Al-Qaida streitet mit Iran wegen 9/11 Wir sind die besseren US-Feinde!

Krach unter Amerika-Hassern: Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad behauptet stets, die USA hätten die Anschläge vom 11. September 2001 inszeniert. Das nervt die Propaganda-Abteilung von al-Qaida gewaltig. In seinem Hochglanz-Werbemagazin mahnt das Netzwerk, Iran solle endlich mit den Verschwörungstheorien aufhören. Sie brächten den Terror in Misskredit.

Von Michael König

Wer hätte gedacht, dass al-Qaida und die USA sich einmal so einig sein würden? Vor etwa drei Wochen gedachte Amerika der Opfer des 11. September 2001. US-Präsident Barack Obama trauerte am Ground Zero, der Gedenkstätte der Opfer des World Trade Centers, das an jenem Tag von zwei Flugzeugen zerstört wurde. Al-Qaida-Terroristen hatten die Maschinen gekapert und die verheerenden Anschläge verübt. Das ist zumindest die offizielle Version der Geschichte.

Verschwörungstheoretiker sind anderer Meinung - einer ihrer prominenten Vertreter bekommt deshalb jetzt Ärger mit dem Terrornetzwerk: Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad. Der hatte in der Vergangenheit wiederholt behauptet, die USA seien selbst für die Anschläge verantwortlich.

Zuletzt hatte Ahmadinedschad seine kruden Thesen Mitte September bei einem Auftritt vor den Vereinten Nationen vertreten. Auch in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP sagte Ahmadinedschad, als Ingenieur sei er sicher: Allein durch den Aufprall der Flugzeuge hätten die Wolkenkratzer in New York nicht zum Einsturz gebracht werden können. Vielmehr müsse eine geplante Explosion stattgefunden haben.

"Wir hatten Erfolg, Iran jedoch nicht"

Die Aussagen sorgten für viel Wut - nicht nur in den USA, sondern offenbar auch bei den Drahtziehern von 9/11. Nun schlägt al-Qaida in seiner Propaganda-Postille Inspire zurück - und veröffentlicht eine bittere Abrechnung mit Ahmadinedschad. "Lächerlich", sei die Verschwörungstheorie des Iraners, heißt es in einem Kommentar. Sie widerspreche "jeder Logik und allen Beweisen".

"Al-Qaida, eine staatenlose Organisation unter Beschuss, hatte Erfolg, Iran jedoch nicht." Deshalb habe es Teheran offenbar nötig gehabt, al-Qaida und die Anschläge von 9/11 durch den Schmutz zu ziehen. "Und was wäre einfacher gewesen, als Verschwörungstheorien zu nutzen?", fragt der Autor.

"Wenn Iran es ernst meinen würde mit seiner Feindseligkeit gegenüber den USA, müsste es erfreut sein, wenn es einer anderen Einheit gelingt, dem großen Satan einen heftigen Schlag zu versetzen", schreibt der Kommentator. Jedoch sei Anti-Amerikanismus für Teheran nichts anderes als ein politisches Spiel: "Iran ist gegen Amerika oder kollaboriert mit Amerika, gerade so, wie es passt."

Gastbeitrag von Osama bin Laden

Die Abrechnung mit Ahmadinedschad findet sich auf Seite vier der Herbst-Ausgabe von Inspire. Das Hochglanz-Magazin erscheint in englischer Sprache und ist im Internet kostenlos als PDF herunterzuladen. Der Inhalt ist Terror-Propaganda, die junge Muslime animieren soll, dem Netzwerk beizutreten. Amerikanische Sicherheitsexperten vermuten die Herausgeber des Magazins im Jemen.

Das Titelblatt der Ausgabe ist mit einer künstlerischen Darstellung der zwei World-Trade-Center-Türme versehen - der eine gebildet aus Dollarzeichen, der andere aus Einsen und Nullen. Im Vorwort heißt es, das Heft sei den "großartigen Ereignissen der Kriegszüge von Washington und New York gewidmet", die einen Wendepunkt in der Geschichte bedeuteten. Zehn Jahre später sei es an der Zeit, zurückzublicken. Zwar sei Osama bin Laden tot, "aber seine Heldentaten leben weiter".

Direkt unter dem iran-kritischen Kommentar findet sich ein Gastbeitrag im Namen des Al-Qaida-Gründers Bin Laden, der am 2. Mai von amerikanischen Spezialeinheiten in Pakistan erschossen wurde. Darin fordert der Terrorist seine Leser auf: "Lasst es nicht zu, dass Amerika in euren Augen groß erscheint. Wir haben wiederholt zurückgeschlagen und sie mehrfach besiegt. Sie sind die größten Feiglinge."