Afghanen greifen US-Einrichtungen an Proteste gegen Koranverbrennung eskalieren - mehrere Tote

Die Wut auf die Amerikaner wächst. Nachdem US-Soldaten in Afghanistan Ausgaben des Korans verbrannt haben, kommt es in mehreren Städten zu massiven Protesten. Bis zu acht Menschen sollen getötet worden sein. Die USA entschuldigen sich für den Vorfall - doch die Erklärung lässt an der Einsicht der Amerikaner zweifeln.

Rauchschwaden wabern durch Kabul. Fotos zeigen, wie Menschen aus Protest Benzinlachen anzünden. Wie sie gegen die Tore und Mauern von US-Einrichtungen treten und schlagen. Wie sie den Koran, das heilige Buch der Muslime, mahnend in die Luft halten. Von verletzten Demonstranten ist die Rede - und von Toten.

Seit bekannt wurde, dass auf dem US-Militärstützpunkt Bagram Koran-Ausgaben verbrannt wurden, grassiert in Afghanistan die Gewalt. Am Dienstag hatten zunächst Tausende Menschen vor der US-Basis demonstriert, auf der afghanische Arbeiter die angesengten Bücher im Müll gefunden hatten. Das Verbrennen des Korans gilt im Islam als Todsünde.

Mittlerweile haben sich die Ausschreitungen ausgeweitet. Dabei starben mindestens acht Demonstranten, Dutzende wurden verletzt, teilten die Behörden mit. Im Bezirk Schinwar in der Provinz Parwan nördlich von Kabul starben sechs Menschen, wie eine Sprecherin der Provinzbehörden der Nachrichtenagentur AFP sagte. Bei Zusammenstößen mit der Polizei seien 13 weitere Menschen verletzt worden. Die Demonstranten hätten die Beamten mit Steinen beworfen. Jeweils einen weiteren Toten gab es nach Angaben des Gesundheitsministeriums in der Hauptstadt Kabul und in der ostafghanischen Stadt Dschalalabad.

Studenten verbrennen Bild von Obama

Dort setzten Studenten ein Bild von US-Präsident Obama in Brand. "Tod Amerika", riefen die Demonstranten in verschiedenen Teilen des Landes.

Die Nachrichtenagentur AFP berichtet weiter von Straßenschlachten in Kabul, in deren Verlauf Sicherheitskräfte auf Demonstranten geschossen haben sollen. Ein Sprecher der Kabuler Polizei sagte, bei Protesten an verschiedenen Orten seien Geschäfte angegriffen und Fahrzeuge zerstört worden. Die Polizei sei verstärkt worden, um die Demonstranten davon abzuhalten, in die Innenstadt vorzudringen.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa skandierten Hunderte Demonstranten vor einem Wohnkomplex von Ausländern in Kabul "Tod für Amerika" und - an die Adresse des afghanischen Präsidenten - "Sterbe, Karsai". Augenzeugen berichteten, mit Eisenstangen und Steinschleudern bewaffnete Aufrührer hätten die Polizei mit Steinen beworfen. Der Mob habe einen Lastwagen in Brand gesteckt.

In Dschalalabad zündeten Demonstranten nach Angaben der Provinzregierung sechs Tanklastwagen an. Auch aus der westafghanischen Stadt Herat werden Proteste mit Tausenden Teilnehmern gemeldet.

USA riegeln Botschaft in Kabul ab

Die USA reagieren auf die Gewalt mit der Abschottung ihrer Botschaft in Kabul. Das Gebäude sei komplett abgeriegelt, das Personal angewiesen, sich nicht in der Öffentlichkeit zu bewegen, hieß es. Auch die Vereinten Nationen und internationale Hilfsorganisationen stoppten alle Bewegungen ihrer Mitarbeiter in Kabul bis auf weiteres.

General John Allen, Oberkommandeur der Nato-geführten Afghanistantruppe Isaf, verpflichtete in einer Direktive alle Soldaten dazu, bis zum 3. März an Schulungen zum angemessenen Umgang mit religiösem Material wie dem Koran teilzunehmen. Die Schulung der Soldaten werde die Erkennung, Bedeutung und Lagerung von religiösem Material umfassen.

Zuvor hatte Allen eingeräumt, dass "irrtümlich" Exemplare des Korans verbrannt worden seien. US-Verteidigungsminister Leon Panetta entschuldigte sich für den "äußerst bedauerlichen Zwischenfall".

Nach Angaben von US-Vertretern hatte der Verdacht bestanden, dass Häftlinge auf dem US-Stützpunkt Bagram die Bücher als Transportmittel für Nachrichten benutzt hätten. Die Soldaten hätten daraufhin beschlossen, "extremistische Literatur" und anderes Material aus der Gefängnis-Bibliothek zu entsorgen. "Die Bücher sind aus gutem Grund entfernt, aber auf schlechtem Weg entsorgt worden", sagte ein US-Vertreter der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Isaf teilte in der Nacht zu Mittwoch mit, am Dienstag seien drei ihrer Soldaten bei einem Sprengstoffanschlag in Südafghanistan getötet worden. Nähere Angaben machte die Schutztruppe wie üblich nicht.

Tote bei Protesten gegen Koranverbrennung

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