Mediziner gelten als Unterstützer der FDP. Doch seit der Bundestagswahl wächst die Wut der Ärzte, die sich in Internet-Foren äußern. Dort zeigt sich: Ärzte würden vieles wählen - nur nicht mehr die FDP.
Was einst die Gewerkschaften für die SPD waren, waren die Ärzte für die FDP. Stimmungsmacher für die eigene, gute Sache. Noch im Bundestagswahlkampf hingen in vielen Arztpraxen Plakate, mit denen gegen die Gesundheitspolitik von SPD-Ministerin Ulla Schmidt agitiert wurde. Viele Ärzte scheuten nicht davor zurück, Pro-FDP-Plakate ins Wartezimmer zu hängen, damit die Patienten nicht übersehen, wo sie bei der Bundestagswahl ihr Kreuz zu machen haben.
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Ein halbes Jahr nach der Wahl sind die Weißkittel von der FDP vor allem enttäuscht. (© Foto: dpa)
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Die Mehrheit der Ärzteschaft war gewillt, die Liberalen zu wählen und tat dies auch. In verschiedenen Umfragen unter Ärzten hatte die FDP vor der Wahl grandiose Zustimmungswerte von bis zu 80 Prozent. Ihre große Hoffnung: Die FDP werde sicher alles dafür tun, dass es den darbenden Ärzten wieder bessergeht.
Grenzenloser Optimismus
Als dann auch noch klar war, dass mit FDP-Mann Philipp Rösler ein Arzt Bundesminister für Gesundheit werden würde, haben sich manche schon die Hände gerieben. Ein Arzt in diesem Amt, da mussten die Kassen doch klingeln.
Vorbei, vorbei. Sechs Monate nach der Wahl sind die Weißkittel von der FDP vor allem eines: enttäuscht.
Auf der Internetseite hippokranet.de, einem Forum für Ärzte aller Fachrichtungen, ist dieser Tage die Hölle los. In Tausenden Kommentaren machen die Mediziner ihrem Ärger Luft. "Als Liberaler habe ich mich noch nie so unwohl gefühlt wie heute", schreibt einer. Ein anderer: "Aufwachen, wir wurden im September 2009 getäuscht, verraten und verkauft!" Weitere Wortmeldungen fallen nicht besser aus und richten sich oft direkt an den Gesundheitsminister und FDP-Jungstar: "Röslers Pläne erinnern an die vergangene DDR", moniert einer. Ein anderer: "Ulla Rösler" sei auf dem Weg "in die totale Planwirtschaft!"
Vermehrt kritische Stimmen
Der Chefredakteur von hippokranet.de, Jan Scholz, umschreibt im Gespräch mit sueddeutsche.de den Stimmungswandel noch vorsichtig so: "Anders als kurz nach der Regierungsübernahme registrieren wir in den vergangenen Wochen vermehrt kritische Stimmen gegenüber der FDP in den Diskussionen der Ärzte." Doch wie groß der Brass der Ärzte auf die FDP tatsächlich ist, haben Scholz und seine Mannschaft genau gemessen.
Die Macher des Internetportals, auf dem nach eigenen Angaben mehr als 40.000 Ärzte registriert sind und von den Nutzern finanziert wird, haben ihre Mitglieder zur FDP befragt. 2000 haben geantwortet. Die Erhebung erfüllt sicher nicht alle Vorgaben der modernen Demoskopie, aber als Stimmungsbild hat das Ergebnis eine beachtliche Aussagekraft. Es zeigt, dass die Partei es in Teilen derzeit nicht mal mehr schafft, ihre Stammwähler zu mobilisieren. Die einstigen Kreuzritter der FDP belieben zu meutern.
83 Prozent der Befragten gaben an, am 27. September 2009 FDP gewählt zu haben. Wenn aber jetzt Bundestagswahl wäre, würden nur noch 38 Prozent ihr Kreuz bei den Liberalen machen. Ein niederschmetterndes Ergebnis für eine Partei, für die die Ärzteschaft zu den wichtigsten Wählergruppen gehört.
Wichtige Multiplikatoren
Es kommt noch schlimmer: Weit mehr als 60 Prozent der Befragten bejahen, die FDP im Bundestagswahlkampf unterstützt und sogar aktiv Werbung für die Partei gemacht zu haben. Das war einmal. Die Lage hat sich um 180 Grad gewandelt. Heute zeigen sich gerade noch 13,5 Prozent zufrieden mit der Gesundheitspolitik der FDP. Der Anteil derjenigen, die die FDP ihren Patienten empfehlen würden, hat sich auf 31,6 mehr als halbiert.
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Protest gegen dritte Startbahn
Also , Doktorchen , ... die müßten Sie noch liefern .
Lassen Sie sich vorher noch den Unterschied von Werturteilen und Tatsachen erläutern , ja !? Möglichst von einem Nichtmediziner . Weil bei Ihren Multiple-Choice-Prüfungsfragen so etwas nicht vorkam :-) ...
persönliche Meinungsäußerungen über die Politik lassen nicht auf ein persönliches Wahlverhalten schließen -
und daraus ungenaue Schlußfolgerungen ziehen ist sehr weit hergeholt und bestätigt wieder meine Kernaussage: siehe Kommentar 1
... und dann haben Sie in den stereotypen Schlagworten der Mövenpickpartei die Erlösung vermutet und sind diesen Rattenfängern blindlings gefolgt. Sie hätten schon seit Jahrzehnten mehr denken und handeln sollen.
dann können wir ja auch mal zu den Fakten kommen:
eine ganze Gesellschaftsgruppe wird von der Politik in Geiselhaft genommen, unter unwürdigen Bedingungen zur Arbeit in ihrem Beruf per Sozialgesetz gezwungen - wider jeglichem demokratischen Verständnis - gegen jede Vernunft einer volkswirtschaftlichen oder gar betriebswirtschaftlichen Kalkulation - natürlich nur zum Wohl der "Mehrheit" und um die Soziale Ruhe zu wahren.
Nein - noch nicht jetzt, aber spätestens in 2-3 Jahren werden sich diese Folgen einer Missachtung jeglicher sozialer und demokratischer Spielregeln für den Arztberuf in einer massiven Unterversorgung der Bevölkerung niederschlagen - für das laue Geld bei ständiger Bevormundung wird es einfach keiner mehr machen!
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