Die Trauerfeier für die vier in der nordafghanischen Provinz Baghlan getöteten deutschen Soldaten verzögerte sich indes. Weil der Flieger mit den Bundeswehrsoldaten wegen schlechten Wetters nicht vom Feldlager Kundus zum Isaf-Hauptquartier in Masar-i-Scharif starten konnte, wurde die Zeremonie kurzfristig auf Sonntagnachmittag verschoben. Ursprünglich war sie für 10 Uhr Ortszeit (7.30 Uhr MESZ) vorgesehen.
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Die vier Soldaten waren am Donnerstag bei schweren Kämpfen mit den radikalislamischen Taliban getötet worden. Fünf ihrer Kameraden wurden zum Teil schwer verletzt. Die Verwundeten waren bereits am Freitag nach Istanbul ausgeflogen worden, wo sie in einem US-Militärkrankenhaus behandelt werden. Ihr Weitertransport nach Deutschland wird bislang durch den gesperrten Luftraum verhindert.
Westerwelle will nicht von Krieg sprechen
Doch nicht nur zwischen Deutschland und den USA gibt es Unstimmigkeiten in Afghanistan-Fragen: In der schwarz-gelben Koalition ist man uneins, mit welcher Begrifflichkeit die Situation in Afghanistan zu bezeichnen ist. Im Gegensatz zu Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) will Außenminister Guido Westerwelle (FDP) im Zusammenhang mit dem Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan nicht von Krieg sprechen.
Er verstehe zwar jeden Soldaten, der die Zustände als Krieg empfinde, sagte der FDP-Vorsitzende der Bild am Sonntag. Gleichwohl sei die Lage als bewaffneter Konflikt präzise beschrieben. Krieg sei traditionell eine militärische Auseinandersetzung zwischen zwei oder mehr Staaten mit der Absicht der Eroberung oder Unterdrückung, sagte Westerwelle: "Das ist in Afghanistan erkennbar nicht der Fall. Wir sind auf Bitten der Vereinten Nationen, auf Wunsch der gewählten Regierung und der übergroßen Mehrheit der Afghanen dort."
Guttenberg hatte dagegen zuletzt mehrfach betont, dass die Kämpfe in Afghanistan Krieg genannt werden sollten. Es handele sich zwar um einen Bürgerkrieg mit internationaler Beteiligung, aber auch wenn es nicht jedem gefalle, könne man "umgangssprachlich von Krieg reden". Es dürfe nicht sein, dass man sich bei der Beschreibung des Afghanistan-Einsatzes in Worthülsen ergehe.
"Wir müssen so schnell wie möglich raus"
Mit Wortklauberei hält sich die Opposition dagegen gar nicht mehr auf: In der SPD wird der Ruf nach einem raschen Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan immer lauter. Nach Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering stellt jetzt auch Schleswig-Holsteins SPD-Landeschef Ralf Stegner die Forderung nach einem raschen Abzug der deutschen Truppen auf. "Wir müssen so schnell wie möglich raus", sagte er Spiegel Online und ergänzte: "Je früher, desto besser. Die militärische Logik geht nicht auf."
Es sei richtig gewesen, dass die SPD vor der Mandatsverlängerung im Februar auf einen Abzugszeitraum bis zum Jahr 2015 gedrängt habe, sagte Stegner. Er bezeichnete diesen Termin allerdings als "den spätestmöglichen Zeitpunkt".
Auch der Grünen-Fraktionschef im Bundestag, Jürgen Trittin, fordert von der Regierung "einen verbindlichen Plan" zum Abzug der Bundeswehr. "Die Bundesregierung muss endlich gegenüber der Öffentlichkeit die Risiken benennen. Das ist eine saugefährliche Strategie für die, die das am Boden umzusetzen haben." Forderungen nach einer besseren Ausrüstung der Bundeswehr in Afghanistan bezeichnete Trittin teils als "reine Symbolik".
Zudem drängte Trittin auf eine neutrale Experten-Kommission zur Überprüfung des Afghanistan-Einsatzes. "Wir brauchen eine Bewertung dieses Afghanistan-Einsatzes von unabhängiger Seite." Der Bundestag solle damit eine Kommission mit drei Fachleuten beauftragen.
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(sueddeutsche.de/dpa/apn//Reuters/jobr/mel)
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