Präsident Karsai hat sich verkalkuliert, als er sich zunächst der Stichwahl verweigerte. Dennoch bleibt ihm keine andere Wahl - auch wenn er so in Afghanistan das Gesicht verlieren wird.
Aus der Sicht des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai gibt es zwei unangenehme Optionen: Beugt er sich dem internationalen Druck und fügt sich in einen zweiten Wahlgang, dann gewinnt er zwar wieder die Zuneigung der Schutznationen im Westen.
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Hamid Karsai hat nun zwei Optionen, die beide nicht angenehm für ihn sind. (© Foto: dpa)
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Aber er verliert das Gesicht vor seiner eigenen Wählerklientel, den Paschtunen. Aus deren Sicht kann gar kein Zweifel daran bestehen, dass einer der ihren Afghanistan regieren soll, und das ist nun einmal Hamid Karsai.
Option zwei: Karsai ignoriert weiter alle Beweise für die massive Wahlfälschung und schlägt den zweiten Wahlgang aus, der ihm als Krückstock für eine legitime Rückkehr ins Amt angeboten wird. Dann aber macht er jede Zusammenarbeit mit den 42 Aufbaunationen geradezu unmöglich.
Die USA haben bereits betont, dass sie über zusätzliche Truppen und Hilfen erst entscheiden werden, wenn das Wahldrama beendet ist. Diese Zögerlichkeit darf durchaus hart interpretiert werden. Sollte sich Karsai verweigern, dann haben die westlichen Truppen und die Helfer nichts mehr verloren an der Seite dieses Präsidenten.
Die Folgen wären katastrophal. Mit einem uneinsichtigen Karsai an der Spitze schwindet die Nachsicht mit Afghanistan, es wird schwer zu begründen sein, warum diese delegitimierte Regierung von außen gestützt werden soll. Es drohen in schneller Reihenfolge: Abzug von Truppen, Helfern und Milliarden.
Danach wird das Leben in Afghanistan wieder von den archaischen Gesetzen bestimmt werden. Regionalherrscher, Stämme und die Taliban werden mit allem, was verletzt und tötet, um die Macht kämpfen. Karsai würde den Bürgerkrieg nicht überleben. Man fragt sich, warum ihm die Entscheidung so schwerfällt.
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(SZ vom 20.10.2009/gba)
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Zitat aus: http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Afghanistan/henken.html#_ftnref13
Zunächst noch mal zur geostrategischen Bedeutung Afghanistans: Wir wissen noch von dem Bemühen des US-Konzerns Unocal, eine Pipeline durch Afghanistan zu verlegen. Dazu findet sich in dem eben erwähnten Buch von Brzezinski, das er bereits 1997 geschrieben hat, eine bemerkenswerte Skizze, in der die Unocal Pipeline" als geplante Pipeline", ausgehend von der usbekisch-turkmenischen Grenze (bei Chardzou) südlich verläuft, an Herat vorbei, durch die Provinz Helmand und an der pakistanischen Küste am Arabischen Meer endet. Also Afghanistan ist interessant als Pipelinekorridor - wie Georgien. Aber Afghanistan ist auch interessant wegen anderer Eigenschaften seiner geographischen Lage. Afghanistan grenzt an Pakistan und Iran. Nicht weit nördlich davon liegt Russland, nicht weit östlich China und Indien und westlich der Persische Golf. Also die Nähe zu nahezu der Hälfte der Menschheit und zu zwei Dritteln der Öl- und Gasvorräte. Afghanistan eignet sich inmitten dieser weltpolitisch wichtigsten Region gelegen, deshalb vor allem zum unsinkbaren Flugzeugträger und als Stationierungsort für Radaranlagen und Raketenabschussrampen.
Zitat aus: http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Afghanistan/henken.html#_ftnref13
Zunächst noch mal zur geostrategischen Bedeutung Afghanistans: Wir wissen noch von dem Bemühen des US-Konzerns Unocal, eine Pipeline durch Afghanistan zu verlegen. Dazu findet sich in dem eben erwähnten Buch von Brzezinski, das er bereits 1997 geschrieben hat, eine bemerkenswerte Skizze, in der die Unocal Pipeline" als geplante Pipeline", ausgehend von der usbekisch-turkmenischen Grenze (bei Chardzou) südlich verläuft, an Herat vorbei, durch die Provinz Helmand und an der pakistanischen Küste am Arabischen Meer endet. Also Afghanistan ist interessant als Pipelinekorridor - wie Georgien. Aber Afghanistan ist auch interessant wegen anderer Eigenschaften seiner geographischen Lage. Afghanistan grenzt an Pakistan und Iran. Nicht weit nördlich davon liegt Russland, nicht weit östlich China und Indien und westlich der Persische Golf. Also die Nähe zu nahezu der Hälfte der Menschheit und zu zwei Dritteln der Öl- und Gasvorräte. Afghanistan eignet sich inmitten dieser weltpolitisch wichtigsten Region gelegen, deshalb vor allem zum unsinkbaren Flugzeugträger und als Stationierungsort für Radaranlagen und Raketenabschussrampen.
Wie sie wohl wissen, gibt es gepolitisch nichts Interessantes in Afghanistan. Somit ergibt ihr Kommentar wenig Sinn. Auch ist ihre Behauptung der Marionette sehr unglaubwürdig. Haben sie irgendwas, das für ihre Behauptung spricht?
Das Regime Karsai wurde installiert um der Nato-Invasion eine Legitimation zu geben.
De facto ist der Westen aber nur an der geopolitischen Lage Afghanistans interessiert, ob mit Karsai oder ohne Karsai. Was hier abläuft ist aber höchstens eine disziplinarische Maßnahme gegen einen zu eigenständig agierenden Statthalter oder das Auswechseln einer Marionette, die aus irgendwelchen Gründen in Umgnade gefallen ist. An der Besatzung als solches wird dieses Drama nichts ändern. Ein Abzug oder eine Truppenverstärkung wird davon sicher nicht beeinflusst.