Afghanistan Helfer auf Heilsmission

Die entführte Deutsche Christiane M. ist Leiterin einer kleinen, christilichen Hilfsorganisation, die sich um die Gesundheit von Mädchen kümmert. Ob sie auch missioniert, ist unklar - das wäre im muslimischen Afghanistan sehr gefährlich.

Von Matthias Drobinski

"Sie wollte helfen, deshalb ist sie nach Afghanistan gegangen", sagt Ulf Baumann über die junge Frau aus Süddeutschland, die vor den Augen ihres Mannes aus einem Kabuler Grill-Imbiss entführt wurde.

Zentrale der Hilfsorganisation Ora International

(Foto: Foto: dpa)

Baumann ist Sprecher der Organisation Ora International, deren Büro in Afghanistan die 31-Jährige seit einem Jahr leitet. 20 Mitarbeiter hat das Werk in Kabul, das sich dort seit 1993 engagiert.

Die Helfer wollen die Gesundheitsversorgung vor allem der Mädchen und Frauen verbessern; in zwei kleinen Kliniken behandeln sie ungefähr 20000 Patienten im Jahr für umgerechnet je 20 Euro-Cent.

Wer so viel Geld nicht hat, wird kostenlos behandelt. Ora International gehört zu den kleineren der 30 deutschen Hilfsorganisationen, die in Afghanistan arbeiten; eine Zusammenarbeit mit dem deutschen Entwicklungshilfeministerium gibt es nicht.

1981 gründete Heinrich Floreck im nordhessischen Korbach das überkonfessionell christliche Werk für "Orphans, Refugees and Aid", für Waisen, Flüchtlinge und Hilfebedürftige, wobei Ora auch für die lateinische Aufforderung "Bete!" steht.

Floreck erlebte als Kind Krieg und Vertreibung; dies, so die Selbstdarstellung des Vereins, brachte ihn dazu, helfen zu wollen: "Nachdem er über Jahre in verantwortlicher Position für eine amerikanische Hilfsorganisation arbeitete, folgte er dem Ruf Gottes und gründete sein eigenes Werk", heißt es auf der Homepage.

Heute ist die Organisation in 34 Ländern tätig und hat weltweit 300 Mitarbeiter, verwaltet Geldspenden von mehr als drei Millionen und Sachspenden von mehr als acht Millionen Euro, ist Mitglied im Deutschen Spendenrat und Trägerin des "Spendensiegels", was die ordnungsgemäße Verwendung des anvertrauten Geldes garantiert.

Ora International hilft bei Katastrophen, leistet langfristige Entwicklungshilfe und vermittelt Patenschaften für Kinder. Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat die Schirmherrschaft über das Kinderhilfswerk übernommen.

Auskünfte über diese offiziellen Angaben hinaus zu bekommen, ist schwierig. Er wisse nichts Näheres über das Leben von Herrn Floreck, sagt Ora-Sprecher Baumann; der Gründer hat sich in den dramatischen Stunden öffentlich nicht zu Wort gemeldet.

Unklar ist, inwieweit Ora International über die Hilfe hinaus missionieren will - was im streng muslimischen Afghanistan mehr als gefährlich wäre. Der Pressedienst des Heimatkreises Waldeck-Frankenberg zitiert Floreck mit der Aussage, man sei auch "in der Mission tätig"; 2003 half er in Berlin eine evangelikal orientierte "Missionskonferenz" zu organisieren, Themen waren "innere Heilung, Islam und Christentum, Evangelisation der Nationen".

Dies sei "die private Überzeugung von Herrn Floreck", sagt Baumann. Man verschweige die christliche Basis nicht, "aber in Afghanistan leisten wir nichts als professionelle Hilfe".