Die Vorwürfe wiegen schwer: Kanadische Soldaten sollen in Afghanistan ums Leben gekommen sein, weil die Bundeswehr ihren Hilferuf ignoriert habe. Das Verteidigungsministerium dementiert, die Rolle des deutschen Kommandeurs bleibt aber unklar.

Das Verteidigungsministerium hat die Darstellung zurückgewiesen, wonach kanadische Soldaten in Afghanistan wegen unterlassener Hilfeleistung auch der Bundeswehr ums Leben gekommen seien.

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Ministeriumssprecher Thomas Raabe sagte, der frühere Kontingentführer, Brigadegeneral Markus Kneip, habe ihm in einem Telefonat zugesichert, dass es zum fraglichen Zeitpunkt im Sommer weder eine Anfrage der Nato noch eine "singuläre Anfrage" an die Bundeswehr gegeben habe, in Gefahr geratenen Kanadiern zu helfen.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Märkische Allgemeine aus Potsdam berichteten unter Berufung auf deutsche Teilnehmer der Nato-Parlamentarierversammlung im kanadischen Quebec, ein britischer Konferenzteilnehmer habe sich über einen Fall von unterlassener Hilfeleistung beklagt. Danach habe während der Operation "Medusa" im Sommer der ISAF-Kommandeur 150 Mann aus Kampftruppen zur Unterstützung erbeten, weil kanadische Einheiten in schwere Bedrängnis geraten seien.

Der deutsche Kontingentführer habe daraufhin mitgeteilt, er hätte zwar Soldaten, die er schicken könnte, bekomme aus Berlin aber keine Erlaubnis dafür. Zwölf kanadische Soldaten seien ums Leben gekommen.

Bundeswehr geht nicht in Afghanistans Süden

Bundeswehr-Sprecher Raabe sagte, Kneip habe dementiert, eine solche Antwort gegeben zu haben. Allerdings teilte Raabe nicht mit, was Kneip geantwortet hat. Es blieb auch unklar, ob es möglicherweise eine Anfrage gab, die in dieser Notsituation nicht auf dem Dienstweg gestellt wurde. Nato-Anfragen prüft zunächst das Ministerium in Berlin.

Unterdessen lehnte Verteidigungsminister Franz-Josef Jung einen Einsatz im Süden Afghanistans erneut ab. "Das ISAF-Mandat weist den Deutschen den Norden zu, dort haben wir schon 250 Projekte vom Schulbau bis zur Wasserleitung initiiert", sagte Jung bei einem Besuch der 14. Panzergrenadierdivision in Neubrandenburg.

Die Zusammenarbeit des Militärs mit den zivilen Behörden dort sei vorbildlich. Laut Jung sind im Westen Afghanistans die Italiener, im Süden Kanadier, im Osten die USA und in Kabul die Franzosen zuständig. Von kanadischer Seite soll mehrfach Hilfe bei gefährlichen Situationen angefordert worden sein.

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(dpa)