Adoptionsstreit zwischen USA und Russland Schweigeminute für einen Dreijährigen

Russische Waisenkinder: Immer wieder kommt es zwischen den USA und Russland zu Streit wegen Adoptionen.

(Foto: REUTERS)

Auf seiner Leiche fanden Ermittler Hämatome: Schon wieder belastet der Tod eines russischen Adoptivkindes in den USA das Verhältnis zwischen Moskau und Washington. Russische Regierungsvertreter üben heftige Kritik an den USA, in der Duma legen Abgeordnete eine Schweigeminute ein.

Von Frank Nienhuysen, Moskau

Der Tod eines russischen Adoptivkindes in den USA hat in Moskau eine neue Welle der Empörung ausgelöst und droht das Verhältnis der beiden Staaten weiter zu belasten. "Der Fall beschließt endgültig die Frage von Adoptionen unserer Kinder in die USA. Und schon wieder schweigt man in Amerika", schrieb der Leiter des außenpolitischen Duma-Ausschusses, Alexej Puschkow, auf Twitter. Die Abgeordnete Olga Batalina sagte, leider sei der Tod eines russischen Kindes keine Tragödie für amerikanische Senatoren oder überhaupt jemanden in den USA. In einer Duma-Sitzung standen alle russischen Abgeordneten zu einer Schweigeminute auf.

Der drei Jahre alte Maxim Kusmin, der von seiner Adoptivfamilie den Namen Max Shatto erhalten hatte, ist vor vier Wochen in der Gemeinde Gardendale in Texas gestorben. Der Junge wurde möglicherweise misshandelt, auf seinem Körper fanden die Ermittler Hämatome. Berichte, seine Mutter habe ihm außerdem Psychopharmaka verabreicht, konnten die amerikanischen Behörden zunächst jedoch nicht bestätigen. Die Ursache für den Tod von Maxim Kusmin stehe noch nicht fest.

Der amerikanische Botschafter in Moskau, Michael McFaul, versuchte die Spannungen schnell zu verringern und sprach von einer "schrecklichen Tragödie". Er warnte aber die russische Seite vor voreiligen Schlussfolgerungen. Gleichwohl hatte der Kinder-Beauftragte des russischen Präsidenten, Pawel Astachow, bereits öffentlich gesagt, dass die Pflegemutter das Kind umgebracht habe. Astachow erklärte auch, Moskau werde möglicherweise von den USA die Rückkehr von Maxims Bruder Kirill nach Russland verlangen. Beide Brüder waren vor einem Jahr von der texanischen Familie Shatto adoptiert worden. Bis dahin hatten die Kinder in einem russischen Waisenhaus gelebt.

Streit um neues Adoptionsgesetz

Der Tod von Maxim Kusmin fällt in eine Zeit, in der sich an dem Thema der Adoptionen russischer Waisenkinder durch US-Bürger zeigt, wie sich das russisch-amerikanische Verhältnis verschlechtert hat. Im vergangenen Jahr hatte Washington zunächst Sanktionen gegen etwa 60 russische Funktionäre ausgesprochen, die mitverantwortlich sein sollen für den Tod eines Anti-Korruptions-Anwalts. Russland antwortete aus Ärger darüber mit eigenen Sanktionen, unter anderem mit einem Adoptionsverbot gegen Amerikaner. Moskau erinnerte dabei unter anderem an den qualvollen Tod des kleinen Dima Jakowlew, der von seinem amerikanischen Pflegevater stundenlang in der Sommerhitze im Auto zurückgelassen worden war.

Das Adoptionsverbot war in Russland zunächst heftig umstritten, weil in den vergangenen zwei Jahrzehnten Zehntausende Waisen in den USA ein neues Leben gefunden haben. Präsident Wladimir Putin gelang es jedoch, zumindest die Regierung und die Parteien im Parlament für das Gesetz zu gewinnen. Der Parteichef von Gerechtes Russland, Sergej Mironow, etwa sagte, Kusmins Tod bestätige, dass das neue Adoptionsgesetz "völlig korrekt" sei.

Wie verbreitet Gewalt an Kindern in Russland selber ist, zeigte eine Statistik, die der russische Generalstaatsanwalt Jurij Tschaika am Mittwoch in einer Regierungsstunde vortrug. Demnach seien im vorigen Jahr fast 80.000 Kinder Opfer von Vergehen gewesen. Mehr als tausend von ihnen seien getötet oder misshandelt worden. Die Strafen müssten deshalb verschärft werden.