Generalinspekteur Schneiderhan und Staatssekretär Wichert galten als Strippenzieher im Verteidigungsministerium. Beide waren mächtig - aber auch extrem uneins.
Der Generalinspekteur der Bundeswehr hatte am Fenster seines Büros ein Transparentbild mit einem Engelsmotiv von Marc Chagall hängen, dessen blaue Farben bei Sonnenlicht besonders kräftig leuchteten. Vielleicht war es die Friedlichkeit in diesem Bild, die sich Wolfgang Schneiderhan in seiner siebenjährigen Amtszeit als Generalinspekteur häufig wünschte, die er aber an seinem Arbeitsplatz nur selten verspürte. Das ist nicht zuletzt auch seine eigene Schuld.
Die über die Jahre angehäufte Machtfülle ließ Schneiderhan und Wichert (re.) nicht selten kollidieren. (© Foto: afp/ddp)
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Schneiderhan und der ebenfalls aus dem Amt geschiedene Staatssekretär Peter Wichert waren die beiden am längsten dienenden Spitzenbeamten im Verteidigungsministerium. Schneiderhan wurde im Juli 2002 von Minister Rudolf Scharping ernannt, Wichert war neun Jahre (von 1991 bis 2000) Staatssekretär und wurde von Franz Josef Jung im Dezember 2005 erneut ins Amt geholt.
Angehäufte Machtfülle
Allein diese Tatsache muss stutzig machen. Die über die Jahre angehäufte Machtfülle ließ Wichert und Schneiderhan nicht selten kollidieren und führte zu einem Zustand, in dem sich selbst enge Beobachter fragten, unter welchem der beiden Beamten der Minister denn nun gedient habe.
Zu Beginn der Rivalität stand der berüchtigte Berliner Erlass vom 21. Januar 2005, in dem Minister Peter Struck dem Generalinspekteur mehr Macht bei der Aufstellung der Einsatzkontingente und der Führung der Truppe zuteilte. Außerdem wurde in dem Erlass verfügt, dass die Staatssekretäre den Minister als Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt vertreten, dessen Aufgabengebiete leiten und entscheiden.
Zwar stärkte Jung im Jahr 2007 Schneiderhan erneut, indem er den Einsatzführungsstab ins Leben rief - eine Parallelorganisation zu dem bereits Schneiderhan zugeordneten Führungsstab Streitkräfte (FüS). Im Einsatzführungsstab findet sich aber auch ein starker ziviler Strang, über den Staatssekretär Wichert mit den Mitteln des Haushaltsrechts und der Hausjuristen Einfluss nahm. Die Zwietracht war also gesät, zumal der Organisationserlass des Verteidigungsministeriums vorsieht, dass der Generalinspekteur seine Vorlagen an den Minister über das Büro des Staatssekretärs laufen lassen muss - und weil Wichert sein Vertretungsrecht für den Minister weit interpretierte.
Wichert - der heimliche Minister
Wichert wird von Beobachtern als der heimliche Minister beschrieben. Arbeitswütig und detailversessen hielt er dem Minister den Schreibtisch frei. Anders als Schneiderhan agierte er lieber im Stillen.
Schneiderhan hingegen war auch ein Mann des Parlaments und der Medien, der seine Unabhängigkeit in der Öffentlichkeit abzusichern wusste. "Alles, was wir jetzt sehen, hat mit den Strukturen der Ära Jung zu tun", sagt ein exponierter Beobachter aus dem Ministerium.
Übersetzung: Die Machtfülle und der Gestaltungswille der beiden Spitzenbeamten lassen es als wahrscheinlich erscheinen, dass sie ihren Minister nicht in allen Details glaubten unterrichten zu müssen. Auch das wäre ein Urteil - über die Führungskraft des Ministers Jung. Mit dem neuerlichen Machtzuwachs 2007 begann sich die militärische Spitze in der Bundeswehr von Schneiderhan abzuwenden.
Der Generalinspekteur hatte zu offen damit gedroht, die Teilstreitkräfte in ihrer Kompetenz zu beschneiden und ihren Einfluss im Ministerium ganz zurückzudrängen. Eigentlich wollte Schneiderhan einen Generalstab nach amerikanischem Muster etablieren, ohne dass er dieses Wort je gebrauchte. Damit macht man sich aber keine Freunde unter den Kameraden.
Schneiderhan wurde außerdem dafür kritisiert, dass er sich nur mit Getreuen umgebe und jeder Konfrontation geschickt ausweiche. So war es erstaunlich, dass bei jeder brenzligen Situation in der Truppe oder während eines Einsatzes immer gleich der Minister vor der Kamera stand, der Generalinspekteur aber durch Abwesenheit glänzte. Der Minister wirkte überfordert, während der Generalinspekteur als ruhender Pol im Hintergrund wirkte.
Wichert fand bei Schneiderhan keine Unterstützung
Im Hintergrund agierte aber auch Wichert, der auf den Ausbau des Einsatzführungsstabs drängte, dabei aber keine Unterstützung von Schneiderhan fand. Offenbar erhoffte sich Wichert damit einen besseren Zugriff auf die Gestaltung der Sicherheitspolitik und der Vorbereitung der Einsatzmandate, die Schneiderhan im FüS ausarbeiten ließ.
Das Grundgesetz verlangt nach einer Trennung von ziviler und militärischer Wehrverwaltung. Im Einsatzführungsstab wurde sie faktisch aufgehoben, auch wenn das Personal getrennten Hierarchien zugeordnet ist. Oben aber, direkt unter dem Minister, saß der Staatssekretär.
