Nach den Wikileaks-Enthüllungen geraten die geheimsten der geheimen Aktionen in Afghanistan in den Blick. Die Bundesregierung gibt zögernd Auskunft: Welchen Beitrag hat Deutschland zu Exekutionen durch US-Spezialtruppen geleistet?
Die Veröffentlichung von fast 92.000 US-Militärdokumenten durch den Internetdienst Wikileaks hat dazu geführt, dass knapp neun Jahre nach Beginn des Afghanistan-Einsatzes die geheimsten der geheimen Aktionen dort wieder in den Blick geraten: die Aufträge militärischer Spezialeinheiten der USA, aber auch anderer Nationen. Zu ihren Aufgaben gehört es nicht nur, besonders gefährliche Anführer und Kämpfer der al-Qaida oder der Taliban gefangen zu nehmen. Diese Kommandos dürfen tun, was der Bundeswehr ausdrücklich verboten ist - Gegner gezielt töten, sei es mit Angriffen aus der Luft, schweren Waffen am Boden oder durch Scharfschützen.
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Ein Krieg, der in der Heimat immer weniger verstanden wird: Bundeswehrsoldat im Einsatz nahe Kundus. (© REUTERS)
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In den nun veröffentlichten Dokumenten findet sich bislang kein Hinweis, dass Bundeswehrsoldaten an solchen Einsätzen beteiligt waren. Wohl aber wird in der Diskussion um die Praktiken insbesondere der US-Spezialtruppen deutlich, dass deutsche Soldaten, wenngleich indirekt, daran beteiligt sein könnten, dass Taliban-Kämpfer von Verbündeten der Bundeswehr exekutiert werden.
Denn in der Nato-geführten Internationalen Schutzruppe (Isaf) gibt es eine streng geheime Liste mit den Namen gesuchter Gegner. Deutschland ließ nach Angaben des Verteidigungsministeriums seit Sommer 2009 acht Namen aufnehmen. Zwei dieser Männer kamen danach ums Leben, einer bei einem Gefecht mit afghanischen Einheiten, der andere, als er sich mit Waffengewalt seiner Verhaftung widersetzte. Aber keiner der beiden sei gezielt getötet worden, ließ Staatssekretär Christian Schmidt (CSU) den Grünen-Abgeordneten Hans-Christian Ströbele Anfang Juli 2010 wissen. Von den vor Juni 2009 gemeldeten fünf Personen haben die afghanischen Behörden zwei festgenommen, eine mit deutscher Hilfe. Zwei weitere wurden gestrichen, weil sie der Isaf nicht mehr mit feindseligen Aktionen auffielen. Der Fünfte steht nach wie vor auf der Liste.
Die Kenntnis der Bundesregierung über gezielte Tötungen sind, wie es in Regierungskreisen heißt, äußerst begrenzt. Denn die USA lieferten dazu keine Informationen, auch nicht an die Nato. Tatsächlich unterstehen einige US-Spezialkräfte in Afghanistan nicht dem Isaf-Befehl oder dem Kommando der parallelen Militäraktion Operation Enduring Freedom, sondern direkt Kommandos in den USA. Die Zahl dieser US-Spezialkräfte, die unabhängig von der Isaf-Befehlsstruktur, aber auch vom US-Oberkommando in Afghanistan operieren, hat sich inzwischen verringert. Ihre Aufgabe war nach Auskunft hoher Offiziere in Kabul die Jagd auf Terroristen und auf die Anführer der aufständischen Gruppen.
Bei diesen Einsätzen wurden immer wieder Zivilisten getötet, dies brachte die Afghanen gegen die Isaf auf. Dabei sah die im Herbst 2009 verabschiedete Nato-Strategie vor, zivile Opfer um fast jeden Preis zu vermeiden. Der damalige Oberbefehlshaber Stanley McChrystal bestand deshalb darauf, dass diese Einsatzkräfte ihm unterstellt werden oder zumindest nicht ohne sein Wissen aktiv werden dürfen. Dies geschah laut der Isaf-Führung Anfang 2010 tatsächlich. Allerdings gebe es, wie ein hoher Offizier einräumt, "immer noch die eine oder andere Truppe" außerhalb des Isaf-Rahmens. Und diese Einheiten haben, wie aus Kreisen der Bundesregierung verlautet, eigene Listen gesuchter Kämpfer, die kein Deutscher kenne. Ob sich darauf dieselben Namen finden wie auf den Isaf-Papieren, vermöge man nicht zu sagen, heißt es in Berlin; für denkbar wird es aber gehalten.
Manche Bundestagsabgeordnete, etwa der Grünen-Politiker Ströbele, ein Kritiker des Isaf-Einsatzes, sehen die Bundeswehr in der Mitverantwortung für gezielte Tötungen, an denen sich Deutschland bewusst nicht beteiligt. Die Bundesregierung dagegen sieht in dieser Praxis anderer Staaten kein Hindernis für eine weitere Kooperation mit den USA in Afghanistan. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm verweist darauf, dass nicht nur Tötungen aus Notwehr, sondern auch gezielte Tötungen durch das Isaf-Mandat gedeckt seien, so man der Aufständischen anders nicht habhaft werden könne.
