Ägyptens Präsident Sisi bei Kopten Weihnachtsgruß, der viel zählt

"Wir sind nichts als Ägypter": Präsident Abdel Fattah al-Sisi umarmt den Kopten-Papst Tawadros II.

(Foto: Khaled Elfiqi/dpa)

Als erster Präsident Ägyptens besucht Abdel Fattah al-Sisi den Festgottesdienst der koptischen Christen in Kairos Markuskathedrale - wenige Tage zuvor hielt er eine Rede zur Reformation des Islam.

Von Paul-Anton Krüger, Kairo

Papst Tawadros II. zelebrierte in der Nacht zum Mittwoch gerade die Weihnachtsliturgie, als ein zuvor öffentlich nicht angekündigter Besucher die orthodoxe Markuskathedrale zu Kairo betrat und den Festgottesdienst der koptischen Christen unterbrach: In schwarzem Anzug und festlicher roter Krawatte schritt niemand geringerer als Ägyptens Staatspräsident Abdel Fattah al-Sisi umringt von Bodyguards und Geistlichen durch das weite Schiff der 1968 geweihten Kirche und ließ sich vom Papst mit Wangenküssen begrüßen. Klatschen und Jubel übertönten die Choräle.

Er sei gekommen, um eine Botschaft der Einheit zu überbringen, ließ Sisi, selbst ein frommer Muslim, die Tausenden Gläubigen wissen. "Niemand soll fragen, was für ein Ägypter man ist - wir sind nichts als Ägypter", rief er den Gottesdienstbesuchern in einer kurzen Ansprache zu, die das Staatsfernsehen wie die gesamte Messe übertrug. Muslime und Christen feierten gemeinsam, sagte er.

Frühere Präsidenten einschließlich Gamal Abdel Nasser haben ebenfalls die Kathedrale und den koptischen Papst besucht, jedoch nicht während eines Gottesdienstes.

Bislang telefonierten die Präsidenten lieber mit dem Koptenpapst

Die Staatschefs, unter ihnen der gestürzte Hosni Mubarak, aber auch der vom Militär abgesetzte Islamist Mohammed Mursi, hatten dem Papst ihre Weihnachtsgrüße telefonisch übermittelt, aber es dabei belassen, Mitarbeiter in den Gottesdienst zu entsenden.

Ägyptens Medien sprachen daher vom ersten Besuch eines Präsidenten der Weihnachtsmesse - eine politische Geste von hoher Symbolik, die trotz des spontan und gelöst wirkenden zehnminütigen Auftritts und der frei vorgetragenen Worte Sisis so kalkuliert wie inszeniert war.

Verstärkt wurde die Botschaft durch einen Besuch Premier Ibrahim Mehlebs in der Kirche am Mittwoch, der die Botschaft des Präsidenten wiederholte: "Wir sagen nicht, dass jemand Muslim oder Christ ist, wir sagen, dass wir Ägypter sind", rief er. Sisi und seine Regierung gaben damit den Kopten das Signal, dass der Staat für ihren Schutz bürge und ihre Ausgrenzung nicht zulassen werde.