Die USA wollen ihre Truppen am Hindukusch massiv aufstocken, um den Kampf gegen die Taliban doch noch zu gewinnen. Aber auch die Europäer sollen ihren Einsatz verstärken, fordert die Nato.

Nach der angekündigten Aufstockung der US-Truppen in Afghanistan fordert die Nato auch von anderen Mitgliedsstaaten mehr Soldaten für den Einsatz am Hindukusch. Das Militärbündnis wolle sicherstellen, dass nach einer Verstärkung der US-Truppen ein angemessener Ausgleich zwischen den Leistungen der USA und dem der übrigen Alliierten bestehe, sagte ein Nato-Sprecher am Sonntag.

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Sie sind schon da: Französische Soldaten in der Militäbasis Tora in Afghanistan. (© Foto: AFP)

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Dem Sprecher zufolge würde Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer gern eine weitere Truppenaufstockung sehen, insbesondere von Seiten der europäischen Bündnispartner. Damit solle die gleichmäßige Verteilung der politischen wie militärischen Lasten des Einsatzes gewährleistet werden.

Die USA hatten zuvor angekündigt, bis zu 30.000 zusätzliche Soldaten nach Afghanistan zu schicken. Das wäre eine Verdopplung ihrer Präsenz. Derzeit haben die USA in dem Land 31.000 Soldaten stationiert, die in Teilen unter Nato-Kommando stehen. Zur Nato-Truppe gehören 51.000 Soldaten, darunter auch etwa 3500 von der Bundeswehr.

Bislang hatten die USA zusätzliche 20.000 Soldaten in Aussicht gestellt, sollte der künftige US-Präsident Barack Obama den Plänen zustimmen. "Es besteht Einigkeit über den Bedarf. Es ist also keine Frage ob, sondern wann", sagte US-Generalstabschef Michael Mullen am Wochenende in Kabul. "Wir versuchen, die Soldaten schon im Frühjahr nach Afghanistan zu bringen", so Mullen.

Der Generalstabschef warnte vor der Erwartung, dass die zusätzlichen Truppen sofort Frieden und Stabilität brächten. Es müsse zugleich Fortschritte bei der Entwicklung und der Regierungstätigkeit in Kabul geben, sonst werde die Truppenverstärkung keine Ergebnisse zeigen.

Der Nato-Oberkommandierende in Afghanistan, US-General David McKiernan, hatte zusätzliche Soldaten angefordert, um vor allem im Süden und Osten des Landes gegen die wiedererstarkten Taliban besser vorzugehen zu können.

Obama hatte bereits angekündigt, Afghanistan mehr Aufmerksamkeit widmen und Truppen aus dem Irak dorthin verlegen zu wollen. Bereits im Januar sollen 3000 US-Soldaten ihre Marschbefehle erhalten.

Die Gewalt in Afghanistan ist in diesem Jahr auf das höchste Niveau seit dem Sturz der Taliban 2001 gestiegen. Britische, kanadische und niederländische Truppen haben im Süden des Landes heftige Verluste zu beklagen. Sie sollen durch die US-Soldaten unterstützt werden.

Warnung von den Taliban

Ein Sprecher des afghanischen Außenministeriums begrüßte die geplante Aufstockung. Kabul fordere jedoch, die Truppen besonders in der südlichen Provinz Helmand einzusetzen und an der östlichen Grenze zu Pakistan, von "wo die Terroristen in unser Land einsickern", sagte er mit Blick auf die Taliban. Außerdem sollten die US-Soldaten verstärkt dafür sorgen, dass die afghanischen Sicherheitskräfte weiter ausgebildet würden.

Ein Sprecher der radikalislamischen Taliban sagte der Nachrichtenagentur AFP, den US-Streitkräften werde es genauso wie den sowjetischen Soldaten während der Besatzung in den achtziger Jahren gehen. Diese hätten immer mehr Truppen geschickt und seien dann trotzdem gescheitert und schließlich abgezogen. "Mehr US-Truppen bedeutet auch, dass es mehr Ziele für die Taliban gibt", sagte der Sprecher.

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(Reuters/AFP/che/gal)