Ägypten Drei Verletzte bei Attacke auf Hotel im ägyptischen Hurghada

Aufruhr im Urlaub: Einsatzkräfte treffen vor dem Hotel ein, das mutmaßliche Kämpfer des sogenannten Islamischen Staates attackiert haben.

(Foto: dpa)
  • Mehrere Angreifer haben am Freitagabend ein Hotel im ägyptischen Badeort Hurghada attackiert und dabei drei westliche Touristen verletzt.
  • Die Attentäter sollen eine Fahne der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bei sich getragen haben.
  • Bereits am Donnerstag war vor einem Hotel in Kairo nahe der Pyramiden ein Bus mit Touristen beschossen worden.
Von Paul-Anton Krüger, Kairo

Mehrere Angreifer haben Freitagabend ein Hotel im ägyptischen Badeort Hurghada attackiert und westliche Touristen verletzt. Der Sprecher des ägyptischen Innenministeriums sagte im Staatsfernsehen, zwei Angreifer seien durch ein von der Straße zugängliches Restaurant in das Hotel eingedrungen.

Sie hätten versucht, in der Lobby Geiseln zu nehmen. Polizisten hätten auf sie geschossen, einen der Angreifer getötet und den zweiten verletzt. Die Männer hätten Hieb- und Stichwaffen bei sich getragen und eine Pistole, die sich aber als Schreckschusswaffe erwiesen habe.

Die Attentäter sollen eine Fahne des IS bei sich getragen haben

Die Angreifer, mutmaßlich militante Islamisten, hätten drei Touristen mit Messern Stichwunden zugefügt. Diese seien ins Krankenhaus gebracht worden, das einer von ihnen schon wieder habe verlassen können. Der Sprecher des Innenministeriums sagte, unter den Verletzten seien zwei Österreicher und ein Schwede. Zuvor hatte die Zeitung Masry al-Youm auf ihrer Internet-Seite berichtet, es seien ein deutscher und ein dänischer Staatsbürger betroffen. In ersten Berichten aus dem Hotel hatte es geheißen, die Bewaffneten hätten sich mit einem Boot vom Roten Meer aus genähert und versucht, Touristen in ihre Gewalt zu bringen. Die Angreifer sollen eine Fahne der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) getragen haben.

Das Auswärtige Amt (AA) mahnte auf seiner Internetseite zur Umsicht: "Reisenden wird geraten, sich in Hurghada selbst umsichtig zu verhalten, auf Ausflüge vorläufig zu verzichten und sich über diese Reise- und Sicherheitshinweise sowie die Medien informiert zu halten."

Bereits am Donnerstag war vor einem Hotel in Kairo nahe der Pyramiden ein Bus mit Touristen beschossen worden. Nach offiziellen Angaben gab es dabei weder Tote noch Verletzte. Der Bus und die Fassade des Hotels seien beschädigt worden. Laut dem ägyptischen Innenministerium hatte eine Gruppe von 15 bis 20 bewaffneten und vermummten Jugendlichen Sicherheitskräfte in der Nähe eines Hotels angegriffen und dabei Feuerwerkskörper geworfen, ein Angreifer habe mit einer Schrotflinte geschossen. Dabei sei auch der Bus getroffen worden, in dem sich aber keine Touristen befunden hätten. Er sei für eine Gruppe von 40 israelischen Arabern bereitgestellt worden, die sich aber im Hotel in Sicherheit befunden hätten. Einer der Angreifer sei festgenommen worden.

Ägypten kämpft in einer kriegsähnlichen Auseinandersetzung gegen IS-Ableger

Der ägyptische Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat übernahm am Freitag die Verantwortung für den Angriff und behauptete, es habe "Tote und Verletzte unter Juden und Sicherheitskräften" gegeben. In der Erklärung hieß es, die "Kämpfer" seien mit "leichten Waffen" ausgestattet gewesen. IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi habe dazu aufgerufen, Juden überall ins Visier zu nehmen, hieß es in einer im Internet verbreiteten Stellungnahme.

Ägypten kämpft im Norden der Sinai-Halbinsel in einer kriegsähnlichen Auseinandersetzung gegen einen Ableger des IS. Am Donnerstag sprengte die Gruppe im Sinai eine Erdgas-Pipeline nach Jordanien, Sie hat aber auch immer wieder in Kairo und im Nil-Tal Anschläge verübt, die überwiegend den Sicherheitskräften galten, aber auch dem italienischen Konsulat in Kairo.

Am 31. Oktober stürzte über dem Sinai ein von Scharm el-Scheich gestartetes russisches Passagierflugzeug mit 224 Menschen an Bord ab. Die Opfer waren überwiegend russische Urlauber. Der Kreml gab nach anfänglichem Zögern bekannt, das Flugzeug sei durch eine Bombe mit etwa einem Kilo militärischen Sprengstoff zum Absturz gebracht worden. Der IS hatte sich zu dem Anschlag bekannt und ihn als Vergeltung für das militärische Eingreifen Russlands in Syrien bezeichnet. Dennoch hält Ägypten nach wie vor daran fest, die Untersuchung habe keine Hinweise auf einen Terroranschlag erbracht.

Russland hat seither den Flugverkehr mit Ägypten gestoppt, zuvor hatte Großbritannien Flüge nach Scharm el-Scheich annulliert und bis heute nicht wieder aufgenommen. Der ägyptischen Tourismusindustrie, die zentrale Devisenquelle des Landes und einer der wichtigsten Arbeitgeber, entstanden massive Verluste. Damit wächst in Ägypten die Sorge, dass Terroristen weitere Angriffe auf Touristen planen.