Von Birgit Kruse

Die Bundeswehr will einen Kampfverband nach Afghanistan schicken. Für Oberst Bernhard Gertz steht damit fest: Für die Deutschen erreicht der Einsatz damit eine neue Dimension.

Die Bundeswehr bereitet sich auf die Entsendung eines Kampfverbandes nach Nordafghanistan vor. Bereits im September sollen laut Oberst Bernhard Gertz, Bundesvorsitzender des Deutschen Bundeswehrverbands, 250 Soldaten in die Krisenregion am Hindukusch entsendet werden. Damit bestätigt Gertz einen entsprechenden Zeitungsbericht.

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Bernhard Gertz: Die Entsendung deutscher Soldaten ist ein Kampfauftrag. "Darüber soll man sich keiner Illusion hingeben" (© Foto: ap)

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Die deutschen Soldaten werden ihre norwegischen Kameraden ablösen, die derzeit im Norden die 350 Mann starke Schnelle Eingreiftruppe stellen. Der Einsatz der Deutschen werde nötig, so Gertz, weil die Norweger bis September ihre Truppen aus dem Norden abziehen und in den wesentlich gefährlicheren Süden verlagern.

Da die Deutschen das Oberkommando über den Norden des Landes haben, sei es nun auch an ihnen, die Schnelle Eingreiftruppe zu stellen.

Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, spricht zwar in der Passauer Neuen Presse von einer "neuen Qualität" des Afghanistan-Einsatzes. Gleichzeitig merkt er gegenüber sueddeutsche.de jedoch an, dass es schon immer Schnelle Eingreiftruppen in Nordafghanistan gegeben habe. Der einzige Unterschied sei, dass bislang der Kampfverband von Norwegen und nicht von Deutschland gestellt wurde. Denn: Ohne diese Einheit "könnten die Deutschen im Norden nicht operieren".

Gertz formuliert die kommenden Aufgaben der Soldaten in Afghanistan hingegen drastischer: Er findet, dass der Einsatz der Deutschen am Hindukusch eine neue Dimension erreicht hat. "Die Bundeswehr als bewaffnetes THW endet an dieser Stelle."

Zwar werde der Einsatz eines Kampfverbandes durch das Isaf-Mandat des Bundestages abgedeckt. "Es bedarf formal keines neuen Mandats", so Gertz. Und auf der Internetseite der Bundeswehr heißt es: "Die Isaf ist autorisiert, alle erforderlichen Maßnahmen einschließlich der Anwendung militärischer Gewalt zu ergreifen, um den Auftrag gemäß Resolution des Sicherheitsrates durchzusetzen."

Dennoch müsse jedem klar sein, so Gertz, dass die Entsendung dieser Soldaten ein Kampfauftrag ist. "Darüber soll man sich keiner Illusion hingeben", sagt er.

Die Kampfverbände unterscheiden sich durch Ausrüstung, Ausbildung und Auftrag von den anderen deutschen Soldaten in Afghanistan. Die Soldaten, die meist von Panzer- oder Fallschirmjägerbataillonen stammen, verfügen "nicht nur über Maschinengewehre", so Gertz. Zu ihrer Ausrüstung gehören laut General Gertz mindestens Schützenpanzer und Mörser.

Derzeit ist die Bundeswehr mit rund 3000 Soldaten in Afghanistan vertreten. Die Soldaten sind vor allem im relativ ruhigen Norden des Landes stationiert. In Südafghanistan sind vor allem US-amerikanische Soldaten, Briten, Kanadier und Niederländer stationiert.

Aufgabe des Kampfverbandes ist es, Soldaten in Notsituationen zur Hilfe zu kommen, sie beispielweise aus einer Gefangenschaft zu befreien oder sie in Gefechten zu unterstützen, so Gertz. "Es ist nicht Sinn der Sache, mal schnell zu kämpfen." Dennoch könne nicht ausgeschlossen werden, bei konkreten Hinweisen auch gezielt gegen Taliban-Kämpfer vorzugehen. Ein solcher Einsatz sei aber immer "anlassbezogen", relativert Gertz.

Obwohl die Planungen für den Einsatz laut Bundesverteidigungsministerium noch nicht abgeschlossen sind, eines kann Gertz derzeit schon mit Sicherheit sagen: Die personelle Obergrenze von 3500 Soldaten werde durch den neuen Einsatz deutscher Soldaten nicht überschritten werden, da man zeitgleich eine deutsche Kompanie aus Kabul abziehen werde.

Auch wenn die Soldaten, die ab September in Nordafghanistan eingesetzt werden sollen, nur im Notfall von ihren schweren Waffen Gebrauch machen dürfen: Gertz geht davon aus, dass der Einsatz der Schnellen Eingreiftruppe im Parlament durchaus noch ein Streitthema werden könnte - spätestens dann, wenn es im Herbst um die erneute Verlängerung des Afghanistan-Mandats geht. "Das wird nicht jedem gefallen", sagt er. Aber: Wer seine Soldaten in einen solchen Einsatz schicke, müsse auch für ihren Schutz sorgen.

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(sueddeutsche.de/gba)