AfD AfD-Äußerungen erinnern Gabriel an Nazi-Sprüche

SPD-Chef Gabriel: "AfD überhaupt kein neues Phänomen"

(Foto: dpa)
  • SPD-Chef Gabriel sagte in einem Interview, die Aussagen der AfD seien für ihn nichts Neues, sie erinnerten ihn an die Sprüche seines Vaters.
  • AfDler wünschen sich Gabriel zufolge in das verklemmte Westdeutschland der sechziger Jahre zurück.
  • In der Diskussion um potentielle Nachfolger von Bundespräsident Gauck sagte er: "Die Parteizugehörigkeit ist mir egal. Zuallererst kommt es auf die Persönlichkeit an."

SPD-Chef hat die Aussagen der AfD mit denen seines Vaters verglichen, einem bekennenden Nationalsozialisten, auch nach 1945. "Die AfD ist für mich überhaupt kein neues Phänomen. Das ist eine Partei, der es vor allem darum geht, reaktionäre Ideen zu befördern. Alles, was die erzählen, habe ich schon gehört - im Zweifel von meinem eigenen Vater, der bis zum letzten Atemzug ein Nazi war", sagte er der Berliner Morgenpost.

Früher seien Leute wie der AfD-Vize Alexander Gauland still und in der CDU gewesen, solange sie Karriere machten. "Als es vorbei war, haben sie ihre alten deutschnationalen Parolen ausgepackt", heißt es weiter in dem Interview. Es handele sich um Leute, denen die Weltoffenheit und Liberalität Deutschlands zuwider sei. Leute, "die zurück wollen in die verklemmte und verdruckste alte westdeutsche Republik der sechziger Jahre: Wo die Frauen noch zuhause waren, Ausländer, Schwule und Lesben gefälligst unsichtbar zu sein hatten und abends beim Bier alte Wehrmachtslieder gesungen wurden. Fürchterlich."

Auf die Frage, ob der Aufstieg der AfD ein Argument gegen eine Fortsetzung der großen Koalition sei, sagte Gabriel, er sei sehr stolz auf die Leistung der schwarz-roten Regierung. "Allerdings zeigt Österreich, dass dauerhafte große Koalitionen dazu führen, dass die Menschen sich nach Unterscheidbarkeit sehnen - und dann die Ränder stärken." Die Vorsitzenden der AfD und der rechtspopulistischen FPÖ in Österreich, Frauke Petry und Heinz-Christian Strache, hatten am Freitag bei einem Treffen auf der Zugspitze vereinbart, ihre Zusammenarbeit zu verstärken.

Gabriel: Parteizugehörigkeit des neuen Bundespräsidenten unwichtig

Gabriel äußerte sich auch zur Nachfolge von Bundespräsident Joachim Gauck und widersprach grundsätzlich der Einschätzung von Fraktionschef Thomas Oppermann, der nächste Bundespräsident könne kein Unionspolitiker sein. "Die Zugehörigkeit zu einer Partei darf kein Ausschlusskriterium sein", sagte Gabriel. "Die Parteizugehörigkeit ist mir egal. Zuallererst kommt es auf die Persönlichkeit an."

Oppermann hatte einen Christdemokraten als Nachfolger von Joachim Gauck mit der Begründung ausgeschlossen, die Union wolle auch keinen Sozialdemokraten. Unionsfraktionschef Volker Kauder hatte entgegnet, Sozialdemokraten hätten sich schon öfter geirrt.

Gabriel widersprach auch der These, die Präsidentenwahl im Februar sei ein Signal für die Bundestagswahl im Herbst kommenden Jahres: "Ich finde, dass die beiden Dinge völlig unabhängig voneinander sind." Über die Möglichkeit, gemeinsam mit Grünen und Linken einen Kandidaten aufzustellen, äußerte sich der Parteichef vage. "Wir wissen nicht, ob die Mehrheiten so funktionieren", sagte er. "Deswegen muss man erst mal reden. Es herrscht ja keine Zeitnot."

Treffen in Auschwitz mit Jugendlichen

Wenige Tage vor dem 25. Jahrestag des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags besuchte Gabriel am Samstag das ehemalige deutsche Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Auf seiner Facebook-Seite schrieb der SPD-Chef: "Keine Reise in keinen Teil der Erde hat mich so nachhaltig beeindruckt wie meine erste Reise zur Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz."

Ins Gästebuch der Gedenkstätte schrieb Gabriel einem von ihm geposteten Tweet zufolge, Auschwitz mache immer noch sprachlos. Begegnungen machten aber auch Hoffnung, aus denen sich die Kraft schöpfen lasse, "nie wieder zuzulassen, was hier geschah". Gabriel traf sich mit einer deutsch-polnischen Jugendgruppe, darunter VW-Auszubildenden, die auf dem Gelände der heutigen Gedenkstätte bei Konservierungsarbeiten helfen. Zusammen mit dem Vize-Exekutivpräsidenten des Internationalen Auschwitz-Komitees besuchte Gabriel den sogenannten Todesblock, in dem Tausende Häftlinge ermordet worden waren, und das eigentliche Vernichtungslager Birkenau.

Bei einem Gespräch mit den Jugendlichen in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte erzählte Gabriel, wie er vor fast 30 Jahren als junger Mann das erste Mal nach Auschwitz kam. Die Konfrontation mit der deutschen Vergangenheit habe ihn tief geprägt - wie auch die Auseinandersetzung mit dem eigenen Vater, der die nationalsozialistischen Verbrechen geleugnet habe. "Auschwitz ist eine Mahnung, sich bewusst zu sein, dass wir eine institutionelle Grundlage für Völkerverständigung brauchen, die Völker und Menschen daran hindert, wieder die Dämonen zu entfesseln", schrieb Gabriel in einem Facebook-Post zur Reise. Auschwitz-Birkenau war das größte der nationalsozialistischen Todeslager, in dem mindestens 1,1 Millionen Menschen ermordet wurden.