Afghanistan Geheimdienste sollen vor Anschlag auf deutsche Botschaft in Kabul gewarnt haben

Das Gebäude der deutschen Botschaft in Kabul ist durch den Anschlag zerstört, bei dem mindestens 150 Menschen starben.

(Foto: dpa)
  • Deutsche Geheimdienste sollen schon Monate vor dem Angriff auf die deutsche Botschaft in Kabul von Anschlagsplänen gewusst haben, berichtet rbb-Inforadio.
  • Bei der Explosion eines Tanklastwagens am 31. Mai waren mindestens 150 Menschen getötet und 450 verletzt worden.

Die deutschen Nachrichtendienste hatten offenbar schon Monate vor dem verheerenden Bombenanschlag auf die deutsche Botschaft in der afghanischen Hauptstadt Kabul konkrete Hinweise auf die geplante Tat. Entsprechende Warnungen hätten die deutschen Nachrichtendienste weitergeleitet, berichtete rbb-Inforadio unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Bereits am 18. Januar, also gut fünf Monate vor dem Anschlag, habe der deutsche Militärgeheimdienst (MAD) demnach einen Hinweis auf den Anschlagsplan erhalten. Schon zu diesem Zeitpunkt sei die Rede davon gewesen, dass ein Anschlag mit einem Tanklastwagen zur Abwasserentsorgung geplant sei.

In den darauffolgenden Wochen habe es insgesamt drei weitere Warnhinweise gegeben, zwei davon von ausländischen Nachrichtendiensten. Der BND habe schließlich sechs Tage vor dem Anschlag, am 25. Mai, erneut vor einem geplanten Anschlag auf die Botschaft gewarnt, schreibt der RBB.

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Aufgrund der Hinweise auf einen bevorstehenden Anschlag habe die Bundespolizei, die für die Sicherheit der Botschaftsmitarbeiter zuständig ist, empfohlen, die Sicherheitsvorkehrungen zuerhöhen. Deshalb sei das Gebäude auf der Zufahrtsseite der Botschaft geräumt worden, das im Falle eines Anschlags als besondersgefährdet galt.

Angeblich 10 000 Kilogramm Sprengstoff

Am 31. Mai hatte der Fahrer eines Tanklastwagens versucht, auf das Botschaftsgelände zu gelangen. Der afghanische Wachdienst verweigerte ihm jedoch die Weiterfahrt auf das Gelände, da in der Botschaft keine Bestellung vorlag. Daraufhin zündete Fahrer den Sprengsatz im Tank des Lkw.

Die Explosion hatte eine enorme Wucht. Nach rbb-Informationen wurden bei dem Anschlag nicht 1000 Kilogramm Sprengstoff verwendet, wie bisher bekannt, sondern 10 000 Kilogramm. Bei der Detonation wurden mindestens 150 Menschen getötet und 450 Menschen verletzt. Das Botschaftspersonal blieb unverletzt. Das Gebäude wurde so stark zerstört, dass es unbenutzbar ist.

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