Afghanistan-Einsatz Berlin soll mehr für Afghanistan zahlen

Washington fordert von der Bundesregierung mehr Geld für den Aufbau von Polizei und Armee. Die Taliban töten unterdessen 14 US-Soldaten.

Von Ch. Wernicke

Hochrangige Vertreter der US-Administration erwarten, dass die neue deutsche Regierung ihr Engagement in Afghanistan verstärkt. Allerdings hat das US-Verteidigungsministerium offenbar die Hoffnung aufgegeben, Berlin werde mehr Soldaten entsenden.

US-Soldaten feuern ein Geschütz in Afghanistan ab.

(Foto: Foto: Reuters)

Das Pentagon hofft aber, dass Deutschland mehr Ausbilder für die afghanische Polizei entsendet und die Finanzhilfen aufstockt, um Kabuls Armee zu finanzieren. Ebenso könne mehr deutsche Entwicklungshilfe einen Beitrag zur Stabilisierung von Pakistan leisten, heißt es.

Auf jüngste Spekulationen, Berlin erwäge eine Aufstockung des Bundeswehr-Kontingents von 4.500 auf maximal 7.000 Soldaten, reagierte Washington zurückhaltend. "Wir glauben nicht an Wunder," sagte ein hochrangiger Europaexperte im US-Außenministerium, "wir wissen, wie skeptisch das deutsche Volk über den Militäreinsatz denkt."

Derzeit sind in Afghanistan gut 100.000 ausländische Soldaten im Einsatz, darunter 64.000 Amerikaner. Washington will bis Ende November weitere 4.000 Mann entsenden, vor allem Ausbilder. Oberkommandeur Stanley McChrystal hat zudem eine deutliche Truppenverstärkung verlangt. Aber US-Präsident Barack Obama muss erst einmal über die weitere Kriegsstrategie entscheiden.

Ein Berater von McChrystal, der konservative Militärhistoriker Fred Kagan, kalkulierte die Zahl der zusätzlich benötigten Soldaten bereits auf 40.000 bis 45.000. Das Pentagon schätzt jedoch, Europa verfüge höchstens über 5.000 bis 7.000 einsatzfähige Soldaten. "Wir könnten froh sein, wenn die Europäer ihre bisherigen Truppenstärken halten," sagt Kurt Volker, ehemaliger US-Botschafter bei der Nato und nun Direktor des Transatlantic Center an der Johns-Hopkins-University. Die USA müssten eine Aufstockung in Afghanistan also größtenteils selbst tragen.

Das stößt im US-Kongress auf Widerstand. Der demokratische Senator Carl Levin, Vorsitzender des Streitkräfteausschusses, will die Afghanen stärker in die Pflicht nehmen. Bis 2012 soll Kabuls Armee 250.000 Soldaten haben, das ist fast eine Verdoppelung des bisherigen Aufbauziels. Und statt 96.000 Polizisten will Levin bis dann 160.000 Afghanen zu Polizisten umschulen. Diese Aufrüstung wird Milliarden verschlingen. Derzeit stellt die internationale Gemeinschaft für diesen Zweck zwei Milliarden Dollar bereit. Diese Summe, so schätzen US-Militärplaner, könne sich bald verfünffachen. Die USA wünschen da auch einen Beitrag aus Berlin.

Bei heftigen Kämpfen in Ostafghanistan sowie Anschlägen wurden am Wochenende 14 US-Soldaten getötet. Taliban-Kämpfer überfielen zwei Stützpunkte in der Provinz Nuristan, nahe der Grenze zu Pakistan. Daraufhin kam es zu mehrstündigen Gefechten, wie die US-Streitkräfte mitteilten.