Die Bedrohung von Bundeswehrsoldaten in Afghanistan wächst - auch in der Haupstadt des Landes. Verteidigungsminister Jung ordnete inzwischen an, die Schutzmaßnahmen für die Soldaten zu verstärken.
Auf das Feldlager der Isaf-Truppen in der afghanischen Hauptstadt Kabul ist am Sonntagabend erneut ein Anschlag verübt worden.
Bundeswehrsoldaten in Camp Warehouse. (© Foto: Reuters)
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Wie der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Thomas Raabe, in Berlin mitteilte, wurden drei Panzerfaustgranaten auf Camp Warehouse abgefeuert. Verletzt worden sei niemand.
Zwei der drei Granaten schlugen laut Raabe in Container ein, eine weitere in eine Tankstelle außerhalb des Isaf-Lagers. Außerdem sei mit Handfeuerwaffen auf einen Wachturm geschossen worden. Die Truppen hätten das Feuer erwidert.
Der Angriff sei ein weiterer Beweis, dass die Lage in Afghanistan im Moment sehr angespannt sei, erklärte Raabe.
In Afghanistan gab es seit Juni mehrere Angriffe auf die Bundeswehr, bei der auch Soldaten verletzt wurden.
Verteidigungsminister Franz Josef Jung sagte, er habe als Reaktion auf die zahlreichen Anschläge angeordnet, dass der Schutz der Bundeswehrsoldaten erhöht werde. So fahre die Bundeswehr jetzt nur noch mit geschützten Fahrzeugen.
Außerdem werde die Aufklärung verstärkt, um Angriffen effektiver entgegentreten zu können. Jung wies auch darauf hin, dass Selbstverteidigung der Soldaten durch das Mandat gedeckt sei. "Aber auch unsere Soldaten wissen sich zu wehren, wenn sie angegriffen werden."
Die Bundeswehr hat im Juni im Rahmen der Isaf-Mission die Verantwortung für den gesamten Norden Afghanistans übernommen und die meisten ihrer Truppen von Kabul nach Masar-i-Sharif verlegt.
Jung führte im Interview mit der Tageszeitung Die Welt die Angriffe auf den Beschluss der Nato zurück, die Isaf-Mission auf ganz Afghanistan auszuweiten. Es könne auch nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass es Verlagerungen terroristischer Aktivitäten aus dem Irak nach Afghanistan gebe.
Nach US-Angaben haben die Koalitionstruppen und afghanische Soldaten in der südafghanischen Provinz Urusgan mehr als 40 radikal-islamische Rebellen getötet.
Die US-Streitkräfte teilten mit, ein afghanischer Soldat sei bei dem Gefecht getötet, drei Soldaten der Koalitionstruppen seien verletzt worden. Die Extremisten hätten die Soldaten unter anderem mit Panzerfäusten beschossen. Die Truppen hätten das Feuer erwidert.
Ein US-Militärsprecher sagte, afghanische und Koalitionstruppen machten Fortschritte darin, Extremisten in Südafghanistan zu "eliminieren". Die am Montag getöteten Rebellen hätten direkte Verbindungen zu Anschlägen auf afghanische Zivilisten und afghanische Regierungsmitarbeiter gehabt.
Derzeit läuft in Afghanistan die größte Offensive der Koalitionstruppen gegen die Taliban und andere radikal- islamische Rebellen. Wegen des Taliban-Terrors werden in Afghanistan derzeit immer mehr Mädchenschulen geschlossen.
Immer mehr Mädchenschulen schließen
Viereinhalb Jahre nach dem Sturz des Taliban-Regimes gehen die meisten Mädchen in Afghanistan nicht zur Schule. Das geht aus einer Studie der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hervor.
Inzwischen gebe es fast in einem Drittel aller Distrikte gar keine Mädchenschule mehr. "Schulen werden durch Bomben und Drohungen geschlossen, womit einer weiteren Generation afghanischer Mädchen Bildung und die Chance auf ein besseres Leben genommen wird", sagte die Ko-Autorin des Berichts, Zama Courssen-Neff.
Unter den Taliban war Mädchen Bildung verboten. Nach dem Sturz des Regimes Ende 2001 wurde der freie Zugang zu Bildung "für alle Bürger" in der afghanischen Verfassung verankert, was die internationale Gemeinschaft als großen Erfolg wertete.
Die aktuelle Entwicklung drohe die Fortschritte im Bildungsbereich aber wieder zunichte zu machen, heißt es in dem Bericht "Terrorlektionen: Angriffe auf Bildung in Afghanistan" der in New York ansässigen Organisation.
Seit Anfang 2005 verzeichnete HRW 204 Angriffe und Angriffsversuche auf Lehrer, Schüler und Schulen, 110 davon in den ersten sechs Monaten dieses Jahres. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen.
Nicht alle Anschläge gingen auf das Konto der Taliban. Der Angriff auf das Bildungssystem sei Teil des "dramatischen Wiederauflebens bewaffneter Gruppen", die gegen die Regierung in Kabul und deren internationale Unterstützer kämpften.
Schulen stellten in vielen Gegenden die einzigen sichtbaren Symbole der Regierung dar. "Die Taliban, lokale Warlords und kriminelle Gruppen teilen jetzt das Ziel, die Zentralregierung zu schwächen", sagte ein weiterer Ko-Autor der Studie, Sam Zafiri.
Zarifi machte die internationale Gemeinschaft mitverantwortlich für die "Menschenrechtskrise" in Afghanistan. Die ausländischen Truppen hätten dabei versagt, Sicherheit in Afghanistan herzustellen. "Die Taliban und andere Gruppen füllen das Vakuum." Die Situation sei aber noch nicht hoffnungslos.
"Die USA und die Nato müssen zeigen, dass sie das Leben einfacher Afghanen sicherer und besser machen können und wollen." Human Rights Watch forderte die Taliban und andere bewaffnete Gruppen auf, Anschläge auf Zivilisten und besonders auf Lehrer, Schüler und Schulen unverzüglich einzustellen.
Die afghanische Regierung benötige eine Strategie, um Anschläge auf das Bildungssystem zu verhindern oder darauf zu reagieren. "Wenn es zu gefährlich ist, Kinder zur Schule zu schicken, dann gibt es keine echte Sicherheit und keine echte Entwicklung", sagte Ko-Autorin Courssen-Neff.
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(AP/dpa/AFP)
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