Von Peter Burghardt

In Argentinien erwarten US-Präsident George Bush massive Proteste - schließlich wählten ihn die Lateinamerikaner zum unbeliebtesten Politiker des Kontinents.

Die Gegenveranstaltung war bereits im Gange, als 34 Staats- und Regierungschefs zum vierten Amerika-Gipfel in Mar del Plata eintrafen. Hunderte Basisorganisationen versammeln sich seit Dienstag in dem argentinischen Seebad.

Kein herzliches Willkommen: "Bush raus!" steht auf diesem Plakat in Mar del Plata. (© Foto: AFP)

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"Gipfel der Völker" nennen sie ihre Alternative, zu den Wortführern gehört der Friedensnobelpreisträger von 1980, Adolfo Perez Esquivel. "Wir brauchen keine Armeen, schon gar keine nordamerikanischen", verkündete er, "wir brauchen Mittel für Gesundheit und Bildung."

Am Freitag bekommen die Globalisierungskritiker Verstärkung: Im Sonderzug aus Buenos Aires treffen Fußballstar Diego Maradona, Boliviens Kokabauernführer Evo Morales sowie Kubas Revolutionsbarde Silvio Rodriguez ein. Spätestens beim Protestmarsch wird George W. Bush dann wissen, dass er nicht willkommen ist.

Von wegen nette Abwechslung. Angesichts seiner innenpolitischen Schwierigkeiten könnte dem US-Präsidenten die weite Reise an den Südatlantik zwar gefallen. Er war außerdem noch nie im schönen Argentinien.

Doch erwartet wird Bush von einer Stadt im Ausnahmezustand, bewacht von 7500 argentinischen und 2000 US-Aufpassern mit Militärhubschraubern. Und außer den Demonstranten empfangen ihn Kollegen, die ihn mehrheitlich auch nicht mögen.

Laut Umfragen in Lateinamerika ist der Mann aus dem Weißen Haus der unbeliebteste Politiker des gesamten Kontinents. Ihn begleitet der Krieg im Irak - und ein Kürzel, das in Mar del Plata für Streit sorgen wird: FTAA.

Die Abkürzung steht für die gesamtamerikanische Freihandelszone, eines von Bushs Prestigeprojekten. Schon unter Vorgänger Bill Clinton stand das Thema beim ersten Amerika-Gipfel 1994 in Miami auf der Tagesordnung. Die FTAA sollte bis 2006 in Kraft treten, doch die Verhandlungen sind festgefahren.

Hugo Chavez: "Freihandelszone begraben!"

Die Anhänger predigen, nur mit offenen Handelsgrenzen von Alaska bis Feuerland ließen sich Armut und Ungleichheit bekämpfen. Die Gegner warnen vor dem Neoliberalismus und geben dem Primat des Kapitals die Schuld dafür, dass 40 Prozent der Lateinamerikaner miserabel leben.

Unterstützt wird das Projekt hauptsächlich von Kanada, Mexiko und Chile, die meisten anderen Länder lehnen es ab. Brasilien und Argentinien blockieren es schon deshalb, weil Washington seine Agrarprodukte protegiert.

Die beiden Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva (Brasilien) und Nestor Kirchner (Argentinien) bevorzugen den südamerikanischen Wirtschaftsverbund Mercosur, brauchen anderseits das Wohlwollen der USA bei Kreditverhandlungen.

Der lauteste Widerstand kommt aus Caracas. Die Freihandelszone sei tot, poltert Venezuelas Präsident Hugo Chavez, man müsse sie endlich begraben. Er wirbt für eine soziales Gegenmodell im Namen des Befreiers Simon Bolivar.

Chavez wird in Mar del Plata an Gipfel und Anti-Gipfel teilnehmen, die Einnahmen durch den hohen Ölpreis haben ihn noch selbstbewusster gemacht. Kubas Diktator Fidel Castro dagegen bleibt Bush erspart, Havanna wurde längst aus der Organisation Amerikanischer Staaten ausgeschlossen.

Dafür empfing der Comandante gerade Maradona zum Interview, das argentinische Fernsehen zeigte das Gespräch. Wenn Bush ein wenig Urteilskraft habe, empfahl Castro, dann solle er doch zu Hause bleiben.

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(SZ vom 4.11.2005)