Obama als US-Präsident wiedergewählt Die lange Wahlnacht zum Nachlesen

Von der Öffnung der ersten Wahllokale über Obamas bewegende Rede in Chicago bis hin zu Glückwünschen aus aller Welt: SZ.de hat die Präsidentschaftswahl in den USA 26 Stunden live begleitet. Die lange Wahlnacht zum Nachlesen im Newsblog.

Von Matthias Kolb (Chicago), Moritz Koch (Boston), Peter Richter (New York), Thorsten Denkler und Jannis Brühl (Berlin)

Nach einer spannenden Wahlnacht steht fest: Barack Obama bleibt Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

[] Glückwünsche aus aller Welt: Bundespräsident Gauck und Bundeskanzlerin Merkel schickten Grußbotschaften nach Chicago. Merkel schrieb, es sei ihr eine Freude, wenn Obama bald wieder nach Deutschland kommen könne. Auch viele andere Staats- und Regierungschefs übermittelten ihre Glückwünsche.

[] In Chicago trat der Sieger vor eine jubelnde Menge: Barack Obama ließ sich von seinen frenetischen Anhängern feiern. Er dankte in einer Ansprache voller Pathos seiner Frau, seinen beiden Töchtern und Joe Biden, dem "besten Vizepräsidenten, den man haben kann".

[] Romney räumte seine Niederlage ein: Der unterlegene Herausforderer Mitt Romney stellte sich in Boston seinen Unterstützern. Er gratulierte Barack Obama und wünschte ihm alles Gute für die zweite Amtszeit. Die Republikaner distanzierten sich in der Stunde der Niederlage von ihrem Kandidaten.

Wie das US-Wahlsystem funktioniert, wird in diesem Video erklärt.

Für Süddeutsche.de berichteten Matthias Kolb (Chicago), Moritz Koch (Boston), Peter Richter (New York), Thorsten Denkler und Jannis Brühl (Berlin), Beate Wild sowie Tobias Dorfer, Matthias Kohlmaier, Oliver Das Gupta, Barbara Galaktionow, Sebastian Gierke, Martin Anetzberger und Michael König.

13:57 Uhr Überall Herausforderungen - und vielen Dank für die Aufmerksamkeit

Und noch drei Reaktionen: UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat Obama gratuliert und ihn zugleich an "Herausforderungen" erinnert. So müssten das Blutvergießen in Syrien gestoppt und der Nahost- Friedensprozess wiederbelebt werden. Der Dalai Lama hat Obama hingegen um Vermittlung in der Tibet-Frage geben.

Bei der SPD haben sich nach Fraktionschef Steinmeier auch Parteichef Sigmar Gabriel und Kanzlerkandidat Peer Steinbrück zu Wort gemeldet: "Wir sind uns sicher, dass die Vereinigten Staaten von Amerika unter Ihrer Führung weiterhin ein verlässlicher und sehr enger Partner bei der Bewältigung der großen Herausforderungen bleiben", schrieb das Duo.

Viele Herausforderungen warten also auf Obama - auf die spannende Wahlnacht dürfte eine interessante zweite Amszeit folgen. Mit diesem Eindruck verabschieden wir uns von der Liveberichterstattung danken für Ihre Aufmerksamkeit.

13:06 Uhr Obama plant angeblich Reise nach Myanmar

Bundeskanzlerin Merkel hat ihre Gratulation an Barack Obama mit dem Wunsch verbunden, der US-Präsident möge bald wieder nach Deutschland kommen. Zumindest kurzfristig hat Obama offenbar andere Pläne: Mitte November werde der Präsident in Myanmar erwartet, berichtet die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf einen myanmarischen Regierungsvertreter. Obama werde Präsident Thein Sein und Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi treffen, heißt es.

Die USA hatten nach der politischen Öffnung des früheren Birma Ende September eine Aufhebung ihrer Handelssanktionen angekündigt. Mitte Juli lockerte Washington bereits bestimmte Finanzsanktionen. Die US-Regierung würdigte damit die Reformbemühungen des südostasiatischen Landes, das bis zum Frühjahr vergangenen Jahres von einer Militärjunta geführt wurde.

