Afrika Die Verwaltung funktioniert gut, der Machtwechsel 2010 verlief friedlich

Somaliland ist eine Demokratie, schon mehrmals fanden Wahlen statt, 2010 gab es einen friedlichen Machtwechsel. Die staatliche Verwaltung funktioniert vergleichsweise gut, Polizei und Armee halten im Großteil des Landes das Gewaltmonopol. Das ist nicht wenig für ein Gebiet, das an eines der schlimmsten Krisengebiete der Welt grenzt.

"Wenigstens fühlen wir in unseren Herzen, dass wir frei sind", sagt die Ministerin. Es klingt wie ein angestrengtes Mantra. Denn im Augenblick spüren die Somaliländer deutlich, dass die fehlende Anerkennung lebensbedrohlich sein kann: Das Land leidet unter einer schlimmen Dürre. Drei Viertel der Einwohner leben von der Viehzucht, wenn wie jetzt der Regen ausbleibt und ihr Vieh verdurstet, haben sie nichts mehr. Doch die Regierung wird von anderen Staaten und Hilfsorganisationen nicht unterstützt - weil sie in deren Augen eben keine Regierung ist. Hilfe kommt nur indirekt, etwa wenn lokale NGOs Geld aus dem Ausland bekommen. Doch auch das laufe schleppend, so Bandare.

Und so tun die Somaliländer das, was sie seit mehr als zwei Jahrzehnten tun: Sie helfen sich selbst. Wohlhabende Geschäftsleute etwa aus der Hauptstadt Hargeisa schicken Wasser und Nahrungsmittel in die Provinz, auch die große Diaspora sendet Geld in die Heimat, um die Not zu lindern.

So in etwa ist aus Somaliland das geworden, was es heute ist. Als sich die Menschen während Somalias Bürgerkrieg lossagten vom Süden, war ihr Land ein Trümmerfeld. Heute ist nicht mehr viel vom Krieg zu sehen. Das Land ist immer noch arm, aber die Somaliländer haben ihre Städte wieder aufgebaut. Es herrscht eine friedliche Geschäftigkeit, die Zahl der Hotels, Restaurants und Firmengebäude nimmt zu. Es ist vor allem die Diaspora, die in Somaliland investiert und Unternehmen gründet, sie ist bis heute der wirtschaftliche Motor des Landes. An zweiter Stelle steht die Viehwirtschaft. Somaliland exportiert in guten Jahren mehr als drei Millionen Schafe, Ziegen, Rinder und Kamele, vor allem in Staaten der arabischen Halbinsel.

Somaliland hat ein effektives Steuersystem - im Gegenzug zu seinen Nachbarn

Dieser Handel ist auch für die Regierung wichtig, ihr Budget speist sich zu fast drei Vierteln aus Steuern auf Viehexport. Im Gegensatz zu anerkannten Staaten kann sich Somaliland kein Geld leihen bei internationalen Institutionen oder anderen Ländern, muss also diszipliniert haushalten. Und so verfügt Somaliland, anders als viele Entwicklungsländer, über ein effektives Steuersystem. Im Grunde erfüllt es so mehr Kriterien für Staatlichkeit als die übrigen Länder der Region. Warum also bleibt die Anerkennung trotzdem aus?

Da ist zum einen die Regel, die sich die afrikanischen Regierungen einst selbst gaben: Die unabhängig gewordenen Staaten des Kontinents sollten ihre kolonialen Grenzen möglichst behalten, man glaubte, Abspaltungen würden sonst kein Ende nehmen. Die Afrikanische Union ist auch im Fall Somalilands bei der Haltung geblieben, obwohl Gesamt-Somalia in seinen heutigen Grenzen erst nach der Unabhängigkeit entstand.

Der zweite, wohl bedeutendere Grund hat mit der fragilen Lage der Region zu tun. Neben Somaliland regen sich noch in anderen Teilen Somalias Autonomiebestrebungen: in Puntland etwa, das an Somaliland grenzt, oder in Jubaland im Süden. Die internationale Gemeinschaft fürchtet, dass eine Anerkennung Somalilands diese Abspaltungstendenzen verstärken könnte. Hinzu kommt, dass auch in den Nachbarstaaten Äthiopien und Kenia Somali-Minderheiten leben. Eine Aufspaltung Somalias, so die Angst, würde Sezessionskämpfe in der gesamten Region befeuern.