Eine Außenansicht von Parag Khanna

Klimaschutz hat bei den Amerikanern keine Top-Priorität. Europa sollte nicht auf die Klimaschutz-Nachzügler warten - sondern vorangehen.

Parag Khanna, 32, ist Senior Fellow bei der Denkfabrik "New America Foundation" in Washington.

Raffinerie Texas, AP

In Amerika genießt der Klimaschutz aufgrund der Wirtschaftskrise und ihrer Auswirkungen keine Top-Priorität. (© Foto: AP)

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In der Theorie ist sich der Westen einig, aber die Praxis ist eine andere Sache. Präsident Obama hört sich stets sehr europäisch an, wenn er ernsthafte Kontrollen sowie eine Regulierung der Kohlendioxid-Emissionen in der US-Industrie verlangt. Zu seinen wichtigsten Themen im Wahlkampf gehörte der langfristige Umbau der konventionellen Wirtschaft zu einer grünen.

Aber vielleicht ist das Schicksal von Van Jones, Obamas Umweltberater, eine geeignete Metapher, um die amerikanische Politik von heute zu beschreiben.

Jones, ein anerkannt erfolgreicher Umweltaktivist aus San Francisco, hatte gerade im Weißen Haus angefangen, da zitierten Republikaner aus Aufrufen, die er vor einigen Jahren mal unterschrieben hatte. Darin verlangte Jones eine Untersuchung, ob US-Offizielle möglicherweise vor dem 11. September 2001 von den Terrorangriffen wussten. Jones wurde zum Rücktritt gezwungen.

Unterschiedliche Psychologie in Amerika und Europa

Theoretisch möchte Amerika unter Obama den Weg der Nachhaltigkeit weiter fortsetzen. Realität jedoch ist, dass den Amerikanern ein Abkommen in Kopenhagen nur wenig mehr bedeutet als das von Kyoto - welches Amerika ja niemals ratifiziert hat.

Die unterschiedliche Psychologie in Amerika und Europa lässt sich am besten mit einem Blick auf die Prioritäten erklären. Während die europäischen Staaten hoch verschuldet sind, verfügen sie zumindest über eine solide Infrastruktur und ein allgemeines Gesundheitswesen.

In Amerika dagegen tobt gerade eine leidenschaftliche Debatte, ob demjenigen Viertel der Bevölkerung, das bisher überhaupt keine Gesundheitsversorgung hat, eine solche nun zur Verfügung gestellt werden soll - während sich das Land zugleich mit einer in großem Umfang verfallenden Infrastruktur plagt. In solch einem Umfeld hat Klimawandel einfach keine Top-Priorität.

Umweltbedrohungen nicht im Bewusstsein verankert

Amerikaner leben im Heute: Ein paar Monate ist es erst her, dass ihre Sparquote zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder oberhalb von null lag. Und der Klimawandel gilt hier als eine Herausforderung von morgen. Warum einen Aufschlag auf Treibstoff - die ruchlose Benzinsteuer -, obwohl der Welt das Öl doch noch lange nicht ausgeht?

Eine Nation von Pionieren, die immer von allem mehr als genug hatte und der es immer noch an landesweiten Vorschriften für so grundlegende Dinge wie Recycling mangelt - eine solche Nation ist vielleicht die letzte, die eine Bedrohung wie den Klimawandel im allgemeinen Bewusstsein verankert.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was Europäer über die Klimakonferenz in Kopenhagen denken.

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