Afrikanisches Krisengebiet Bewaffnete verschleppen Franzosen in Mali

In Mali ist wieder ein Europäer entführt worden, ein alleinreisender Franzose. Im Norden des westafrikanischen Krisenlandes bekämpfen sich derzeit Islamisten und Tuareg. Die EU will laut einem Medienbericht nun Soldaten entsenden.

Im Südwesten Malis ist ein Franzose von bewaffneten Männern entführt worden, wie aus malischen Sicherheitskreisen verlautete. Der französische Präsident François Hollande bestätigte die Geiselnahme des Franzosen mit portugiesischen Wurzeln und versicherte, zu seiner Rettung werde alles getan. Der Mann soll 61 Jahre alt und allein gereist sein.

Vor vier Jahren war in derselben Region ein italienisch-burkinisches Paar von der al-Qaida im islamischen Maghreb verschleppt und später gegen Lösegeld wieder freigelassen worden. Die Terrororganisation hat derzeit noch mindestens neun weitere europäische Geiseln in ihrer Gewalt, unter ihnen sechs Franzosen. In den Händen einer anderen islamistischen Miliz befinden sich mindestens drei algerische Geiseln. Frankreichs Außenminister Laurent Fabius forderte seine Landsleute auf, sich nicht in den Westen von Mali zu begeben.

Die Entführung des Franzosen ereignete sich weit entfernt vom Norden Malis, in dem inzwischen islamistische Milizen die Kontrolle übernommen haben: Unzufriedene Soldaten stürzten vergangenen März die Regierung in der Haupstadt Bamako, woraufhin die Tuareg innerhalb weniger Tage gemeinsam mit Islamisten den gesamten Norden des Landes unter ihre Kontrolle brachten. Seitdem vertrieben die Islamisten die Rebellen aber aus ihrem Hauptquartier Gao und aus anderen Städten und riefen die islamische Rechtsprechung Scharia aus. Die Tuareg hatten am vergangenen Freitag eine Offensive gestartet, um das Gebiet um Gao zurückzuerobern.

EU will angeblich Soldaten nach Mali schicken

Die EU will einem Zeitungsbericht zufolge mindestens 240 Soldaten in das westafrikanische Land schicken. Die EU-Truppen sollten bereits in wenigen Monaten ihr Hauptquartier in Bamako aufbauen und von dort aus 15 Monate lang vier einheimische Kampf-Bataillone ausbilden, berichtete die Bild unter Berufung auf den Entwurf für die internationale Mission. Damit soll Malis Armee in die Lage versetzt werden, den Aufstand im Norden des Landes zu befrieden.

Die Kosten der EU-Mission würden Bild zufolge mit vier bis 7,5 Millionen Euro veranschlagt. Offen bleibe, wer die EU-Ausbilder im Einsatz schützt und wie viele deutsche Soldaten an der Ausbildungsmission beteiligt sind. Die Bundesregierung knüpft die Beteiligung an einem Militäreinsatz an die Bedingung, dass daraus kein Kampfeinsatz wird.

Auch mehrere afrikanische Länder erwägen eine Militärintervention, um die Islamisten, die al-Qaida nahestehen sollen, zu vertreiben.