AfD-Parteitag in Köln Frauke Petry - die Parteichefin, die keine mehr ist

Die AfD demütigt ihre Vorsitzende auf dem Parteitag in Köln. Als Führungsfigur ist Petry damit erledigt.

Kommentar von Jens Schneider, Köln

Was für eine brutale Niederlage für die Parteichefin: Die AfD sollte sich für eine Richtung entscheiden, mit dieser Forderung ging die Vorsitzende Frauke Petry in den Kölner Parteitag. Es sollte eine Entscheidung für eine bürgerliche Realpolitik sein. Ihren internen Gegnern warf sie einen Kurs der Fundamentalopposition vor. Petry warnte ihre Partei, man dürfe nicht weitermachen wie zuletzt. Die AfD müsse sich für einen anderen Stil entscheiden, um insbesondere bürgerliche Wähler für sich zu gewinnen.

Es war eine Kampfansage an jene, deren Tabubrüche selbst ihr zu viel sind, vor allem an den Rechtsausleger Björn Höcke und seine Gefährten. Petry warb dafür drei Tage vor dem Parteitag in ihrer eigentümlichen Videobotschaft. Und in ihrer Eröffnungsrede in Köln, wo sie Fehler einräumte, um den Antrag aber dennoch durchzubringen. Sie zeigte sich offen für Änderungen, um ihn zu retten.

So demontierte die AfD ihre Chefin

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Viel wäre davon nicht mehr übrig gewesen. Es half dennoch nichts. Nicht einmal einen Showdown gab es. Petrys wichtiger Vorstoß wurde im Vorbeigehen erledigt, nämlich per Geschäftsordnung: In einer Art Sammelantrag beschloss der Parteitag sich damit wie mit einigen anderen Punkten nicht zu befassen. Man nahm ihn von der Tagesordnung.

So erledigte die AfD ihre Führungsfigur ganz beiläufig. Niemand kämpfte für sie, ihr Anliegen war den Leuten nicht wichtig genug. Sie war ihnen nicht wichtig genug. Und wenig später bekam ausgerechnet ihr Ko-Vorsitzender Jörg Meuthen den größten Applaus, als er in einer kruden nationalistischen Rede Petrys durchgefallenen Antrag für unnötig erklärte.

Meuthen ist jener Ökonom, den Petry nach dem Sturz von Bernd Lucke in die Parteispitze holte als liberales Feigenblatt. Als liberal ist er seither nicht aufgefallen, er verbündete sich mit Höcke und Alexander Gauland. Petry ließ ihn derweil oft wie einen Hilfsvorsitzenden erscheinen.

In Köln labte Meuthen sich nun an ihrer Niederlage. Unter Sportlern würde man das Nachtreten nennen, und dies war ein genussvolles Nachtreten, unter Applaus. Es war eine Demütigung für die Parteivorsitzende. In jeder anderen Partei wäre sie zurückgetreten, mit sehr gutem Grund. Denn diese Schmach von Köln zeigte ihr, dass die AfD ihr nicht folgt und sich nicht führen lassen will.

Petry wird diese Botschaft gewiss verstanden haben. Sie bleibt dennoch, sie will ja in den Bundestag, sie ist ehrgeizig. Aber nach diesem Samstag von Köln hat die AfD eine Vorsitzende, die doch keine mehr ist.

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