12:25 Uhr Indien und Afghanistan würzen Gratulation mit Wünschen

Auch in Indien herrscht Freude über den Wahlsieg des US-Präsidenten. Doch Premierminister Manmohan Singh fügt seiner Gratulation noch eine Aufforderung an: "Ihr Mandat gibt Ihnen eine historische Möglichkeit, weiterhin sowohl für das Wohl des amerikanischen Volkes als auch für weltweiten Frieden und Fortschritt zu arbeiten", schrieb Singh an den US-Präsidenten. Auch Afghanistans Präsident Hamid Karsai hat einen Wunsch an Barack Obama. Die bilateralen Beziehungen "könnten auf der Basis von gemeinsamen Interessen erweitert werden", ließ Karsai mitteilen. In letzter Zeit waren die Beziehungen zwischen beiden Ländern ziemlich angespannt - trotz militärischer und finanzieller Hilfe der USA für die afghanische Regierung.

12:03 Uhr Glückwünsche aus Japan, Ägypten und Italien

Mittlerweile haben Barack Obama auch Glückwünsche aus Japan, Ägypten und Italien erreicht. Er freue sich darauf, weiter mit Obama zusammenzuarbeiten, sagte Ministerpräsident Yoshihiko Noda. "Die japanisch-amerikanische Allianz hat angesichts der schwierigen Sicherheitslage in Ostasien an Bedeutung gewonnen", erklärte ein Regierungssprecher. Er spielte damit auf den Streit mit China um einige unbewohnte Inseln im Ostchinesischen Meer an.

Kritische Töne kamen dagegen von der südjapanischen Inselprovinz Okinawa, wo ein Großteil der US-Truppen in Japan stationiert ist. Gouverneur Hirokazu Nakaima rief Obama auf, die US-Militärpräsenz dort zu verringern. "Ich möchte, dass er diese schwere Last stark reduziert."

Ägyptens Präsident Mohammed Mursi hofft auf engere Beziehungen zwischen Washington und Kairo. Außerdem äußerte er die Hoffnung, dass beide Länder gemeinsam an Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden arbeiten.

Italiens Staatsoberhaupt Giorgio Napolitano betonte in seiner Glückwunschbotschaft die Bedeutung der "solidesten Freundschaft zwischen unseren Ländern".

11:47 Uhr Republikaner distanzieren sich von Romney, TV-Deutschland feiert den Präsidenten

Die Anhänger der Demokraten sind euphorisch. Vier weitere Jahre wird Barack Obama die Vereinigten Staaten von Amerika regieren. Und doch dämpft er in seiner Antrittsrede die Erwartungen, die jetzt an ihn gerichtet sind. Denn Obama muss jetzt eine Politik der kleinen Schritte verkaufen, schreibt SZ.de-Kollege Sebastian Gierke in seiner Analyse über den "entzauberten" Präsidenten.

Wer hat Obama gewählt? Wem hat es der alte und neue Präsident zu verdanken, dass er weiterhin im Weißen Haus regieren kann? Der Amtsinhaber hat es geschafft, die entscheidenden Wählergruppen hinter sich zu bringen, schreibt Politikredakteur Johannes Kuhn (Mehr Infos hier ...).

Und Mitt Romney? Der unterlegene Herausforderer hat sich zurückgezogen. Dafür reden seine republikanischen Parteifreunde über ihren Kandidaten und seinen Wahlkampf - und die Kommentare sind nicht gerade schmeichelhaft, wie Hannah Beitzer in ihrem Text beschreibt.

Deutschland war in der vergangenen Nacht "Obama-Land" - auch im Fernsehen. Aber nicht nur Bruce Darnell begeisterte sich für den Präsidenten.Die Berichterstattung der TV-Sender analysiert Irene Helmes.