Der SPD-Obmann im Verteidigungsausschuss, Rainer Arnold, warnt davor, "jetzt mit dem Finger auf die Amerikaner zu zeigen". Bei der Suche nach Aufständischen gebe es "manchmal keine einfachen Lösungen". Andere Staaten hätten in der Frage der Verhältnismäßigkeit der Mittel andere Vorstellungen als die Deutschen. Vom Verteidigungsministerium forderte er dennoch Aufklärung über jedwede Geheimoperationen anderer Isaf-Staaten. "Ansonsten bestehen wir die Diskussion mit den Bürgern in Deutschland nicht." Das Ministerium hat die Wehrexperten der Fraktionen mehrmals vertraulich auch über Einsätze von Spezialtruppen unterrichtet, Details sind aber nicht bekannt. Arnold kann sich das erklären: Das liege wahrscheinlich daran, dass die Regierung, wenn überhaupt, nur wenige genaue Kenntnisse habe.
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(SZ vom 29.07.2010/segi)
Zitat:
"Regierungssprecher Ulrich Wilhelm verweist darauf, dass nicht nur Tötungen aus Notwehr, sondern auch gezielte Tötungen durch das Isaf-Mandat gedeckt seien, so man der Aufständischen anders nicht habhaft werden könne."
Er verwies also NICHT darauf, was UNSER GG besagt: Todesstrafe ist abgeschafft. Das und einzig das ist bindend und nicht irgendwelche regeln irgendwelcher zeitweiliger Bündnisse. Bei der ISAF mag vielleicht auch Folter erlaubt sein - für die von uns bezahlten und mit einem Bundestagsmandat ausgestatteten Bundis ist JEDE beteiligung daran verboten. Verfassungsfeinde gehören wohin auch immer - nicht aber in Posten, die ihnen Propaganda erlauben.
Wer noch immer das doofe Gewäsch der Politiker glaubt, dass in einem Krieg gegen Terroristen, der sich mitten unter der Zivilbevölkerung abspielt, Zivilisten geschont werden (wobei gerade hier niemand weis wo der Terrorist anfängt und der Zivilist aufhört), der geht auch noch mit seinem Teddy ins Bett.
Die Frage ausgeklammert, ob dieser Krieg zu Recht oder Unrecht geführt wird: Krieg ist immer schmutzig. Ein Soldat der um sein Leben fürchtet wird immer zuerst schießen und danach nachsehen, ob Gefahr bestand.
Da helfen diverse Sonntagsreden von Politikern auch nichts. Man erinnere sich, wie lange um das Wort Krieg herum geeiert wurde....
"Es ist nicht eine Frage ob deutsche Soldaten eine "töten und töten lassen" Strategie haben. "
Wir haben nicht nur diese Strategie aus alten Wehrmachtstagen aufgewärmt, wir haben auch eine eigene Spezialeinheit, die das ausführt: die Task Force 47, bekannt wegen der "tödlichen Ereignisse" von Kundus.
Der Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums, Christian Dienst, sagte, wenn man Verdächtigen nicht anders habhaft werden könne, sei im Rahmen der Verhältnismässigkeit "auch die gezielte Tötung im Einklang mit dem Völkerecht". Er ergänzt: "Und so handeln auch die Amerikaner." Was die deutsche TF47 betrifft räumte er ein, in einem Gefecht "kann es natürlich auch bei Aktionen, die das Ziel haben, einen Zugriff herbeizuführen, zu tödlichen Ereignissen kommen".
Also, Deutsche ermorden nicht und töten nicht, sie lassen es "zu tödlichen Ereignissen kommen". Das ist, zumindst für unsere Bundesschwafler ein gravierender Unterschied. Für die Ermordeten dürften derartige sprachliche Trickserein wurscht sein. Tot ist tot!
Es ist nicht eine Frage ob deutsche Soldaten eine "töten und töten lassen" Strategie haben. Die Bundesregierung hat sich mit Ländern vereinigt, die Krieg und Aggression als Außenpolitik verwenden. Ich beziehe mich hier nicht nur auf die Amis. Meiner Meinung nach, würde ich den Gebrauch von Krieg, Aggression und ethnischen Säuberung, als außenpolitisches Mittel, als kriminell beschreiben.
Und weil das so ist, MUSS ein halbwegs anständiger Mensch den Krieg um jeden Preis vermeiden.
Da jedoch die Rüstungsindustrie den Krieg braucht um unmoralisch viel Geld zu scheffeln, hat sie das Märchen vom sauberen Krieg erfunden, den man jederzeit ohne moralische Bedenken führen kann. Der Weiterverbreitung dieses Märchens haben sich praktisch alle Politiker und Massenmedien verschrieben und nun heucheln sie Überraschung, weil das wohl doch nicht ganz so ist.
Seit Jahrzehnten sind US-Killerkommandos auf allen Kontinenten unterwegs und schalten die Gegner des US-Imperialismus aus, die oftmals zunächst enge Freunde deer USA waren.
Die Task Force 373 wurde aus den 7th Special Forces gebildet, die schon in Vietnam, Laos, Grenada, Honduras, El Salvador oder Panama, etc. getötet hat.
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