Von Tomas Avenarius

"Ein Angriff ist für uns verlockend": In Botschaften drohen Osama bin Laden und die Taliban mit Rache und Vergeltung und fordern den Abzug aus Afghanistan.

Vor der Bundestagswahl haben sich sowohl Al-Qaida-Chef Osama bin Laden als auch die Taliban an Deutschland gewendet. Nach einer dem Extremistenführer Osama bin Laden zugeschriebenen Audiobotschaft wurde am Freitagabend ein Video bekannt, in dem ein deutschsprachiger Taliban Deutschland mit Anschlägen droht.

Bin Laden

"Botschaft vom Scheich Osama Binladin an die Völker Europas": Der Chef des Terrornetzwerks al-Qaida meldet sich zwei Tage vor der Bundestagswahl zu Wort. (© Screenshot: sueddeutsche.de)

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Der im Internet verbreitete Kurzfilm, in dem der Terroristenführer selbst nur als Standbild zu sehen ist, heißt zwar "Die Botschaft von Osama bin Laden an die Völker Europas". Klar ist aber, dass vor allem die deutsche Bevölkerung angesprochen werden soll.

Das offenbar echte Video mit deutschen Untertiteln ist gezielt zur Debatte um die deutsche Beteiligung am Afghanistan-Krieg veröffentlicht worden. Außerdem erwähnt es Deutschland ausdrücklich als "Exportweltmeister".

In dem Audio- und Video-Beitrag wird der Nato eine Niederlage in Afghanistan vorausgesagt. "Unter dem Deckmantel der Nato" töteten europäische Soldaten in Afghanistan Frauen und Kinder, erklärt eine Stimme. Es ist Experten zufolge die Stimme bin Ladens. Der auf Arabisch gesprochene Text ist abwechselnd mit deutschen und englischen Untertiteln versehen.

Direkte Botschaft auf Deutsch

Bin Laden gibt zwar regelmäßig über das Internet Erklärungen ab; sie sind immer mit Gewaltdrohungen verbunden. Der neue, fünf Minuten lange Film ist aber die erste direkte Botschaft des Qaida-Führers auf Deutsch. Ein deutsches Al-Qaida-Mitglied, der Bonner Islamist Bekkay Harrach, hatte sich in den vergangenen Tagen zweimal auf Deutsch per Video gemeldet.

Dies zeigt, dass al-Qaida die deutsche Vorwahlatmosphäre gezielt zur Einschüchterung der Bevölkerung nutzen will. In den vergangenen Tagen hat es zudem Hinweise auf angeblich aktuell drohende Terroranschläge in Deutschland gegeben. Um die Aktualität der jüngsten Botschaft zu belegen, erwähnt der in Afghanistan oder Pakistan untergetauchte bin Laden die Finanzkrise. Unmissverständlich an Deutschland gerichtet sein dürfte der Satz: "Das Herz Europas hat diese Stellung als Exportweltmeister verloren."

In dem Video, das die Taliban am Freitag veröffentlichten, werde ein deutschsprachiger Kämpfer gezeigt, der sich "Ajjub" nenne, meldete Spiegel online. Durch den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan werde "ein Angriff auf Deutschland für uns Mudschaheddin verlockend", zitiert die Website aus dem Video. Dazu würden Fotos vom Brandenburger Tor, dem Hamburger Hauptbahnhof, dem Münchner Oktoberfest, dem Kölner Dom und der Frankfurter Skyline eingeblendet. Auch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung seien zu sehen.

Ein deutscher Sicherheitsbeamter sagte, man halte das Taliban-Video nach erster Analyse für "das konkreteste Drohvideo, das sich je gegen Deutschland richtete". Der Taliban-Kämpfer nimmt in dem Video Bezug auf das Bombardement zweier Tanklaster bei Kundus, das ein deutscher Oberst angeordnet hatte.

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(SZ vom 26.09.2009/woja/aho)