Von Nico Fried und Laura Weißmüller

Nach 85 Tagen in der Hand seiner Entführer ist der Bauingenieur Rudolf Blechschmidt sicher in der deutschen Botschaft in Kabul angekommen. Der 62-Jährige wurde von Mitarbeitern des afghanischen Geheimdienstes gegen vier Afghanen ausgetauscht.

Der in Afghanistan entführte deutsche Bauingenieur Rudolf Blechschmidt ist frei. Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte am Mittwoch, der 62-Jährige befinde sich in der Obhut afghanischer Sicherheitskräfte. Der Deutsche wurde gegen vier Afghanen ausgetauscht, die laut Kabuler Regierung keine Taliban sein sollen.

Blechschmidt, frei, Geisel, dpa Bild vergrößern

R. Blechschmidt: Nach 85 Tagen ist der Deutsche nun endlich frei. (© Foto: dpa)

Anzeige

Ob für die Freilassung Blechschmidts, der sich 85 Tage in der Hand seiner Entführer befunden hatte, Lösegeld gezahlt wurde, war zunächst unklar. Der Deutsche, der offenbar körperlich unversehrt ist, sollte noch am Mittwoch in die deutsche Botschaft in Kabul gebracht werden. Steinmeier sagte, er sei "froh und erleichtert''.

Mit der deutschen Geisel seien auch seine fünf afghanischen Begleiter freigelassen worden. Nach Steinmeiers Angaben hatte der deutsche Botschafter am Mittwoch telefonisch Kontakt mit Blechschmidt, der am 18. Juli in der Provinz Wardak, südlich von Kabul, entführt worden war.

In einem kurzen Telefonat mit Spiegel Online sagte der Bauingenieur: "Es geht mir gut. Ich bin nur müde." Blechschmidt war zusammen mit einem Kollegen verschleppt worden, der nach einem Schwächeanfall von den Entführern erschossen wurde. Steinmeier erinnerte auch an das Schicksal dieses Entführungsopfers. "Wir teilen die Trauer mit seinen Angehörigen.''

Reingard Blechschmidt, die geschiedene Frau des Ingenieurs, sagte nach der Freilassung ihres Mannes der Süddeutschen Zeitung: "Das Wichtigste für mich ist jetzt, sicher sein zu können, dass es ihm gut geht." Für Außenstehende sei es "sehr schwer nachvollziehbar, was die letzten drei Monate für uns bedeutet haben. Es ist ja nicht nur schwer für den Betroffenen, sondern auch für seine Angehörigen."

Sie hoffe, dass "wir bald auch wieder das Leben aufnehmen können, welches wir vor drei Monaten aufgehört haben zu leben". Bayerns neuer Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) sagte am Rande der Landtagssitzung in München: "Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen. Ich freue mich, dass diese Tragödie eine gute Wendung genommen hat."

Federführend bei der Befreiung waren in den letzten Tagen nach Informationen der SZ vor allem der deutsche Botschafter in Kabul und die afghanische Regierung. Blechschmidt und seine lokalen Begleiter wurden mit Billigung von Präsident Hamid Karsai von Mitarbeitern des afghanischen Geheimdienstes gegen vier Männer ausgetauscht, die zwar dem kriminellen Milieu der Entführer, nicht aber den Taliban angehören sollen.

Erst vor einigen Tagen war eine Übergabe der deutschen Geisel an Mitarbeiter des Internationalen Roten Kreuzes gescheitert. Dabei waren kurzzeitig auch die Mitarbeiter der Hilfsorganisation verschleppt, dann aber wieder freigelassen worden.

Angst vor neuen Entführungen

Steinmeier dankte dem Krisenstab in Berlin, der Botschaft in Kabul, den dorthin entsandten Beamten und besonders der afghanischen Regierung für ihren "unermüdlichen und letztlich erfolgreichen Einsatz''. Der Außenminister erinnerte aber zugleich daran, "dass sich in Irak noch immer Sinan Krause, der Sohn von Hannelore Krause, in den Händen seiner Entführer befindet." Die Regierung arbeite weiter mit aller Kraft auch an Krauses Freilassung.

Experten befürchten, dass in Afghanistan Entführungen eher zunehmen könnten. Die Strategie hat sich als lukrativ erwiesen: Bei der Befreiung einer Gruppe von südkoreanischen Geiseln soll die Regierung in Seoul Millionen Dollar an die Taliban gezahlt haben. Noch während der Geiselkrise rief der "Militärchef'' der Taliban zur Entführung weiterer Ausländer in Afghanistan auf.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Pflicht zur Kür

Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...

(SZ vom 11.10.2007)