Der Chef des Bundeswehrverbands Gertz sieht keine Alternative zum Einsatz eines deutschen Kampfverbands in Nordafghanistan. Für die Opposition ist dies nicht vom Bundestagsmandat gedeckt: Sie fordert Nachbesserungen.

Der Chef des Bundeswehrverbands, Bernhard Gertz, sieht keine Alternative zum Einsatz eines deutschen Kampfverbands im Norden Afghanistans. "Es bleibt uns gar nichts anderes übrig. Wir haben die Verantwortung für Nordafghanistan, und keiner der Partner hat sich beworben", sagte Gertz der Passauer Neuen Presse. Zu sueddeutsche.de sagte Gertz, man "soll sich keiner Illusion hingeben".

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"Unverzichtbarer" Einsatz: Der Chef des Bundeswehrverbands Bernhard Gertz. (© Foto: AP)

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Die Entsendung der Soldaten sei ein Kampfauftrag. Der geplante Einsatz sei "unverzichtbar", betonte Gertz in der Passauer Neuen Presse. Die Aufgaben der Eingreiftruppe umschrieb Gertz mit der Formulierung "das Feuer löschen, wenn es brennt".

Der FDP-Verteidigungsexperte Rainer Stinner übte scharfe Kritik an der Bundesregierung. Ihr Versuch, die Brisanz des Einsatzes zu relativieren, sei eine "Täuschung der Öffentlichkeit", sagte er dem Blatt.

Die Bundesregierung versuche den Eindruck zu erwecken, als habe die Nato-Schutztruppe Isaf bisher mit Kampfhandlungen nichts zu tun gehabt. "Aber das stimmt einfach nicht", sagte Stinner.

Der verteidigungspolitische Sprecher der Grünen, Winfried Nachtwei, sagte am Donnerstag im RBB-Inforadio, wenn der Einsatz eines Bundeswehr-Kampfverbandes in Afghanistan vom Mandat des Bundestages gedeckt sein solle, müsse er bestimmte Bedingungen erfüllen. So dürfe der Verband nicht für offensive Militäroperationen eingesetzt werden. Außerdem müsse garantiert werden, dass er ausschließlich im Norden Afghanistans zum Einsatz komme.

Reservekarft für "knifflige Situationen"

Da muss die Bundesregierung auch noch deutlicher werden", forderte Nachtwei. Nach Einschätzung des Grünen-Politikers würden die 250 Soldaten eines Bundeswehr-Kampfverband überwiegend als Reserve-Kräfte für "knifflige Situationen" eingesetzt. So könnten sie gemeinsam mit afghanischen Truppen unter anderem die Sicherung von Konvois und Evakuierungen in Notsituationen übernehmen.

Die Nato berate darüber, welches Land nach Norwegen die Schnelle Eingreiftruppe Quick Reaction Force stellen solle, sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums bereits am Mittwoch.

Der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Klaus Naumann, forderte, das Mandat für den deutschen Einsatz auf das umkämpften Süd-Afghanistan auszuweiten. Bei der Nato schlugen Äußerungen von US-Verteidigungsminister Robert Gates hohe Wellen, nach denen die Nato-Truppen im Süden unzureichend für den Kampf gegen Rebellen gerüstet sind.

Entscheidung fällt Ende Januar

Die Entscheidung der Nato über den Ersatz für die Norweger werde gegen Ende Januar fallen, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Thomas Raabe, sagte: "Es gibt noch keine Entscheidung, der Prozess läuft noch."

Es gehe um 240 Soldaten für den Begleitschutz von Konvois oder Hilfe für befreundete Nationen und Personen. Einsätze außerhalb der afghanischen Nordregion, in der Deutschland die Führungskraft ist, seien schon jetzt möglich, wenn sie zeitlich begrenzt und unabdingbar seien. Er betonte, wenn ein solcher Einsatz erfolge, werde dies im Rahmen des ISAF-Mandats geschehen.

SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold hatte der Passauer Neuen Presse gesagt: "Diese Aufgabe wird im Sommer auf Deutschland zukommen." Er sprach von einer "neuen Qualität" des Einsatzes. Bislang seien im nordafghanischen Masar-i-Scharif nur "Stabilisierungstruppen", aber keine "Kampfverbände" stationiert. Letztere unterschieden sich durch Ausrüstung, Ausbildung und Auftrag und könnten "auch zur Jagd von Terroristen" eingesetzt werden.

Naumann kritisierte den deutschen Afghanistan-Einsatz scharf und forderte den Einsatz der Bundeswehrsoldaten auch im Süden Afghanistans. "Die Pflicht endet nicht in bestimmten Regionen", sagte der 68-Jährige bei einem Vortrag zur Zukunft der Nato in Brüssel. Bei dem Nato-geführten Einsatz der internationalen Afghanistan-Schutztruppe ISAF gehe es um das "Teilen von Risiken, Lasten und Gefahren".

Kritik aus den USA

US-Verteidigungsminister Gates hatte im Gespräch mit der Los Angeles Times kritisiert, die Truppen der Allianz seien für den Kampf gegen die radikalislamischen Taliban nur schlecht gerüstet. "Die meisten der europäischen Streitkräfte, Nato-Streitkräfte, sind nicht für die Aufstandsbekämpfung trainiert", sagte er der Zeitung. Im Süden Afghanistans sind vor allem britische, kanadische und niederländische Soldaten stationiert.

Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer verteidigte den Einsatz gegen die Kritik aus Washington. Er habe den "höchsten Respekt" vor dem Engagement der Bündnispartner in Süd-Afghanistan, betonte der Niederländer. Die niederländische Regierung bestellte den US-Botschafter ein und verlangte eine Erklärung für Gates' Äußerungen.

US-Außenamtssprecher Sean McCormack sagte, Gates habe sich mit seiner Aussage nicht gegen ein bestimmtes Land gewandt, sondern die ganze Allianz gemeint, "und das schließt auch uns ein".

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(AFP/grc/mako)