11:20 Uhr Chinesische Führung gratuliert, Russen umschmeicheln Obama

Glückwünsche aus Asien: Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao schrieb in einer Botschaft an Obama, die Beziehungen zwischen China und den USA hätten in den vergangenen Jahren "positive Fortschritte" gemacht. Auch Vizepräsident Xi Jinping, der auf dem am Donnerstag in Peking beginnenden Parteitag als neuer Parteichef inthronisiert werden soll, schickte seinem Amtskollegen Joe Biden eine Botschaft mit Glückwünschen, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

Auch in Russland wird das Resultat aus der amerikanischen Wahlnacht mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen. Der Kreml habe die Nachricht "sehr positiv" aufgenommen, sagte der Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin. "Wir hoffen, dass sich sowohl die bilaterale Zusammenarbeit als auch das gemeinsame Wirken auf internationaler Ebene entwickeln und zu mehr Stabilität beitragen", sagte Peskow der Agentur Interfax.

Noch deutlicher äußerte sich Regierungschef Dmitrij Medwedjew. Er lobte Obama als verständnisvollen und verlässlichen Partner. "Ich bin froh, dass an der Spitze des größten und einflussreichsten Staates nicht ein Mensch steht, der Russland für den größten Feind hält." Eine solche Sicht sei paranoid, sagte Medwedjew mit indirektem Verweis auf die außenpolitischen Positionen von Obamas unterlegenem Gegenkandidaten Mitt Romney. "Wir sind zur weiteren Zusammenarbeit bereit und so flexibel, wie es die Gegenseite sein wird", kündigte Außenminister Sergej Lawrow an. Moskau und Washington streiten über das US-Raketenabwehrprojekt in Europa, das der Kreml als Bedrohung seiner Sicherheit sieht.

11:09 Uhr Brüderle bleibt gelassen

Emotionen? Nicht bei Rainer Brüderle. Das berichtet unser Korrespondent Thorsten Denkler aus Berlin. Der FDP-Fraktionschef nimmt das Ergebnis der US-Wahl gelassen hin. "Gratulation an den Gewinner", sagte er in seiner Presserunde am Morgen. Überrascht hat ihn Obamas Sieg nicht. "Das war meine persönliche Einschätzung, dass es so ausgehen wird." Bei der Fähigkeit zur Weitsicht würde es natürlich interessieren, wie Brüderle die Zukunft von FDP-Chef Rösler sieht.

11:00 Uhr Wie die Deutschen den Obama-Sieg sehen

Videoumfrage zu Obamas Wahlsieg "Es ist die bessere Wahl"

(Video: Süddeutsche.de)

Wie sehen die Menschen in Deutschland den Wahlsieg von Barack Obama? Die Kollegen der SZ.de-Multimedia-Redaktion waren am Münchner Hauptbahnhof unterwegs und haben Stimmen gesammelt. Gut so, sagen viele der Befragten. Jetzt habe Obama die Chance, seine Vorhaben in der Sozialpolitik auch durchzusetzen, so der Tenor. Doch es gibt auch kritische Stimmen.

10:56 Uhr Das können Sie alles senden!

Herzliche Glückwünsche aus der Münchner Staatskanzlei, wo angesichts des Wahlsiegs von Barack Obama offenbar große Zufriedenheit herrscht: In einem Schreiben deutet CSU-Chef Horst Seehofer den Sieg des Demokraten als "Signal für Kontinuität in der transatlantischen Zusammenarbeit." Und weiter: "Ich wünsche Ihnen eine glückliche Hand, Gottes Segen und viel Erfolg bei der Gestaltung der Zukunft Ihres Landes." Europa brauche die USA "als starken Partner in der Welt - und die USA brauchen Europa".

10:40 Uhr Erste homosexuelle Politikerin im US-Senat

(Foto: AFP)

In den US-Senat zieht nach der Wahl erstmals eine bekennend homosexuelle Politikerin ein. Die lesbische Demokratin Tammy Baldwin aus Wisconsin gewann das Rennen um den Posten gegen den früheren republikanischen Gouverneur Tommy Thompson. "Ich bin nicht angetreten, um Geschichte zu schreiben", sagte die 50-jährige Politikerin. Baldwins sexuelle Orientierung war im Wahlkampf kein großes Thema. Dennoch ist ihr Sieg von historischer Bedeutung. Baldwin ist auch die erste Frau, die den Staat Wisconsin im Senat vertritt. Bisher saß sie im Repräsentantenhaus, in das sie 1998 erstmals gewählt wurde.