Afghanistan Trauriger Rekord bei toten Zivilisten

Seit dem Sturz der Taliban vor sieben Jahren kamen noch nie so viele Zivilisten ums Leben wie 2008: Ein UN-Bericht dokumentiert die fortdauernde Tragödie Afghanistans.

Der gewaltsame Konflikt in Afghanistan hat im vergangenen Jahr mehr Zivilisten das Leben gekostet als je zuvor seit dem Sturz der Taliban vor gut sieben Jahren. Bei Anschlägen oder Kämpfen seien im vergangenen Jahr 2118 Zivilisten getötet worden, heißt es in einem in Kabul veröffentlichten Bericht der UN-Unterstützungsmission in Afghanistan (Unama). Das sei ein Anstieg um 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Zerstörtes Auto nach einem Anschlag in Kabul: Der Terror in Afghanistan nimmt kein Ende.

(Foto: Foto: dpa)

Für 55 Prozent der zivilen Opfer waren 2008 dem Bericht zufolge Aufständische verantwortlich; 38 Prozent starben bei Einsätzen der afghanischen Regierungstruppen oder ihrer Verbündeter. Bei sechs Prozent der zivilen Opfer ist demnach ungeklärt, wer für deren Tod verantwortlich ist.

Bei den Zivilisten, die durch die Gewalt Aufständischer starben, waren in 85 Prozent der Fälle Selbstmordattentate oder Bombenanschläge verantwortlich. Bei 64 Prozent der Opfer von Armee-Einsätzen waren Luftangriffe die Ursache. "Nächtliche Angriffe, die manchmal zu Toten und Verletzten unter der Zivilbevölkerung führen, geben Anlass zu immer größerer Sorge", erklärte die Unama.

Mehr als 40 Prozent der zivilen Opfer seien im umkämpften Süden des Landes registriert worden, gefolgt vom Südosten (20 Prozent), Osten (13 Prozent), Zentralafghanistan (13 Prozent) und dem Westen (neun Prozent). Der Norden, das Einsatzgebiet der Bundeswehr, wurde in dem Jahresbericht zum "Schutz von Zivilisten in bewaffneten Konflikten" wegen der vergleichsweise geringeren Zahl der zivilen Opfer nicht gesondert aufgeführt. Im Bericht heißt es jedoch, dass der bewaffnete Konflikt sich unter anderem auf den Norden ausdehne.

Die UN-Mission wirft den Aufständischen vor, den Tod von Zivilisten in Kauf zu nehmen. Die Rebellen führten zunehmend Angriffe in Wohngebieten aus, "offenbar ohne Rücksicht auf bedeutende Verluste in der Zivilbevölkerung", heißt es in dem Bericht. Zudem zeigt sich Unama besorgt angesichts zunehmender Übergriffe auf humanitäre Helfer, die dadurch in ihrer Wiederaufbauarbeit im kriegszerstörten Afghanistan stark eingeschränkt würden.

Im Jahr 2008 seien 38 humanitäre Helfer, meist von nichtstaatlichen Organisationen, getötet worden. Das seien doppelt so viele gewesen wie 2007. 147 Helfer wurden laut Unama im vergangenen Jahr in Afghanistan entführt. Dadurch zögen sich viele Hilfsorganisationen aus den als gefährlich geltenden Regionen zurück.

Die Nato-geführte Afghanistan-Truppe Isaf zählte 2008 weitaus weniger tote Zivilisten als die Vereinten Nationen. "Wir verfügen über die Zahl von 237 getöteten Zivilisten im Jahr 2008", sagte Isaf-Sprecher Martin O'Donnell. Es gebe verschiedene Methoden der Datenerhebung, fügte er hinzu. Die in Kabul ansässige unabhängige Organisation Afghanistan Rights Monitor (ARM) hatte im Januar einen Bericht vorgelegt, demzufolge 2008 fast 4000 Zivilisten in Afghanistan starben.

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