Tod, Chaos, Pessimismus. Vier Jahre nach Beginn des Krieges hat kaum noch ein Iraker Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Die Stimmung in der Bevölkerung hat sich dramatisch verändert.

82 Prozent der Befragten haben kein Vertrauen in die ausländischen Truppen, und 78 Prozent lehnen die Anwesenheit der Amerikaner und ihrer Verbündeten ganz ab.

Lage im Irak

Die fehlende Sicherheit beeinträchtigt das Leben der Iraker in ihrem Land am meisten (© Foto: AFP)

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Das geht aus einer Studie im Auftrag der Sender ARD, BBC, ABC und der Zeitung USA Today hervor, für die landesweit mehr als 2000 Menschen befragt wurden. Die Arbeit ihrer eigenen Regierung bewerten die Iraker zur Hälfte positiv, zur Hälfte negativ.

Auffallend ist der Umfrage nach auch der zunehmende Pessimismus in der irakischen Bevölkerung. Mehr als 60 Prozent der Befragten beurteilen ihr Leben insgesamt negativ. Nur etwas mehr als ein Drittel glauben, dass sich ihre Situation innerhalb des nächsten Jahres verbessern wird. 67 Prozent sind der Ansicht, dass die Aufbau-Anstrengungen im Irak wirkungslos waren.

Dringlichstes Problem: Sicherheit

Das Ergebnis bedeutet eine dramatische Verschlechterung gegenüber ähnlichen Umfragen aus dem Jahr 2004 und 2005. Damals hatten zwischen 55 und etwa 70 Prozent aller Iraker ihre persönliche Lebenssituation als insgesamt gut eingeschätzt.

Mehr als zwei Drittel blickten optimistisch in die nähere Zukunft. "Hier hat sich in den letzten Monaten eine dramatische Veränderung ergeben", erläutert Arnd Henze, der die Umfrage für den WDR betreute.

Als dringlichstes Problem erleben die Iraker die fehlende Sicherheit im Lande. 74 Prozent der Befragten fühlen sich in ihrem eigenen Viertel nicht sicher - mehr als doppelt so viele wie bei der letzten Umfrage im November 2005. 30 Prozent der Befragten würden am liebsten den Irak verlassen.

86 Prozent befürchten, dass ein Mitglied ihres Haushalts ein Opfer von Gewalt werden könnte. Keine unbegründete Sorge: Zwar waren bislang "nur" bei 17 Prozent der Befragten Mitglieder ihres Haushalts tatsächlich von Gewalt betroffen. Doch wenn dieser Kreis auch auf Freunde und weitere Familienmitglieder erweitert wird, kennen fast 50 Prozent in ihrem Umkreis Menschen, die Opfer von Gewalt wurden.

Religiös geteilter Irak

Laut BBC News zeichnet die Studie das Bild eines zunehmend religiös geteilten Iraks. So sähen die Sunniten die Lage im Irak deutlich pessimistischer als als die Schiiten. Diese unterschiedliche Einschätzung der Lage zeige sich auch in der Haltung gegenüber der Hinrichtung Saddam Husseins.

Während die befragten Sunniten die Hinrichtung Saddams laut BBC News überwiegend als unpassend und nicht hilfreich für die Aussöhnung unterschiedlicher Gruppen in dem Land halten, vertreten die Schiiten überwiegend die gegenteilige Ansicht.

Dennoch machen die befragten Iraker eher einen grundsätzlichen Mangel an Sicherheit für ihre schlechte Lage verantwortlich als religiöse Spannungen. Eine Trennung des Iraks entlang der religiösen Grenzen wünschen sich beide Gruppen nicht.

Obwohl das Vertrauen in die ausländischen Truppen gering ist, äußerten 63 Prozent der Befragten die Ansicht, die Soldaten sollten erst abziehen, wenn sich die Sicherheitslage gebessert habe. Von einer Truppenaufstockung versprechen sich die meisten Iraker jedoch nichts. 50 Prozent befürchten durch die Entsendung weiterer Truppen in den Irak eine Verschlechterung der Lage. Nur knapp 30 Prozent erwarteten sich davon eine Verbesserung.

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(sueddeutsche.de/AFP/dpa)