Noch vor dem Besuch von Obamas Gesandten Holbrooke erreicht das Chaos in Afghanistan einen neuen Höhepunkt. Doch die Terror-Offensive kann gestoppt werden.
Wer in diesen Zeiten nach Kabul fährt, der weiß, was ihn erwartet: ein kalter Wind vom Hindukusch, eine Stadt in steter Furcht - und Bomben, immer wieder Bomben. Als sich Richard Holbrooke, Washingtons neuer Sondergesandter für Afghanistan und Pakistan, nun auf den Weg machte in sein neues Arbeitsgebiet, da hat er solche Unbilden bereits vorausgesehen: "Ein Chaos wie dieses", so verkündete der in Balkankriegen gestählte Vermittler, habe er noch nie gesehen.
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Afghanische Sicherheitskräfte rennen zum Justizministerium, wo kurz zuvor ein Anschlag verübt worden ist. (© Foto: AP)
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Noch bevor Holbrookes Flugzeug landete, hat dieses Chaos einen neuen Höhepunkt erreicht: In Kabul griffen die Taliban fast gleichzeitig drei Regierungsgebäude an, darunter das Justizministerium, und richteten ein Blutbad an. Das ist ein Willkommensgruß der brutalsten Art; er passt zu diesem Krieg, in dem es keinerlei Rücksichten mehr gibt.
Und dieser Krieg tobt längst nicht mehr nur in den paschtunischen Taliban-Hochburgen im Süden und Osten des Landes. Nein, mitten in der Hauptstadt zünden die Extremisten pünktlich zum Holbrooke-Besuch ihre Botschaft: Eure Staatsmacht ist hilflos gegen die Macht unserer Zerstörung.
Obwohl der Westen und die afghanische Regierung nun schon seit 2001 in diesem Kampf stehen, ist ein abgestimmtes Konzept nicht zu erkennen. Vielmehr haben sich die Ansätze und die Interessen im Lauf der Jahre dramatisch auseinanderentwickelt.
Washington setzt auf Stärke, führt seine Militärmacht gegen die Taliban ins Feld und will nun unter Präsident Barack Obama noch einmal bis zu 30.000 Soldaten zusätzlich nach Afghanistan schicken. Präsident Hamid Karsai in Kabul dagegen macht Verhandlungsangebote und will zumindest Teile der Taliban einbinden. Eine alte Freundschaft ist darüber zerbrochen. Die US-Regierung schimpft auf Karsai; und Karsai verdammt die US-Militärstrategie, die immer wieder zivile Opfer fordert.
Holbrookes Aufgabe in diesem Chaos wird es sein, die beiden Strategien miteinander zu versöhnen. Und so schwierig dies auch erscheint, es könnte durchaus gelingen. Denn es ist einerseits klar, dass dieser Krieg nicht allein militärisch zu gewinnen ist. Andererseits aber werden noch mehr Truppen gebraucht, um den Vormarsch der Taliban zu stoppen.
Dabei trägt die Verstärkung am Boden auch dazu bei, zivile Opfer zu vermeiden, die beim Krieg aus der Luft fast unausweichlich sind. Aus einer Position der Stärke heraus könnten die afghanische Regierung und der Westen dann gemeinsam den Taliban Verhandlungsangebote machen, die nicht als erster Schritt hin zu einer Kapitulation verstanden werden müssen.
Noch ist Afghanistan nicht verloren für das Stabilisierungsprojekt. Die Afghanen wollen nur keine Demokratie, für die sie täglich in Angst vor dem Bombenterror leben müssen. Wer ihnen endlich Ruhe und Sicherheit verspricht, auf dessen Seite schlagen sie sich - und wenn es die Taliban sind, die wieder einmal eine Friedhofsruhe in Aussicht stellen.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 12.02.2009)
Youtube-Hit aus USA
"Denn dann wäre Ihnen auffallen, dass die Verbündeten der USA verhindern, dass in der Region Gleichberechtigung für Frauen, beste Bildung für alle, eine gute Gesundheitsversorgung und auch Demokratie eingeführt werden."
gelesen habe.
Wer soll denn das einführen?
Die Russen? Nach Ihrer und des Feldwebels Meinung hätten die ja als Besatzer eh keine Chance gehabt, auch ohne dass die USA mit gewirkt hätten.
Die Taliban? Die Stammesältesten? So wie im Iran? oder in Saudiarabien?
@Feldwebel:
Die hätten sich ihre mittelalterlichen Gepflogenheiten bis ultimo bewahren können, aber wie Sie vielleicht vergessen haben, waren die edlen Wilden der Meinung, auch den Westen mit den Segnungen des Islam beglücken zu müssen, vorrangig mit Terror.
Das war der Grund des heutigen Dilemmas und das ist der Grund, weshalb ich hoffe, dass der Westen letztlich seine Ziele erreicht.
Denn dann wäre Ihnen auffallen, dass die Verbündeten der USA verhindern, dass in der Region Gleichberechtigung für Frauen, beste Bildung für alle, eine gute Gesundheitsversorgung und auch Demokratie eingeführt werden. Welcher Warlord oder Gebietsherr in Afghanistan läßt sich denn von demokratischen Mehrheiten bei seinen Entscheidungen beeinflussen? Übrigens, der engste afghanische Verbündete der USA in Afghanistan, der Massenmörder General Dostum, wurde erst vor kurzer Zeit vom Volk aus dem Land gejagt. Na ja, er wird schon ein schönes Platzerl finden.
aber leider Thema verfehlt.
Es ging um die Taliban und deren Freunde.
Zu Ihrem Beitrag:
In Afghanistan waren die Russen offenbar fortschrittsfördernd, warum dann in Tschetschenien nicht?
Würden sich die USA und der Westen endlich miitärisch durchsetzen, würden diese nicht auch versuchen, das Land aus dem Taliban - Mittelalter heraus zu führen?
man bastelt sich halt die Dinge immer so, dass sie ins (sozialromantische oder linke) Weltbild passen
Sie dürften ein echter Scherzkeks sein. Wo haben denn die USA in dieser Region für Gleichberechtigung der Frauen, gesellschaftichen Aufstieg für alle durch Zugang zu bester Bildung, für eine funktionierende Verwaltung und eine gute Gesundheitsversorgung für alle gesorgt?
Also, eine Gleichberechtigung für Frauen, Zugang zu Bildung für alle (auch für Frauen), eine funktionierende Verwaltung und eine möglichst gute Gesundheitsversorgung wollte das kommunistische Regime einzuführen. Übrigens wurde damals auch die größte gebildte Schicht in der Geschichte Afghanistans geschaffen. Weder vorher, noch nachher, noch jetzt unter der US-Besatzung wird eine vergleichbar große gebildte Bevölkerungsschicht geschaffen. Nur größte Rauschgiftberge, die der ganzen Welt auf den Kopf fallen.
Die von den USA unterstützten Warlords und Drogenbarone haben nach dem Abzug der Sowjettruppen alles wieder abgeschafft. Wobei die USA auch die Taliban unterstützten. Übrigens wurde ja auch Khomeini von den USA mit kriegswichtigen Gütern beliefert. Und was der jahrzehntelange US-Verbündete Saudi-Arabien in Bezug auf Gleichberechtigung für Frauen, Zugang zu höchster Bildung für alle (auch für Frauen) und für eine Demokratie gemacht hat, müssen Sie auch noch erklären.
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