USA herrschen im großen und ganzen rechtsstaatliche Prinzipien, wenn man in die Mühlen des Gesetzes gerät (Untadelige Fehlerlosigkeit natürlich von mir nicht behauptet). Rechtsmittel, ebenso wie auch Widerspruch und Agitation von Bürgern gegen die Todesstrafe, sind erlaubt und zum Teil erfolgreich, Transparenz ist garantiert.Ich betone: Ich breche keine Lanze für die Todesstrafe in den USA, weit entfernt davon.Aber ich meine, da gibt es doch schon ganz erhebliche Unterschiede zu China.
Ich gebe Ihnen recht, daß die Todesstrafe in einem zivilisierten Land besonders schockiert, aber die USA kommen eben auch nicht so leicht von ihrer Geschichte los, den überkommenen Denkmustern einer einstigen Pioniergesellschaft...mitsamt dem Wilden Westen, wo Schnelljustiz und Selbstjustiz an der Tagesordnung waren. Was NICHT heißt, daß ich das beschönigen will.
Um bei meinem Auto/Geisterfahrerbeispiel zu bleiben:
Geht den irgendwer, der in einer Ortschaft mit Tempo 90 in der 30er Zone geblitzt wird hin und sagt: Oh vorhin auf der Autobahn hat mich jemand bei Tempo 100 mit 160 überholt??
Wenn ich so jemand treffe, dann lach ich mich tot über seine Argumentation.
Kein Unrecht wird besser dadurch, dass andere es auch begehen. Der Großmeister der manipulierten Medienschelte ist ja auch nicht mehr zugegen seit die SZ nun "plötzlich" auch Unrecht in den USA geiselt (wahrscheinlich glaubt er an einen großen Erfolg seinerseits).
"Wenn in westlichen Ländern oder solchen, denen wir nicht auf die Füße treten wollen, die Todesstrafe praktiziert wird, ist das doch keine Entschuldigung für die chinesischen Verhältnisse - oder?"
Willkommen in der wunderbaren Welt der mona_7 !
Dort sind solche Überlegungen völlig außer Kraft gesetzt.
Wie kommen Sie auf Ihren letzten Satz? ich erwarte von einer vorgeblichen Demokratie, die in aller Welt mit Werten hausieren geht, denen sie selbst nicht genügt, etwas mehr als von China.
Bei statistischen Erwägungen, wie sie hier betrieben werden, ist nich zu vergessen, dass China nicht diverse Kriegsschauplätze betreibt, in dem junge Männer verheizt werden bzw. ihren Mordtrieben frönen dürfen, die zuhause zur Todesstrafe führen würden, aber im Militär vollbracht sie eher zu Helden, denn als Mörder erscheinen lassen.
Paging