Warum er und auch der Generalinspekteur den Minister über den Feldjägerbericht nicht informiert haben, werden sie nun erklären müssen.
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(SZ vom 27.11.2009/dmo)
Russland unter Putin
Manchmal erweckt diese "Hauptstadt" schon fast Erinnerungen an die heiteren und lustigen Tage, als sich die Eliten und Exzellenzen der Grande Nation in Versaille versammelten und mit der damaligen Mischung aus Größenwahn, Hinterhältigkeit, Intrigantentum und dem feudalistischen Göttergehabe schalteten und walteten.
Diese Form geistig-ethisch-emphatischer Degeneration resp. Behinderung scheint sich heute in Berlin qua mentaler Virusinfektion zu verbreiten. Der beschlossene Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses zeugt vom Revival des militärisch-feudalistischen Wilhelminismus und der Bendlerblock scheint das dazu passende Omen aus der Nazizeit, in der ja diese Allmachtsfantasien die damaligen Machthaber auch umgetrieben haben.
Wir sollten beginnen, uns mit diesem Gemenge, dass sich uns da in Berlin als "Elite" und "Führungskräfte" andienen genauestens zu beschäftigen. Nicht das uns erneut so eine "unvorstellbare" Überraschung ins Haus steht, wie wir das als Geselslchaft ja schon des öftern in der Vergangenheit mit unseren "Eliten" erlebt haben.
Dass ein gewisser Roland Koch sich heute aufmacht, um sich seinen Privatsender in Form eines willfährig gemachten ZDF andeutet, sollte uns nicht nur nachdenlich machen, sondern auf die Straße oder gar auf die Barrikaden gehen lassen. Ich werde ein geharnischtes Protestschreiben an den ZDF-Verwaltungsrat senden.
Jung muss informiert gewesen sein, die Minister erhalten über deren Persönliche Referenten immer sofort entsprechende Berichte - und die ....... gehen dann auch sofort ans Bundeskanzleramt, wenn sie brisant sind, d.h., Merkel war auch informiert!
Wie ein Forist bereits schrieb: es war Wahlkampf, die Deutschen sind gegen den Afghanistan-Einsatz - zurecht -, also haben die versucht, alles unter den Tisch zu kehren, aber derlei Vorgehensweisen kommen doch irgendwann raus. Für mich sieht es so aus, als ob diese "Regierung" tatsächlich der Meinung ist, dass bedenkliche Unregelmäßigkeiten nicht ans Tageslicht kommen und vertuscht werden können.
Bisher ist immer alles rausgekommen, man denke nur an Strauß, Kohl, die Guillaume-Geschichte, über die dann - leider - Willy Brandt stolperte, Schäuble, Möllemann usw., usw., usw.! Abgesehen von Willy Brandt kamen zumindest die anderen Genannten nicht zu Schaden, Schäuble ist heute sogar Finanzminister. Und wie ich diese ganze Ansammlung von Vortäuschern einschätze, wird Jung Arbeitsminister bleiben, bis offensichtlich wird, dass dies z.B. auf die Wahlen in NRW negative Auswirkungen für die CDU haben könnte.
Hier geht es nicht um Gerechtigkeit, Anstand und Konsequenzen, sondern darum, wie alle mal wieder unbeschadet aus diesen schlimmen Geschehnissen rauskommen und ihre Haut retten können. Und es geht natürlich auch um die Kohle: dem "armen" Jung stünden nicht die vollen Rentenbezüge zu, würde er von seinem Amt entlassen, verdammich!
dass man dem Artikel entnehmen kann, dass der Höfling Jung sein Ministerium von anderen bestellen ließ.
Bem Lesen der Überschrift hatte ich allerdings vermutet, es würde etwas Licht in seine Vergangenheit gebracht, in Zeiten, als er noch Koch und Kohl diente, bzw. wem noch.
Nichtsdestotrotz dürfte ihn die Unkenntnis der Wahrheit nicht sonderlich entlasten, denn die Regel wäre schon, dass ein Minister weiß, was in seinem Ministerium passiert; vor allem, wenn er sich vollmundig und öffentlichkeitswirksam - noch dazu in Wahlkampfzeiten - vor dem Bundestag äußert.
Aber der Bevölkerung sollte die Wahrheit verschwiegen werden!
1. Es war Wahlkampf
2. Die Merhheit der Bevölkerung ist bekanntlich gegen diesen "Angriffskrieg"!
3. Die Kanzlerin spielt auch in diesem Fall ein falsches Spiel
4. Wenn Bilder sprechen könnten: Gestern hat sie den Eindruck gemacht, dass sie Jung bereits fallen gelassen hat! Das ist mir persönlich völlig egal! Aber wer hat denn auch auf den Kriegseinsatz da unten gepocht: Die Kanzlerin, und wenn es nach der gegangen wäre, wäre unsere Truppe schon lange im Irak!
5. Gott sei Dank ist Georgien noch nicht in der NATO - sonst hätten wir durch den Kriegstreiber und Vasallen der USA - Saakaschwili - inzwischen den Bündnisfall und Krieg gegen Rußland
6. Nena: 99 Luftballons!!!!
Wen eigentlich interessiert es, wenn sich zwei der obersten Kriegsspieler gegenseitig bekämpfen? Solange sie Ihre Spiele nicht auf andere Länder ausdehnen ist das doch okay. Der tatsächliche Skandal ist doch nicht das Verschweigen von Tatsachen, die jedem denkenden Menschen sowieso klar sein müssen: In Kriegen sind immer die Zivilisten die Leidtragenden. Daher ist das Kriegführen das Verbrechen, nicht das Verschweigen von Selbstverständlichkeiten.
Paging