Afghanistan Afghanische Journalisten stellen sich gegen die Taliban

Mit dem Tod bedroht: Konferenz der Politik- und Nachrichtenredaktion des Privatsenders 1TV in Kabul, Afghanistan, am 13. Oktober 2015.

(Foto: dpa)

Die Taliban bedrohen Journalisten mit dem Tod. Doch die wehren sich - mit der schärfsten Waffe, die ihnen zur Verfügung steht.

Als die Taliban in Afghanistan herrschten, in den Jahren vor 2001, war Fernsehen verboten. Dann kamen die US-Truppen und drängten die Terroristen zurück, hielten sie zumindest in Schach. Und zu den neu gewonnenen Freiheiten gehörte auch eine aufblühende Medienlandschaft. Mehr als 70 Fernsehsender soll es inzwischen in Afghanistan geben.

Diese Freiheit ist jedoch nach dem Rückzug der internationalen Truppen wieder in Gefahr: Die Taliban bedrohen die Journalisten des beliebten Privatsenders Tolo News und des ebenfalls privaten 1TV mit dem Tod. Die Fernsehjournalisten hatten über Vergewaltigungen berichtet, die die Taliban bei ihrem Sturm auf die Provinzhauptstadt Kundus vor zwei Wochen verübt haben sollen. Daraufhin veröffentlichten die Terroristen eine Erklärung, in der es heißt: "Das Islamische Emirat von Afghanistan erkennt von nun an die Sender Tolo und 1TV nicht mehr als Medien an, sondern sieht sie wegen ihrer entwürdigenden und feindlichen Aktionen ​als militärisches Ziel​ an." Die Sender seien "Propagandanetzwerke". In der vergangenen Woche hatten die Taliban bereits zwei Radiostationen in der Provinz Nangarhar angegriffen.

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Aber die Journalisten lassen sich nicht einschüchtern. Die afghanische Journalistengewerkschaft hatte nun ebenfalls eine Mitteilung zu machen: Sie verstehe die Drohung als nicht beschränkt auf die zwei namentlich genannten Sender, sondern als einen Angriff auf die Pressefreiheit im Land. Und sie droht ihrerseits mit ihrer schärfsten Waffe: dem Entzug der medialen Aufmerksamkeit. "Falls solche Drohungen anhalten oder irgendwelche Journalisten oder Medienorganisationen durch die Taliban oder eine andere Gruppe zu Schaden kommen, werden wir als erste Reaktion die Berichterstattung über sie einstellen."

In der Mitteilung heißt es weiter: "Wenn die Taliban oder andere Gruppe eine Beschwerde haben, können sie zu friedlichen Mitteln greifen. Jeder Angriff auf Medien und Journalisten wird als Kriegsverbrechen angesehen."

Afghanistans Präsident Aschraf Ghani nannte die Todesdrohungen gegen Journalisten unislamisch und verfassungswidrig. Die UN-Mission in Afghanistan rief alle Konfliktparteien auf, die Meinungsfreiheit zu respektieren und zu schützen. Die Arbeit von Journalisten sei entscheidend, um unabhängige und zuverlässige Informationen über den anhaltenden Konflikt zu bekommen, heißt es in einer Stellungnahme.