Am Donnerstag wählen die Afghanen ihren Präsidenten. Der frühere Außenminister Abdullah Abdullah ist dabei der einzige Kandidat, der Amtsinhaber Hamid Karsai gefährlich werden kann.
Die Menschen haben nur ein Ziel: den dunklen, mit Blumen geschmückten Geländewagen. Hunderte stürmen auf das Auto zu, etliche verlieren im Gedränge ihre Sandalen. Egal. Weiter, immer weiter. Der Kandidat streckt seinen Kopf aus dem Sonnendach in die Hitze hinaus. Nicht nur auf den staubigen Straßen, auch auf den Balkonen stehen die Fans Spalier, schwenken die schwarz-rot-grünen Fahnen Afghanistans, halten Poster mit dem Konterfei ihres Helden hoch.
Anhänger des Präsidentschaftskandidaten Abdullah Abdullah halten in Kabul sein Wahlplakat in die Höhe. Der früheren Außenminister wirft Amtsinhaber Hamid Karsai vor, sich einzubunkern. (© Foto: AP)
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Es scheint, als seien alle Männer in Masar-i-Sharif auf den Beinen. Sie wollen den Herausforderer von Präsident Hamid Karsai nicht nur sehen, sondern anfassen. Auch ein paar Frauen beobachten das Spektakel. Die meisten verhüllen ihre Gesichter hinter einer Burka.
Abdullah Abdullah lacht, er schüttelt Hände, lässt sich feiern. Er hat die Cartier-Sonnenbrille abgenommen und das moderne, weiße Sakko mit den schwarzen Streifen ausgezogen. Hier will er der Mann des Volkes sein. Sein Shalwar Kamiz, das traditionelle Gewand, ist durchgeschwitzt. Wahlkampfhelfer lassen weiße Tauben in die Luft steigen. "Abdullah, Abdullah - wir unterstützen dich", schallt es dem Präsidentschaftsbewerber entgegen.
Nicht bloß Anhänger, sondern Ergebene
Es mögen Zehntausende Menschen sein, die seinem Konvoi bis zur Blauen Moschee folgen, dem Wahrzeichen Masar-i-Sharifs, wo die Bundeswehr 2200 Soldaten stationiert hat. "Du bist von Gott gesandt", ruft ein Mann.
Hier im Norden Afghanistans hat der 48-jährige Abdullah nicht bloß Anhänger, sondern Ergebene. Die Menschen in der Region verehren den Augenarzt, weil er mit den Mudschaheddin erst gegen die sowjetischen Besatzer und später gegen die Taliban kämpfte. Abdullah gehörte zur sogenannten Nordallianz, die Afghanistan 2001 mit Hilfe der US-Truppen von den Extremisten befreite, und war danach Hamid Karsais erster Außenminister.
Seine Anhänger rechnen ihm hoch an, dass er auch während der Jahrzehnte dauernden Kriege im Gegensatz zu Karsai in Afghanistan geblieben ist. "Abdullah wird seinen Weg fortsetzen", sagt ein Mann, dessen Stimme sich vor Aufregung überschlägt.
Ob es tatsächlich dazu kommen wird, entscheiden die Afghanen am Donnerstag. Dann stimmen sie darüber ab, welcher Präsident das krisengeschüttelte Land in den nächsten fünf Jahren regieren soll. Dass es trotz der angespannten Sicherheitslage überhaupt Wahlkampfveranstaltungen wie die in Masar-i-Sharif gibt, ist Abdullahs Verdienst. Nur er kann die Massen so mobilisieren - zu den spärlichen Auftritten Karsais kommen weniger Menschen.
Der Herausforderer trotzt den Militanten, die bereits einen seiner Helfer erschossen und fünf weitere Unterstützer für einen Tag in ihrer Gewalt hatten. Er lässt sich davon nicht beirren, gibt sich unerschrocken und sucht den direkten Kontakt zu seinen Anhängern. "Die Leute erwarten das", sagt Abdullah. "Sie wollen keinen Anführer, der abgehoben ist". Karsai bunkere sich ein, das sei nicht sein Verständnis von Demokratie, sagt der Kandidat.
Abdullah begibt sich für diese Botschaft in große Gefahr. Es wäre ein Kinderspiel, ihn bei einem dieser Auftritte zu erschießen, denn er taucht ungeschützt in die Menge ein. Selbst im Süden des Landes, wo die Taliban-Extremisten ihre Hochburgen haben, tritt Abdullah öffentlich auf. Das hat ihm im Feld der 40 Kandidaten die maximale Aufmerksamkeit beschert.
Unzuverlässige Umfragen
Weder der frühere Finanzminister Ashraf Ghani noch die weiblichen Kandidatinnen werden in dem islamischen Land so beachtet wie der Mann mit dem kurzen, dunklen Bart. Aus dem vermeintlich unspektakulären Wahlkampf ist ein Zweikampf geworden: Abdullah gegen Karsai, der noch vor einigen Monaten als unangefochtener Favorit galt. "Zu Beginn des Wahlkampfes haben mir die Menschen gesagt, dass sie mich mögen, mich aber nicht wählen werden - das hat sich nun geändert", sagt Abdullah.
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@Sarmast: Ein guter Kommentar. Mir tun die Menschen in Afghanistan leid, die nur in Frieden leben wollen (also wohl die meisten Menschen).
Die Präsidentschaftskandidaten in Afghanistan ähneln sich in ihren Wortschwall, wenn es darum geht, das lukrative Präsidentenamt zu erobern. Auch die Medien macht das eine Auge zu, wenn sie beginnen ihr Favorit ihren Leser näher zu bringen. Dr. Abdullah, der heute angeblich für die Demokratie und Rettung Afghanistans kämpft, gehört jener unheilvollen Nordallianz, die 2001 im Namen derTaliban und mit Billigung der Amerikaner und Britten tausenden Paschtunen in Dascht-i- Artschi gemeinsam mit Gen. Mohammad Atta (heute Gouverneur in Mazar-i- Scharif), Gen. Dostum (heute aus dem türkischen Exil zurückgekehrt, Marschall Fahim,(zukünftiger Stellvertreter Karzai) Ismael Khan (heute Minister) und Rabani bestialisch ausschlachten ließen.
Aber es gibt in Paschtu ein Sprichwort: Wie der Berg, so sind seine Geckos! Da den Alliierten in dem fast achtjährigen Krieg in Afghanistan nicht gelungen ist, den Kriegsverbrechern und Warlords den Prozess zu machen und dadurch die Gesellschaft etwas zu demilitarisieren, müssen nun die Afghanen ihren Präsidentschaftskandidat zwischen den Schwerverbrechern wählen. Der einzige wählbare Kandidat wäre Dr. Ghani Ahmadzai von dem aber die westlichen Medien keine Notiz nimmt.
Sarmast