Analyse zum AfD-Parteitag So demontierte die AfD ihre Chefin

Die Delegierten auf dem AfD-Parteitag lehnen das Kernthema von Parteichefin Petry rundheraus ab.

(Foto: dpa)

Der alte Weggefährte Jörg Meuthen hielt auf dem Parteitag der AfD eine gefeierte Rede, nach der sich die Frage stellt: Wird sich Frauke Petry als Parteichefin halten können?

Von Benedikt Peters, Köln

Zum Schluss bewegt sich Frauke Petry dann doch. Auf ihrem Stuhl auf dem Podium dreht sie den Kopf nach links und schaut schräg nach oben, zum Rednerpult, wo ihr Co-Parteichef Jörg Meuthen gerade seine letzten Sätze ausstößt. "So machen wir das. So und nicht anders. Und auf diesem Parteitag fällt der Startschuss dazu. Glückauf Deutschland, Glückauf AfD...".

Meuthen will noch etwas sagen, aber das geht unter in einem Sturm aus Freudengeheul, Pfiffen und Klatschen. Die Delegierten im Maritim-Hotel in Köln reißt es von den Sitzen, fast alle. Nur eine steht nicht auf, es ist die Parteichefin Petry. Wie könnte sie auch. Meuthen hat ihr gerade einen politischen K.O.-Schlag versetzt. Während die Delegierten noch klatschen, verlässt sie die Bühne, verschwindet hinter dem beigen Vorhang, das Gesicht regungslos.

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Petry gesteht "Fehler" - und lächelt

Vor knapp vier Stunden hatten die gleichen Delegierten noch für die AfD-Chefin geklatscht, nicht gegen sie. Um zwanzig nach zehn am Morgen hält Petry ihre Eröffnungsrede. Sie lächelt. Und sie entschuldigt sich. Sie habe "einen Fehler gemacht", sagt sie und meint damit ihren "Zukunftsantrag", mit dem sie in Köln die AfD nach den Flügelkämpfen der vergangenen Monate auf Linie bringen wollte. Auf ihre Linie und die besagt, dass die AfD moderate, bürgerliche Töne anschlagen und bis 2021 regierungs- und damit koalitionsfähig werden soll.

Den "Fehler", den sie meint, ist der, dass sie den rechtskonservativen Parteivize Alexander Gauland in ihrem Antrag erwähnt hat, gewissermaßen als Negativbeispiel. Als einen, der nicht moderate Töne anschlägt, sondern rechtsnationale. Das hätte sie nicht tun sollen, signalisiert Petry auf der Bühne in Köln. Gaulands Name solle gestrichen werden, erst dann sollten die Delegierten über den Antrag abstimmen, sagt Petry. Sie bekommt Applaus, nimmt Platz. Die AfD-Chefin, so scheint es, ist zufrieden.

In den folgenden drei Stunden wird Petrys Lächeln zunächst einfrieren und dann einem leeren Blick weichen. Sie wird den Kopf senken bis kurz über die Tischplatte und abwechselnd, fieberhaft, mit den Fingern auf ihr Handy und auf die Tastatur ihres silbernen Macbooks einhacken. Die letzten Minuten wird sie einfach regungslos dasitzen.

Denn anders, als der freundliche Applaus am Morgen signalisiert, folgen die Delegierten der Parteichefin nicht. Zunächst schmettern sie Petrys Zukunftsantrag ab, das heißt, sie stimmen nicht einmal gegen ihn. Sie lassen ihn gar nicht erst auf die Tagesordnung. Andererseits wird auch ein weiterer Antrag nicht auf die Tagesordnung gelassen, der zum Ziel hat, dass Parteiausschlussverfahren gegen AfD-Rechtsaußen Björn Höcke zu kippen. Höcke ist nicht nur einer der ärgsten Widersacher Petrys, er steht auch Gauland nahe.

Insofern ist das ein kleiner Erfolg für Frauke Petry. Der Richtungsstreit zwischen rechten Fundis und Realos, er wird in Köln noch einmal vertagt, so könnte man in diesem Moment meinen. Aber da ist Jörg Meuthen noch nicht ans Mikrofon getreten.